Engelberg

Im Aufwind

Bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg präsentiert sich Markus Eisenbichler als neuer Hoffnungsträger

Engelberg. Bundestrainer Werner Schuster war im Wesentlichen zufrieden. Beim letzten Springen vor dem Auftakt der Vierschanzentournee am 30. Dezember in Oberstdorf überzeugten seine Springer mit einer geschlossenen Leistung. Einer mit einer leichten Aufwärtstendenz. In Engelberg konnten sich am Sonntag sowohl Andreas Wellinger als auch Severin Freund und Richard Freitag gegenüber dem Sonnabend minimal verbessern. „Als Trainer bin ich glücklich, wenn ich viele Springer unter den Top 15 habe“, sagte Schuster, „natürlich hätte die Öffentlichkeit gerne einen Springer, der um den Sieg mitkämpfen kann.“

Am nächsten heran an den 17 Jahre alten Slowenen Domen Prevc, der in Engelberg mit 141,5 Metern gewann und seinen vierten Saisonsieg einfuhr, ist momentan noch Markus Eisenbichler. Der 25 Jahre alte Siegsdorfer steigerte sich mit Sprüngen über 136 und 136,5 Metern von Platz sieben am Sonnabend auf die fünfte Position und präsentierte sich als neuer deutscher Hoffnungsträger.

Vergangenen Winter noch im Continental-Cup unterwegs

Dabei ist es noch gar nicht allzu lange her, da wurde er von Schuster ins zweite Glied versetzt. Nach frechen und erfolgreichen Auftritten im Weltcup nach seinem Debüt vor drei Jahren stockte seine Entwicklung. Im vergangenen Winter musste er sich im Continental-Cup abmühen. Gleichzeitig feilten die Nachwuchstrainer Christian Winkler und Bernhard Metzler an seiner Technik. „Er hatte einen Fehler am Tisch“, erklärt Schuster. Der ist mittlerweile behoben. Dies hat nicht nur stabile, sondern auch weite Sprünge zur Folge. „Die Athletik, die Markus in den letzten Jahren aufgebaut hat, kann er jetzt in Technik umsetzen“, erläutert der Bundestrainer. „Er hat ein irrsinniges Fluggefühl, hat die Arme ideal an der Seite.“ Dadurch schafft er, was nicht vielen Springern gelingt. „Er kann unter schwierigen Bedingungen mit ganz wenig Anlauf ganz weit runterspringen“, sagt Schuster.

Vor einer Woche war er in Lillehammer zum ersten Mal in seiner Karriere als Dritter aufs Podest gesprungen. Ein unglaubliches und ein nachhaltiges Erlebnis. „Ich kann das noch gar nicht realisieren“, sagte der Bundespolizist. In der Weltcupwertung liegt er momentan auf Platz sechs. Vor dem ersten Saisonhöhepunkt, der Vierschanzentournee, weckt dies Hoffnungen. Doch der 1,76 Meter große Athlet bleibt ganz gelassen: „Ich gehe nicht anders an diese Aufgabe heran als an jedes andere Weltcupspringen, es sind vier Springen auf vier unterschiedlichen Schanzen. Man muss sich schnell auf die Bedingungen umstellen.“

Nicht nur für Eisenbichler waren die vergangenen Monate nicht ganz einfach. Auch für seine Betreuer gab es manch knifflige Situation zu lösen, die mit Eisenbichlers gewaltigem Ehrgeiz zusammenhängt. „Markus ist sehr akribisch und macht seine Hausaufgaben wirklich hervorragend“, lobt Schuster. Um sogleich die Kehrseite der Medaille anzusprechen: „Ihm muss man aber eher sagen: Hey, lass mal gut sein. Denn was gut ist, muss man gut sein lassen und nicht noch weiter versuchen zu perfektionieren.“ Manchmal verkrampft Eisenbichler. Deshalb geht es nun darum, die nötige Lockerheit zu finden. „Seine Hürde ist jetzt, sich mit der neue Rolle zu identifizieren“, so Schuster. Und diese Rolle bedeutet Mitglied der erweiterten Weltspitze zu sein. „Das ist speziell für die Leute, die länger brauchen, schwierig.“ Überflieger wie Prevc, der am Sonntag endgültig als Topfavorit auf den Tournee-Sieg aufstieg, kennt es nicht anders.