Champions League

Die Steuer jagt Real-Star Modric

Mit Luka Modric gerät nun auch Real Madrids derzeit wichtigster Spieler ins Visier der Steuerfahndung

Luka Modric ist ein Schlüsselspiel von Real, hier grätscht er gegen Barcelonas Superstar Lionel Messi

Luka Modric ist ein Schlüsselspiel von Real, hier grätscht er gegen Barcelonas Superstar Lionel Messi

Foto: SERGIO PEREZ / REUTERS

Barcelona.  Keine Tattoos, kein Glamour, keine Salonauftritte, keine Sponsoren-Tweets. Luka Modric (31) repräsentiert den Typ, der oft nostalgisch als Fußballer der alten Schule bezeichnet wird. Man wusste über den kleinen Regisseur eigentlich nur, dass er eine harte Kindheit im jugoslawischen Bürgerkrieg hatte und mittlerweile ruhig in einem Madrider Villenvorort lebt. Abgesehen davon natürlich, dass er fantastisch kickt.

Dann kam der Dienstagmorgen, und die Zeitung „El Mundo“ verblüffte auf der Titelseite mit der Nachricht, dass auch dieser Modric seine Geheimnisse haben könnte. Aus den „Football Leaks“-Dokumenten soll hervorgehen, dass er über eine auf seine Frau Vanja angemeldete und nach seinem Sohn Ivano benannte Briefkastenfirma in Luxemburg die Einkünfte für seine Bildrechte am spanischen Fiskus vorbeischmuggelte. Bereits seit Januar soll ein Untersuchungsverfahren der Steuerbehörden laufen.

Sportlich überzeugt Modric seit Jahren

Die Enthüllungen kommen in einem Moment, in dem sich nicht nur Modric selbst „den besten Fußball meiner Karriere spielen“ sieht. Auch Kollegen und Medien feiern den Kroaten als „wichtigsten Spieler von Real“ wie kürzlich Gabi, Kapitän des Lokalrivalen Atlético, hervorhob. „In den letzten drei Jahren gab es bei Madrid keinen besseren Fußballer“, unterstrich die Sportzeitung „As“ nach der imposanten Vorstellung am Wochenende beim FC Barcelona.

Von den Zuschauern im Estadio Santiago Bernabéu wird er geradezu angebetet. Als er Anfang November nach einer Verletzungspause erstmals wieder eingewechselt wurde, erhoben sie sich zu einer Ovation, wie sie etwa ein Ronaldo bei allem Kult noch nie erhielt.

Gegen Dortmund geht es heute um den Gruppensieg

Da ist es vor dem Champions-League-Duell gegen Borussia Dortmund (20.45 Uhr, ZDF und Sky) umso schmerzhafter, dass nun auch seine Gesetzestreue in Zweifel steht.

Die Debatte insbesondere um Ronaldo und seine angeblich bis zu 150 Millionen Euro offshore geparkten Einkünfte wirft ja nicht nur ein schlechtes Licht auf die spanische Justiz, die bis zuletzt die Veröffentlichungen der „Football Leaks“-Daten im „Spiegel“ und „El Mundo“ mit richterlichen Unterlassungsanordnungen zu verhindern versuchte.

Real Madrid gerät unter unter Druck

Auch Real Madrid gerät unter Druck – sind doch weitere aktuelle (außerdem: Pepe, Fábio Coentrão) und ehemalige (José Mourinho, Mesut Özil) Klubgrößen von den Enthüllungen betroffen, die sich offenbar einem Datenleck bei der Steuerkanzlei Senn Ferrero verdanken. Die wurde von einem ehemaligen Real-Generaldirektor gegründet, und dort soll auch dem Vater von Martin Ödegaard ein Sparmodell über Luxemburg angeboten worden sein, als sein Sohn im Januar 2015 zu Real wechselte. Der Norweger lehnte ab, unter anderem aus „moralischen Gründen“, wie es in den Publikationen heißt.


Modric galt dieser Tage als Bastion dafür, dass auch noch über Fußball gesprochen wurde. Im Clásico bot er eine so komplette Darbietung, eroberte Bälle, eröffnete das Spiel, kümmerte sich persönlich um die Bewachung von Lionel Messi, hielt nach dem Rückstand phasenweise allein die Gegenwehr aufrecht und legte in der letzten Minute mit punktgenauem Freistoß den Ausgleich auf. Danach stand er mit seinen 1,74 Metern in der Interviewzone und sagte mit seinem harten slawischen Akzent: „Wenn wir bei unser Qualität auch noch so kämpfen, sind wir kaum zu schlagen.“

Die harte Kindheit des kleinen Luka

Er ist auch ein Fighter, das wird oft übersehen, weil er am Ball alles kann und so genial den Außenrist einsetzt, Privileg der großen Künstler. Andererseits ist es nur logisch, wenn man seine Biographie kennt. Als er sechs Jahre alt war, wurde sein Großvater von serbischen Aufständischen erschossen, die Familie musste fliehen.

Die ersten Sporen verdiente er sich bei Zrinjski Mostar im noch kriegsgeplagteren Bosnien. „Wer es da schafft, kann es überall schaffen“, sagte er, und so sollte es auch kommen. Modric triumphierte bald in Zagreb, in der Nationalelf, bei Tottenham und seit 2012 bei Madrid.

Schon als Co-Trainer suchte Zidane die Nähe zum Kroaten

Als „Traum jeden Trainers“ hat ihn Spurs-Coach Harry Redknapp mal bezeichnet. Carlo Ancelotti würde bestimmt nicht widersprechen, der Italiener ist bis heute überzeugt, dass er in Madrid nie gefeuert worden wäre, hätte sich Modric in der entscheidenden Saisonphase 2015 nicht verletzt.

Und Zinédine Zidane ist erst recht d’accord, der heutige Coach baute zu Modric schon als Assistent Ancelottis ein besonderes Verhältnis auf, nach dem Training blieben beide oft noch allein da und übten Distanzschüsse. Schon damals sah er in dem kleinen Spielmacher eine Art Wiedergänger seiner selbst, die gleiche Mischung aus Klasse, Technik und Arbeitsethos. Zumal derzeit ohne den verletzten Toni Kroos ist Modric bei Real der Mittelpunkt auf dem Platz. Daneben wäre er wohl liebend gern unter dem Radar geblieben.