Mönchengladbach

Drauf gepfiffen

Fehlentscheidung des Schiedsrichters rettet Gladbachs Sieg gegen Mainz - und verschafft Trainer Schubert Luft

Mönchengladbach. Danny Latza sah äußerlich wenige Minuten nach dem Abpfiff schon wieder ganz aufgeräumt aus, innerlich aber kochte der 27-jährige Mainzer. Ein Handspiel des Gladbachers Tobias Strobl, Mitte der ersten Halbzeit im eigenen Strafraum, und ein nicht anerkanntes Tor der Rheinhessen in der 89. Minute – auch Latza kannte die ultimativen Reiz-Momente einer weitgehend unansehnlichen Partie. Als glückliche 1:0 (1:0)-Sieger verließen die Hausherren so den Borussia-Park. Während Mittelfeldmann Latza eins und eins zusammenzählte und zum Schluss kam: „Wären beide Szenen für uns gepfiffen worden, wären wir mit einem 2:1 und drei Punkten nach Hause gegangen.“ Also: „Der Schiedsrichter hat’s uns ein bisschen versaut heute.“

Vor allem der Pfiff von Referee Robert Hartmann, mit dem er dem korrekten Treffer des eingewechselten Pablo De Blasis die Zustimmung verweigerte, erboste die Gäste. Ob Borussen-Keeper Yann Sommer nach dem Schuss von Aaron Seydel, der ihm zunächst durch die Beine gekullert war, die Hand schon am Ball hatte, ehe De Blasis das Spielgerät über die Linie drückte – der Unparteiische wusste es selbst nach dem nachträglichen Studium der TV-Bilder noch nicht.

„Wenn ein Schiedsrichter pfeift, muss er sich schon hundertprozentig sicher sein, dass es kein Tor war“, echauffierte sich FSV-Sportdirektor Rouven Schröder. Und Cheftrainer Martin Schmidt kommentierte lakonisch: „Jetzt diskutieren wir die ganze Woche über wieder über eine Fehlentscheidung anstatt über Fußball und Leistungen.“ Eine Meinung zu der strittigen Szene brachte dann aber auch der 49-jährige Schweizer an: „Beim nächsten Mal“, sagte er, „bitte ich um ein bisschen Hilfe von oben“.

Manager Eberl fordert sechs Punkte bis Jahresende

Den schwer in die Bredouille geratenen Gladbachern gewährten die unergründlichen Fußballmächte gegen Mainz Unterstützung. „Heute hatten wir das nötige Quäntchen Glück“, so Trainer André Schubert. Einen einträglichen Schlussspurt bis Weihnachten forderte Sportdirektor Max Eberl („Wir haben eine beschissene Bundesliga-Situation“) vor der Partie von Coach und Mannschaft. Vor den verbleibenden Partien des Jahres in Augsburg und gegen Wolfsburg kann Schubert bei nun sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz erst mal ein bisschen durchatmen. Drauf gepfiffen, ob da auch Glück mitspielte. „Vom Charakter her werden das ganz ähnliche Spiele“, prophezeite Tony Jantschke für die letzten zwei Begegnungen bereits einen vergleichbaren Krampf wie gegen Mainz. „Ich habe selten ein Spiel gespielt, das fußballerisch so schlecht war“, seufzte Gladbachs Abwehrspieler noch – eine Entschuldigung an die 48.000 Zuschauer.

Ihr aus den Fugen geratenes Lebensgefühl war den Niederrheinischen überdeutlich anzumerken. Die Spielgeschwindigkeit war von Beginn an dürftig – dazu passte, dass Jantschke bereits nach drei Minuten mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen lag. Der Mainzer Jairo hatte ihn mit seinem sehr hoch in die Luft gestreckten Fuß am Kopf getroffen – ohne Verwarnung für den Spanier, aber mit Jantschke ging es weiter. Abgesehen von zahlreichen leichten Fehlpässen der hypernervösen Borussen sowie vereinzelten halbwegs gefährlichen Angriffsversuchen von Gästestürmer Karim Onisiwo passierte nicht viel. Eine bleierne Schwere lag über dem Borussia-Park, die Gladbacher Unsicherheiten im Spielaufbau wurden dadurch nicht gemindert. Selbst der sonst so ballsichere Brasilianer Raffael ließ sich anstecken. auch seine Pässe endeten meist in den Beinen der rot gekleideten Mainzer.

Die Pfiffe des Publikums bei Halbzeit waren so müde wie das Spiel. Mit einem Wechsel versuchte Schubert, seiner Mannschaft mehr Schwung zu verleihen. Thorgan Hazard ersetzte den wirkungslosen André Hahn auf der rechten Außenbahn. In der letzten halben Stunde wurde es zumindest minimal besser. Der mühevolle Lohn war, im Anschluss an eine Ecke, das Siegtor durch Andreas Christensen eine Viertelstunde vor Schluss.

Bezeichnenderweise lenkte Borussias dänischer Innenverteidiger dabei einen von FSV-Kapitän Stefan Bell abgelenkten Ball über die Linie – mit sehr viel Glück. Standardsituationen waren zuletzt nicht eben die Stärke der Borussia gewesen, entsprechend kommentierte Coach Schubert: „Es ist schon kurios, was manchmal alles zusammenkommt.“