Berlin

Hin ist Herthas Heimserie

Diesmal schwache Berliner verlieren gegen Bremen nach sechs Siegen zu Hause mit 0:1. Langkamp verletzt sich

Berlin.  Eintracht Frankfurt, TSG Hoffenheim, 1. FC Köln, Borussia Dortmund, RB Leipzig – alle Konkurrenten spielten für Hertha, indem sie an diesem 14. Bundesliga-Spieltag Punkte liegen ließen. Doch die Mannschaft von Trainer Pal Dardai ließ selbst die Gelegenheit ungenutzt verstreichen und kassierte gegen Werder Bremen am Sonnabend eine unerwartete 0:1 (0:1)-Heimniederlage. Auch wenn Hertha mit 27 Punkte weiter Tabellen-Dritter ist, war der Abend für die Berliner nach zuletzt sechs Siegen im Olympiastadion in Folge ein herber Rückschlag. Hin ist die schöne Heimserie. Bremen, bisher in der Fremde nur Punktelieferant, gelang damit der erste Auswärtserfolg dieser Saison.

Stark lädt Kruse zum Führungstreffer ein

Dass Hertha vor 51.337 Zuschauern sein Momentum verloren hat, ist selbstverschuldet. Den einzigen Treffer des Tages durch Max Kruse (41. Minute) legten die Hausherren durch Niklas Stark selbst auf. „Das war heute eine schlechte Tagesform von uns. Das können wir uns nicht leisten, daher ist die Niederlage verdient“, analysierte Dardai selbstkritisch. Denn überzeugend präsentierte sich Hertha nur in der Anfangsphase: Alexander Esswein, der den Vorzug vor Genki Haraguchi erhalten hatte, flankte nach 55 Sekunden in die Mitte des Werder-Strafraums. Dort war Kapitän Vedad Ibisevic schneller als Verteidiger Lamine Sané, doch der Ball strich knapp am rechten Pfosten vorbei. Nach 20 Minuten musste Dardai seine Taktik ändern: Nach Innenverteidiger John Brooks (Achillessehnen-Beschwerden), für den Stark spielte, meldete sich Abwehrchef Sebastian Langkamp mit einer Oberschenkelverletzungn ab. Fortan bildeten Fabian Lustenberger und Stark die Innenverteidigung.

Nette Geste am Rande: Werder-Oldie Claudio Pizarro (38) verlängerte einen Sprint an der Seite bis zur Hertha-Trainerbank, strich seinem langjährigen Wettkampf-Rivalen Dardai (40) über den Kopf. Der Hertha-Trainer tätschelte dem Bremer die Wange, als wollte er sagen: „Alter, dass Du Dir immer noch die Bundesliga antust.“ Dass Pizarro nach wie vor das Zeug zum Hertha-Schreck hat, zeigte er nach 35 Minuten: Es bedurfte einer Glanzparade von Torwart Rune Jarstein, um den Schuss des Peruaners zu parieren. Den Abpraller jagte Werders Kruse über das Berliner Tor. Die Gäste waren nun besser im Spiel – und bestraften einen Blackout von Stark.

Der ging als letzter Mann am eigenen Strafraum ins Dribbling. Kruse erhaschte den Ball und schob ihn ein: 0:1 (41.). Stark, sonst die Zuverlässigkeit in Person, schlug die Hände vors Gesicht, Lustenberger kam vorbei und sprach dem Kollegen Mut zu. „Das kann passieren“, sagte zwar Mitspieler Per Skjelbred. Und auch Dardai erklärte: „Er ist ein junger Spieler. Er darf sich das leisten.“ Doch Stark selbst wollte davon später nichts hören: „Ich will kein junger Spieler sein, ich will einen Schritt nach vorn machen und nicht nach hinten. Das darf mir nicht passieren“, so der 21-Jährige.

An der Seitenlinie zeigte Dardai an: Sofort zurückschlagen! Der eingewechselte Valentin Stocker spielte steil auf Ibisevic, dessen Schuss klatschte an den rechten Außenpfosten – nichts war es mit dem Ausgleich (45.). Es sollte die beste Chance der Herthaner bleiben. „Wir haben uns heute keine klaren Gelegenheiten erarbeitet. Dann verlierst du“, sagte Dardai. „Bremen hat es gut gemacht, und wir waren nicht bei 100 Prozent“, sagte Skjelbred.

Auch nach der Pause vermochte Hertha zunächst keinen Druck aufzubauen, also wechselte der Trainer erneut: Mitchell Weiser durfte nach überstandener Muskelverletzung erstmals seit fünf Wochen ran. Nun drängten die Hausherren: Salomon Kalou versuchte es aus der Distanz, Werder-Torwart Jaroslav Drobny parierte (65.). Dardai setzte auf Offensive und brachte Stürmer Julian Schieber (70.).

Spruchband fordert Rücktritt von Präsident Gegenbauer

Vor allem Weiser trieb das Spiel an. Nach einem 60-Meter-Sprint legt er für Stocker auf, dessen Schuss parierte Drobny erneut (76.). Auf der anderen Seite durfte sich Hertha mehrfach bei Torwart Jarstein bedanken, der Konterchancen vereitelte. Die letzte Hertha-Chance vergab Ibisevic (86.). „Irgendwann musste der Tag kommen, dass wir zu Hause verlieren“, sagte Dardai. „Ich bin aber nicht sauer.“

Sauer sind dagegen einige Hertha-Fans auf Präsident Werner Gegenbauer: Der 66-Jährige hatte bei der Mitgliederversammlung Ende November in Sachen Stadion-Standortsuche und Rivalität zu RB Leipzig andere Standpunkte vertreten als einige Anhänger. Die Retourkutsche kam nun mit einem Spruchband in der Ostkurve, auf welchem dem Präsidenten vorgeworfen wurde, die Mitglieder nicht zu achten: „Gegenbauer raus.“