Duisburg

Kanuverband muss trotz Olympiasiegen Trainer entlassen

Duisburg. Trotz aller Versprechungen im Zuge der Spitzensportreform muss der erfolgreichste deutsche Sommersportverband erst mal mächtig sparen. Dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) werden nach eigenen Angaben im neuen olympischen Zyklus Bundes-Zuschüsse jährlich in sechsstelliger Höhe gestrichen. Aus schierer Geldnot könne die freiwerdende Stelle des Rennsport-Cheftrainers somit nicht neu besetzt werden, obendrein müssten vier Nachwuchscoaches entlassen werden. „Mit dieser Perspektive wird es uns nicht mehr möglich sein, unsere Talente zu finden, zu fördern oder gar wie bisher in die Weltspitze zu bringen“, beklagt Verbandschef Thomas Konietzko.

Konkret gab der DKV an, dass ihm die Finanzierung für bestehende Projekte bei der Talentfindung- und -entwicklung gestrichen werde und dadurch Einsparungen im Gesamtbudget nötig seien. Ungeachtet dessen müsse das Gehaltsniveau bei den Spitzentrainern erhöht werden, um Abwerbeversuchen anderer aufstrebender Kanu-Nationen entgegenzuwirken. Somit könne nun auch kein Nachfolger für den scheidenden Rennsport-Chefcoach Reiner Kießler installiert werden. Der 65-Jährige, der die deutschen Paddler bei den Sommerspielen in Rio im August zu sieben Medaillen geführt hatte, geht in Rente. Kießlers Aufgaben sollen Sportdirektor Jens Kahl und Kajak-Männer-Disziplincoach Arndt Hanisch mitübernehmen. „Dass wir diese Position nicht neu besetzen können, macht uns natürlich große Sorge“, so Konietzko: „Wir hätten nicht gedacht, dass uns künftig sogar weniger Geld als bisher zur Verfügung steht.“

Die im Dezember auf der DOSB-Mitgliederversammlung Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Magdeburg verabschiedete Reform soll eigentlich den deutschen Sport nach zwei Übergangsjahren 2017 und 2018 auf Erfolg trimmen. „Diese Entscheidung hat nichts mit der Leistungssportreform zu tun. Im Gegenteil: Ziel der Leistungssportreform ist ja, dass so etwas durch die Umsetzung der Neustrukturierung eben genau nicht mehr vorkommt. Parallel dazu setzen wir uns beim BMI dafür ein, dass dieses Projekt weiter gefördert wird“, sagt Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des DOSB.