Berlin

„Wir sind müde im Kopf“

Hertha setzt sich mit der zweiten Niederlage in Folge selbst unter Druck. Trainer Pal Dardai hofft gegen Darmstadt auf mehr Frische

Berlin. Keine Torchance gegen Werder Bremen, keine Torchance gegen RB Leipzig. Das, was Hertha BSC derzeit spielt, „ist kein Hertha-Fußball“. Das sagt der, der es wissen muss – Trainer Pal Dardai. Zwei Niederlagen in Folge kassierten die Berliner, „beide verdient“, so ­Dardai.

Es war eine Lehrstunde in Sachen Dominanz, die Hertha beim 0:2 am Sonnabend in Leipzig erhielt. Doch Kritik an seiner defensiven Aufstellung oder Personalauswahl wollte Dardai nicht gelten lassen. „Nein, die Taktik war nicht das Problem“, wehrt er ab. Gegen Leipzig, derzeit neben dem FC Bayern die überragende Mannschaft in Deutschland, hat sich ein Problem ­gezeigt, das Hertha schon mehrfach gegen Topteams hatte. Dardai: „Diese Mannschaften verfügen im Durchschnitt über mehr Geschwindigkeit.“

Der Trainer lobt Ersatz-Abwehrchef Hegeler

Sein Team funktioniere über den ­Zusammenhalt, den Einsatz und das gemeinsame Kombinieren. Davon war in der ausverkauften WM-Arena in Leipzig aber nichts zu sehen. „Wenn dann noch Mitch Weiser nach zehn Minuten verletzt ausfällt, er verfügt über internationale Geschwindigkeit und Technik, dann sieht es nicht gut aus“, sagte Dardai.

Auch wenn im Internet, etwa bei Immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, viele ­Hertha-Anhänger die Aufstellung von Jens Hegeler im ­Abwehrzentrum als Indiz werteten, dass der Trainer das Leipzig-Spiel abgeschenkt habe, schüttelt der Ungar den Kopf: „In den ersten zehn Minuten war Jens noch etwas unsicher. Dann hat er seine Sache überragend gemacht, er war unser bester Feldspieler.“

Der Trainer sagte, mit Blick auf den Jahresabschluss am Mittwoch gegen Darmstadt (Olympiastadion, 20 Uhr), Hertha gehe nicht die Puste aus. Um aber nur Momente später darzulegen, warum die Berliner derzeit so matt wirkten. Seine Mannschaft stand in dieser Halbserie vor vielen Problemen: Zunächst war Torjäger Salomon Kalou aus privaten Gründen in den ersten zehn Spielen nicht zum Einsatz gekommen. Dann fehlte ab dem dritten Spieltag Schlüsselspieler Vladimir Darida zehn Wochen wegen einer Verletzung. Danach fiel der genauso wichtige Weiser über fünf Wochen aus. Auf der Strecke musste Vedad Ibisevic wegen einer Ampelkarte mal pausieren. „Ich bin stolz, wie die Mannschaft alle diese Herausforderungen gelöst hat“, sagt Dardai. ­Geschlossenheit, Mut, ein hoher Aufwand sorgten für erfreuliche 27 Punkte und Platz vier nach 15 Bundesliga-Runden. Nur, dass von dieser Geschlossenheit zuletzt wenig zu sehen war. In Leipzig musste die etatmäßig Innenverteidigung (Sebastian Langkamp und John Brooks sind verletzt) mit ihrer erprobten Spieleröffnung passen. „Uns fehlt etwas“, räumte Dardai ein. Die ­permanenten Aufgaben, die die Mannschaft zu lösen hatte, zeigten Wirkung. „Es fehlt die Frische. Wir sind müde im Kopf.“

Folge: Hertha hat sich mit der Null-Punkte-Ausbeute aus den letzten beiden Spielen für die Darmstadt-Partie selbst unter Druck gebracht. Alle ­wissen: Gegen den Tabellenletzten brauchen die Blau-Weißen einen Sieg, wenn möglich einen überzeugenden, um eine entspannte Vorbereitung auf die Rückrunde zu haben.

Deshalb hat Dardai in seiner ­Vorbereitung den Jahresendspurt gegen Leipzig und Darmstadt stets zusammen gedacht. Gegen RB saßen zunächst Darida, Per Skjelbred, Valentin Stocker und Alexander Esswein auf der Bank. „Sami Allagui habe ich zur U23 geschickt und ihn gebeten, dort eine Halbzeit zu spielen. Kann sein, dass ich ihn brauche“, sagte Dardai. Prompt traf Allagui am 17. Spieltag der Regionalliga Nordost und sorgte im Amateurstadion für den 1:1-Endstand. Gegner von ­Herthas Nachwuchs war vor 233 Fans - die U23 von RB Leipzig. Von den Profis spielten außerdem Sinan Kurt und ­Maximilian Mittelstädt.

Kalou hängt durch,Kurt hofft auf Einsatzzeit

So formschwach wie sich Kalou in Leipzig präsentiert hat, kann es gut sein, dass Kurt eine Chance auf einen ausführlichen Bundesliga-Einsatz erhält. Bisher hat der 20-Jährige bei ­Hertha nur vier Bundesliga-­Minuten (verteilt auf zwei Spiele) ­gesammelt.

Die Hoffnung von Dardai: Hertha kann einen Tag länger regenerieren als Darmstadt. Die Gäste haben zudem die Reise nach Berlin zu bestreiten. Und auch mit dem Selbstbewusstsein dürfte es bei dem Team um die Ex-Herthaner Peter Niemeyer, Fabian Holland und Änis Ben-Hatira nicht zum besten bestellt sein. Das 0:1 gegen den FC Bayern am Sonntag war die achte Darmstädter Niederlage in Folge. Dardai: „Wir ­werden ­genügend frische Spieler am Mittwoch haben und wollen von ­Beginn an ­richtig Druck machen.“