Berlin

Union wagt sich aus der Deckung

Nach dem Erfolg gegen Braunschweig sprechensie in Köpenick erstmals offen vom Aufstieg

Berlin. Der Sieg des 1. FC Union gegen Eintracht Braunschweig (2:0) war erst wenige Minuten alt, als sich folgende Szene vor der Alten Försterei abspielte. „Von den Liga-Favoriten haben wir Braunschweig und Hannover geschlagen und gegen Stuttgart unentschieden gespielt“, frohlockte ein Fan angesichts des Sprungs auf Zweitliga-Platz vier. Und bekam prompt die Antwort: „Aber dann kommt ja wieder die Rückrunde, und da müssen wir bei allen dreien auswärts antreten.“ Die Tonlage verriet Ernüchterung.

Der Dialog steht stellvertretend für die rot-weiße Gemütslage. Oft genug schürte eine tolle Hinrunde die Hoffnung, dass die Köpenicker bis zum Schluss zumindest um den Aufstieg würden mitspielen können. Genau so oft sorgte eine deprimierende Rückrunde dafür, dass die Spielzeit eigentlich schon Mitte März beendet war.

Der Erfolg gegen Braunschweig bewirkt anno Dezember 2016 vor allem eines: einen stärkeren Glauben daran, dass sich die typische Union-Saison nicht wiederholt. Es war Felix Kroos, der Kapitän, der sich als erster aus der Deckung wagte: „Wir sind oben dran. Da, wo wir hinwollen. Ganz klar“, sagte der Mittelfeldspieler. Nach oben, auf einen Aufstiegsplatz, in die Bundesliga.

„Wir haben immer gesagt, dass wir oben spielen können. Wenn die Mannschaft so spielt wie heute, dann wird das auch weiter so sein“, bilanzierte Trainer Jens Keller. Allein die Entwicklung, die die Mannschaft in den vergangenen beiden Spielen vollzogen hat, lässt darauf hoffen, dass Union die Spielzeit mit etwas wirklich Großem abschließen kann. Noch gegen Stuttgart (1:1) liefen die Köpenicker gut eine Stunde lang nur hinterher, erst mit dem Ausgleich legten sie richtig los. Dann, in Sandhausen (1:0), präsentierte sich Union dem Vereinsnamen entsprechend als echte Einheit. Nicht wirklich schön gespielt, aber bis zum Schluss hellwach. Dreckiger Sieg ist der Terminus für jenen Auswärtsauftritt. Nun das klare Statement an die Liga mit den 90 Minuten gegen Braunschweig. Von Beginn an auf Augenhöhe mit dem vormaligen Spitzenreiter, ab Halbzeit zwei engagierter und mit den richtigen Spielzügen, um vor dem Tor zum Erfolg zu kommen.

Ein Sieg gegen ein Spitzenteam, eben nicht wie so oft in den Vorjahren irgendwie zustande gebracht, sondern erspielt. Ruhig und konzentriert. „Wir wussten, dass wir heute viel Ballbesitz haben werden und Braunschweig viel auf die zweiten Bälle gehen wird“, erklärte Keller. Die Rückeroberung des Balles, auch in Kellers Spielphilosophie ein tragendes Element, setzte Union am Montagabend besser um als der Gegner. Nicht dank hektischer Betriebsamkeit oder ausschließlich mit Glück, sondern mit taktischer Sicherheit.

Wenn Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht Union in den Vorjahren als Mitfavorit im Aufstiegsrennen bezeichnete, so war meist viel Understatement dabei. Warum seine Einschätzung nun nicht mehr pure Augenwischerei ist, verdeutlichte der Coach wie folgt: „Das liegt an der guten Kaderzusammenstellung. Und am Trainer, der einen sensationellen Job macht.“ Lieberknecht dürfte wissen, wovon er redet, weiß er doch genau, wie Aufstieg geht: Braunschweig führte er in die Zweite Liga (2011) und in die Bundesliga (2013).

„Ziel war es, den Abstand zu verringern. Jetzt sind wir auf Schlagdistanz“, sagte Keller. Dass die Mehrheit der Fans ihm vertraut, wurde am Montag auf der Ehrenrunde der Mannschaft deutlich, die von den Zuschauern frenetisch gefeiert wurde.