Eistanz

Ein Urlaub auf dem Berliner Eis

Die Eistänzerin Kavita Lorenz will ihren Heimatbesuch vergolden und peilt mit Partner Polizoakis den deutschen Meistertitel an.

Kavita Lorenz und Panagiotis Polizoakis wollen es zu den Olympischen Spielen schaffen

Kavita Lorenz und Panagiotis Polizoakis wollen es zu den Olympischen Spielen schaffen

Foto: Justin Lane / picture alliance / dpa

Berlin.  Ihr großes Ziel haben die Eistänzer Kavita Lorenz und Panagiotis Polizoakis jeden Tag vor Augen. Es ist aus Fleisch und Blut und hört auf die Namen Madison Chock und Evan Bates. Die beiden Amerikaner gehören zu den Besten ihrer Zunft, 2015 waren sie Vizeweltmeister – und sie sind tägliche Trainingspartner von Lorenz und Polizoakis. So gut wie sie wollen die Berlinerin und ihr Partner auch einmal werden.

Seit vergangenem Jahr trainieren die Eistänzern dafür in den USA, wo die Disziplin einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland. „In der Halle, in der wir dort trainieren, findet von sechs Uhr morgens bis 17 Uhr nur Eistanz statt“, erzählt Polizoakis. In Nordamerika sind die besten Eistänzer wahre Stars, während sie hierzulande wegen der fehlenden Sprünge meist im Schatten des Einzel- und Paarlaufs stehen.

Meisterschaft im Wedding

Dabei ist die Disziplin schauspielerisch höchst anspruchsvoll, die Jury achtet auf kleinste Details. Punktabzug gibt es bereits, wenn die Handbewegungen beider Läufer nicht identisch sind oder wenn während des Auftritts das Lächeln verschwindet. Eistänzer müssen vier Minuten lang die Mundwinkel hochziehen. Davon können sich an diesem Freitag (15 Uhr) und Sonnabend (13 Uhr) auch die Zuschauer der Deutschen Meisterschaften im Weddinger Erika-Heß-Eisstadion überzeugen.

Lorenz und Polizoakis gehen als Titelverteidiger an den Start – Ziel ist die erneute Goldmedaille. Die Form stimmt: Erst kürzlich erreichten sie bei einem Wettkampf der Challenger-Serie in Zagreb eine neue Punkte-Bestleistung. „Wir sind gut drauf, wir haben ein gutes Gefühl“, sagt Lorenz. Insgesamt treten fünf Paare an, wobei vor allem Katharina Müller und Tim Dieck aus Dortmund starten ebenso mit großen Ambitionen – auch sie trainieren jetzt in den USA. „Alles andere als der Titel wäre für uns eine Enttäuschung“, so Lorenz.

In Oberstdorf kennengelernt

Die 21-Jährige stammt aus Berlin, ihre Eltern und Geschwister leben in Friedenau. Für die Meisterschaften zieht sie jedoch lieber ins Hotel. „Zuhause sind alle so nervös, da würde ich mich bloß anstecken“, sagt sie. Als sie den gleichaltrigen Polizoakis als Jugendliche in Oberstdorf kennenlernte, wohin sie des Eiskunstlaufs wegen gezogen waren, starteten beide noch im Einzel. Doch schon damals hatten sie ihre Stärke eher in der B-Note, mit der der künstlerische Ausdruck bewertet wird, als in den Sprüngen. Seit Frühling 2015 sind sie auf dem Eis ein Paar und schafften es in ihrer ersten Saison auf Anhieb zur EM (Platz 14) und ins WM-Finale (Platz 17).

Trainiert werden sie in Übersee vom Russen Igor Shpilband, einem der erfolgreichsten Coaches der Szene, spätestens seit den Weltmeisterschaften 2011 – damals waren gleich drei von ihm betreute Paare auf das Podium gelaufen. „Er ist ein Perfektionist. Bei ihm sind wir in guten Händen“, sagt Kavita Lorenz. Sie hätten ein fast familiäres Verhältnis zu Shpilband, erzählt sie, „aber manchmal kann er auch ein ziemlich harter Hund sein.“ Wenn sie in Deutschland starten, wird das Paar normalerweise von Martin Skotnicky betreut, der 2004 Kati Winkler und René Lohse zu WM-Bronze geführt hatte – bis heute das letzte deutsche Edelmetall im Eistanz. Doch diesmal ist Shpilband selbst vor Ort, er fliegt extra für die Meisterschaften nach Berlin.

Erst Trennung, dann Rücktritt davon

„Das freut uns riesig“, sagen Lorenz und Polizoakis. Es zeigt, wie viel auch ihm die Zusammenarbeit mit den beiden bedeutet. Gemeinsames Ziel sind die Olympischen Winterspiele 2018 in Pyeongchang (Südkorea). „Wir suchen bereits nach der passenden Musik“, verrät Lorenz. Auch akustisch wollen die beiden hervorstechen – so wie jetzt bei den nationalen Titelkämpfen, wo sie sich für die Kür für einen Hiphop-Song entschieden haben.

Doch beinahe wäre der olympische Traum vorzeitig geplatzt. Im April verkündeten Kavita Lorenz und Panagiotis Polizoakis, dass sie sich nach nur einem gemeinsamen Winter wieder trennen würden. „Wir hatten zu der Zeit ein paar private Probleme abseits des Eis. Das war nichts zwischen uns beiden“, sagt Polizoakis. Zwei Monate später verkündeten sie, doch zusammen weiterzumachen. „An unserem Verhältnis hat sich nichts geändert“, betont Lorenz. Und ihr Partner meint: „Das kam in der Öffentlichkeit dramatischer rüber als es war.“