Madrid

„Ich zweifle nie an mir“

Atlético-Star Griezmann über Selbstvertrauen, das Bayern-Duell und warum er Hertha-Spiele guckt

Madrid. Antoine Griezmann hat das beste Jahr seiner Karriere hingelegt. Der 25 Jahre alte Stürmer von Atlético Madrid verlor zwar die Endspiele in der Champions League gegen Real Madrid und bei der EM mit Frankreich gegen Portugal. Doch Griezmann ist zum Superstar aufgestiegen – und zum Schrecken des deutschen Fußballs. Manuel Neuer überwand er im EM-Halbfinale gegen das DFB-Team gleich zweimal. Im Mai warf er den FC Bayern im Halbfinale der Champions League aus dem Turnier. An diesem Dienstag geht es zum Abschluss der Gruppenphase in der Königsklasse erneut gegen Neuer und den FC Bayern (20.45 Uhr/Sky).

Herr Griezmann, wie fühlt man sich eigentlich als Deutschland-Schreck?

Antoine Griezmann: (lacht) Ich sehe mich so nicht. Klar habe ich sicherlich mit meinen Toren sowohl Bayern München in der Champions League als auch der deutschen Nationalmannschaft bei der EM weh getan, aber das Glück war einfach zum richtigen Zeitpunkt auf meiner Seite. Es war eine Periode, in der ich mit vollem Selbstvertrauen gespielt habe. Ich fühlte mich stark wie nie.

Wie erklären Sie, dass Ihnen deutsche Mannschaften so gut liegen?

Das deutsche Spiel scheint mir zu liegen, stimmt. Ich mag es einfach, wenn eine Mannschaft nach vorne spielt und versucht Tore zu machen. Dann kann man durch Konter erfolgreich sein, und genauso ist es sowohl in der Champions League als auch bei der EM gelaufen.

Bewundern Sie einen deutschen Spieler?

Mesut Özil ist ein überragender Spieler. Ich schätze seine Spielweise, seine Passqualität und auch, dass ihm immer wieder eine spielerische Lösung durch einen steilen Pass oder ein Dribbling gelingt. Er ist sehr elegant am Ball. Auch Miroslav Klose hat mir sehr gut gefallen – als Torjäger, mit seinem unglaublichen Riecher und seinen Stärken im Kopfball-Spiel. Wie er nach hinten gearbeitet hat, hat mich begeistert.

Was bedeutet der FC Bayern für Sie?

Es handelt sich um eine der drei, vier besten Mannschaften Europas, die jedes Jahr um den Titel in der Champions League mitspielt. Wenn man in München auftritt, merkt man sofort, dass es sich um einen Riesen-Verein handelt: eine fantastische Arena, eine bombastische Stimmung und einen absoluten Top-Kader. Gegen die Münchner spiele ich immer gern.

Viele Stürmer haben oft Bammel, wenn sie auf Neuer treffen. Warum Sie nicht?

Angst existiert für mich nicht im Fußball. Ich setze mich nicht unter Druck, weil Neuer mein direkter Gegner ist. Mir ist es völlig egal, wer der gegnerische Torwart ist. Mein Ziel ist es einzig und allein, ihn zu bezwingen. Dabei versuche ich immer eiskalt und selbstbewusst zu bleiben. Ich zweifle nie an mir.

Verfolgen Sie eigentlich die Bundesliga?

Immer wieder, und ich habe Spaß zuzuschauen. Dadurch, dass die Spielweise offensiv ausgerichtet ist mit vielen Toren, Weitschüssen und Tor-Möglichkeiten, ist es egal, ob jetzt Borussia Dortmund, Bayern München, Schalke 04 oder Hertha BSC spielt. Wenn ich zu Hause bin und ein Spiel aus der Bundesliga kommt, ist es meistens spannend und spektakulär.

Welche Chancen sehen Sie für sich im Rennen um den Ballon d´Or?

Ich bin überhaupt zum ersten Mal im Rennen. Nach diesem Jahr wäre es nicht unverdient, als Dritter hinter Cristiano Ronaldo und Lionel Messi zu landen.