Berlin

Ein Sieg in Gummersbach gegen den Herbst-Blues

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Fäths Wechselwunsch verstärkt schlechte Stimmung bei den Füchsen

Berlin. Erlingur Richardsson wirkt genervt. Der Trainer der Füchse Berlin ist auch an guten Tagen nicht gerade eine sprudelnde Informationsquelle, jetzt ist der Isländer noch kürzer angebunden. Auf die Frage, wie er das Problem der vielen technischen Fehler im Aufbauspiel löse, antwortet er knapp: „Keine technischen Fehler mehr machen.“ Die Stimmung im ganzen Team ist gedrückt, nicht nur bei ihm, die Euphorie des glanzvollen Saisonstarts verblasst. Torhüter Petr Stochl kritisierte zuletzt mangelnde Einsatzbereitschaft. Fast fühlt man sich an die vergangene Saison erinnert, als der Tscheche Anfang Dezember zum Kapitän ernannte wurde und ordentlich aufräumte.

Am Sonntag beim VfL Gummersbach (15 Uhr, Sport 1) wollen die Füchse anders auftreten als zuletzt im EHF-Cup. „Was wir in der ersten Hälfte gegen Velenje gemacht haben, war schlecht“, sagt Steffen Fäth. „Das darf nicht noch einmal passieren.“ Am Mittwoch wurde bekannt, dass der Rückraumspieler einen Vertrag bei den Rhein-Neckar Löwen ab 2018 unterschrieben hat. „Ich weiß, es ist nicht optimal, vier Monate nach dem Vereinswechsel schon einen Vertrag woanders zu haben“, gibt er zu. „Ich kann verstehen, wenn Leute sagen: Soll er gehen, wenn er hier nicht sein will. Aber so ist es nicht. Ich bin voller Vorfreude hierher gekommen. Dass es so gelaufen ist am Anfang, wusste keiner.“

So lange wie jetzt sei er noch nie in einem Leistungstief gewesen, sagt der 26-Jährige. „Es kann sein, dass ich zu ungeduldig mit mir selber bin. Aber ich weiß, was ich kann, und das ist nicht immer das, was ich momentan zeige. Vielleicht fehlt das Selbstvertrauen, vielleicht sind es die privaten Dinge, da kommt viel zusammen.“ Damit spielt der Frankfurter auf die schwere Krankheit seines Vaters an. Über die Option, seinen Vertrag aus diesem Grund schon früher aufzulösen, gab es bisher keine Gespräche, sagt der deutsche Nationalspieler. „Ich habe noch gar keine Zeit gehabt, groß darüber nachzudenken. Ich habe hier einen gültigen Vertrag, den möchte ich auch gern erfüllen.“

Bislang bekommt Fäth nicht viel Einsatzminuten. „In Wetzlar habe ich im Spiel sechs bis acht Tore geworfen, hier mache ich nur zwei, in Wetzlar habe ich aber auch 50, 60 Minuten gespielt“, rechnet Fäth vor. Die Löwen sehen offenbar das Potenzial in dem Hessen. Auch Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hätte trotz des holprigen Starts gern mit ihm verlängert. Sein Plan war, mit Fäth, Fabian Wiede und Paul Drux eine stabile Achse im Rückraum zu schaffen. Davon sind die Füchse weit entfernt. „Es ist gerade schwierig im rechten Rückraum. Christoph Reißky hat seine erste Bundesligasaison, Fabi kann momentan wegen seiner Schulterverletzung nicht von zehn Metern werfen, dadurch verschiebt sich alles“, erklärt Fäth. Von den vielen Optionen, die Richardsson zu Saisonbeginn hatte, sind einige weggefallen. Vielleicht ist er deshalb gerade so grummelig.

( npri )