Darmstadt

Schuss zum Sonntag

Träge Bayern brauchen Traumtor von Costa in Darmstadt, um sich auf Leipzig einzustimmen

Darmstadt. Karl-Heinz Rummenigge freute sich über sein Wortspiel. „Ein Sonntagsschuss am Sonntag“, sagte der Vorstandsboss über den befreienden Lucky-Punch-Schuss von Douglas Costa, zuvor einer der Schwächsten der trägen und ideenlosen Bayern. Mit links hämmerte er den Ball in den Winkel – das 1:0 (70.) und der Sieg gegen die tapferen Darmstädter, den Tabellenletzten. Nur ein lichter Moment bei einem Arbeitskick reinster Prägung.

Die Gastgeber schafften es, dem Tabellenführer ihr ungemütliches Spiel aufzuzwingen, machten die Räume eng. Darmstadt verteidigte aufopferungsvoll. Die Bayern hatten Feldüberlegenheit, aber keine Kontrolle. Sie kamen mit einem zittrigen 1:0 (1:0) davon, bei dem die Gedanken schon woanders waren: Mittwoch! Leipzig! Statement setzen! Das 1:0 sichert ihnen den Verbleib an der Tabellenspitze, nur dank der besseren Tordifferenz vor RB Leipzig. Schön für die Dramaturgie drei Tage vor Heiligabend (Anstoß 20 Uhr): Der Sieger ist Weihnachtsmeister. Bayern gegen Bullen, der Platzhirsch der Liga gegen den besten Aufsteiger aller Zeiten – ein Duell der Systeme. Kontrollierte Attacke gegen freche Pressing-Monster.

„Am Mittwoch werden wir besser spielen“, verkündete Rummenigge und fügte grinsend hinzu: „Wer gegen Barcelona, Real Madrid, Manchester United oder gegen wen alles gespielt hat, ist auch für Rasenballsport bereit. So heißt das jetzt – lese ich zumindest immer.“ Die Vorfreude der Bayern ist groß. „RB wird ein anderer Gegner sein, ein ganz anderes Spiel. Es wird ein heißes Aufeinandertreffen, ein Duell auf Augenhöhe“, sagte Manuel Neuer. Und Mats Hummels meinte: „Eine verdammt harte Aufgabe. Wir brauchen ein Top-Spiel von uns.“ Zuletzt hatten die Bayern Leipzig verbal ins Visier genommen. Dass mit RB nun ein neuer Konkurrent erwachsen ist, dadurch fühle Präsident Uli Hoeneß sich „nur noch mehr angestachelt“. Für seinen Ausrutscher („Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können“) hatte er sich schnell entschuldigt. Dennoch: Je lauter das Gebrüll, desto ernster wird der Gegner genommen. Abteilung Attacke? Nein: Ein Verein voller Attacke! Sie wollen Fußball-Deutschland zeigen, wer der Herr im Hause Bundesliga ist.

Parallel rüstet man sich für ein langfristiges Duell mit Leipzig. Bayern plant die Zukunft, hat laut „Bild am Sonntag“ mit den beiden Hoffenheimern Niklas Süle und Sebastian Rudy die ersten beiden Zugänge für kommenden Sommer klar gemacht. Keine atemberaubenden, eher ganz rationale Transfers. Deutsche Nationalspieler der Marke zuverlässig mit viel Potenzial. Jung und mit großer Perspektive wie der 21-jährige Süle. Im besten Fußballeralter wie der 26-jährige Rudy, der bereits viel Bundesliga-Erfahrung aus Stuttgart und Hoffenheim (192 Liga-Einsätze, zwölf Länderspiele) mitbringt.

Hoffenheimer Süle und Rudy sollen im Sommer kommen

Dass man mit dem Hoffenheimer Duo einen direkten Konkurrenten schwächt , war im Falle der TSG nicht der erste Gedanke, es handelt sich ja nicht um Leipziger Schlüsselspieler wie Emil Forsberg. Es sind, neudeutsch gesagt, eher „Take-the-chance-Transfers“. Gelegenheit macht Verträge. Innenverteidiger Süle, bisher ein Länderspiel, kostet rund 25 bis 30 Millionen Euro Ablöse. Er kommt, weil Bayerns Abwehrspezialisten Jérome Boateng (fehlt wegen einer Schulter-Operation) und Javi Martínez zu oft verletzt sind. Mit Rudys ablösefreiem Transfer ist man auf der Rechtsverteidiger-Position abgesichert, sollte Philipp Lahm nach Ende dieser Saison seine Funktionärskarriere beginnen.