Berlin

Union verkürzt den Abstand

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Michael Färber

Mit einem 2:0 gegen den Aufstiegskandidaten Braunschweig lassen die Berliner die eigenen Ambitionen steigen

Berlin. Den Ritterschlag für den 1. FC Union gab es bereits am Sonntag. Im RTL-Jahresrückblick bei Günther Jauch hatte Toni Kroos sich vor einem Millionen-Publikum im TV als Fan des Berliner Fußball-Zweitligisten geoutet. Wegen seines Bruders Felix, der seit knapp einem Jahr das Union-Trikot trägt, drückt der Weltmeister nun den Köpenickern die Daumen und nicht mehr Heimatklub Hansa Rostock.

Dass weltmeisterliche Unterstützung nicht ausreicht, um endlich den Sprung in die Bundesliga zu schaffen, dürfte klar sein. Dafür braucht es Siege, zum Beispiel gegen Eintracht Braunschweig, das sich 50 Jahre nach der Meistersaison anschickt, auch im kommenden Sommer mit der erneuten Rückkehr in die erste Liga groß feiern zu können. Am Montagabend erhielten die Aufstiegsambitionen der Braunschweiger allerdings einen Dämpfer, und die der Unioner neue Nahrung. Durch ein 2:0 (0:0), das Union auf Platz vier vorrücken ließ mit einem Punkt Rückstand zu Relegationsplatz drei. Die Eintracht musste derweil die Tabellenführung dem Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart überlassen.

„Wir waren von Anfang an enorm aggressiv und haben viele zweite Bälle gewonnen. Das war ausschlaggebend“, sagte Trainer Jens Keller. Das Duell hielt zumindest in der ersten Halbzeit nicht das, was man sich von diesem Spitzenspiel vor 20.312 Zuschauern in der Alten Försterei versprochen hatte. Die klirrende Kälte mag ihren Teil dazu beigetragen haben, dass sich beide Teams auf dem Rasen neutralisierten. Mit Sicherheit ist es der Respekt voreinander gewesen, der beide zunächst kaum ins Risiko gehen ließ. Das Wissen um die Stärken des Gegners, wenn er den Ball erobert und Platz bekommt, ließ viele Aktionen verpuffen.

Union-Trainer Keller vertraute der gleichen Formation, die am vergangenen Spieltag den ersten Union-Sieg in Sandhausen (1:0) einfahren konnte. Torschütze an jenem Sonntagnachmittag: Felix Kroos. Und der Kapitän der Köpenicker hatte auch die erste und einzige Chance der Hausherren vor der Pause. Über Simon Hedlund und Damir Kreilach kam der Ball in den Braunschweiger Fünfmeterraum, wo ihn Eintracht-Verteidiger Ken Reichel direkt vor die Füße von Kroos klärte. Mehr als ein unglücklicher Versuch mit der Hacke sprang jedoch nicht heraus (28.).

Hedlund und Daube treffen erstmals in dieser Saison

Die erste Schrecksekunde hatte Union da schon überstanden: Nach einem Tritt von Mirko Boland gegen den Kopf des nach einem Zweikampf am Boden liegenden Kreilach musste der Kroate minutenlang behandelt werden. Danach liefen viele Aktionen über ihn, ohne jedoch die erhoffte Wirkung zu erzielen. Weil Unions Torjäger Collin Quaner ebenso abgemeldet war wie Domi Kumbela gegenüber, blieben Torszenen Mangelware.

In der Pause schienen sowohl Unions Coach Jens Keller als auch Torsten Lieberknecht auf der anderen Seite die richtigen Worte gefunden zu haben. Beide Teams kamen mutiger aus der Kabine. Saulo Igor Decarli stoppte Steven Skrzybski im Braunschweiger Strafraum im letzten Moment (51.), im Gegenzug zimmerte Kumbela den Ball aus 25 Metern an den Pfosten, Torwart Jakob Busk hätte keine Chance gehabt (52.).

Wie schon vor dem Wechsel wurde Union immer dann gefährlich, wenn Kreilach und Hedlund an den Aktionen beteiligt waren. So auch in der 56. Minute. Ausgangspunkt war Kroos, von dem Kreilach den Ball in zentraler Position erhielt, ehe er ihn gleich weiter auf Hedlund leitete. Ein kurzer Antritt des Schweden, dann ein Linksschuss und schon kullerte der Ball zur Union-Führung ins Tor. Es war das 500. Zweitliga-Tor in der Geschichte der Köpenicker.

Braunschweig versuchte sofort zu reagieren – es misslang. Ein Fernschuss von Maximilian Sauer zwang Torwart Busk zu einer Parade, bei der der Däne jedoch keine Probleme hatte (64.). Dann war Busk bei einem Versuch von Onel Hernandez zur Stelle (71.). Die Eintracht verstärkte ihren Druck, Keller brachte den defensiveren Stephan Fürstner für Kroos (70.). Zudem sollte Philipp Hosiner für den ausgelaugten Quaner für Entlastung sorgen (78.). Den entstehenden Platz versuchte Union mit Kontern vor allem über den schnellen Hedlund zu nutzen. Ohne Erfolg – bis Dennis Daube nach Zuspiel von Hedlund auf 2:0 erhöhte (82.). Inwiefern das Daumendrücken von Weltmeister Toni Kroos dazu beigetragen hat, lässt sich jedoch nicht ermitteln.