Biathlon

Konzentration der Kräfte sichert noch keine Medaillen

Bei den Biathleten gibt es bereits eine Konzentration auf zwei große Trainingszentren. Doch ausgerechnet sie machen sich für Vielfalt stark.

Laura Dahlmeier , Maren Hammerschmidt , Franziska Hildebrand and Franziska Preuß (v.l.) starten an diesem Mittwoch im Einzel in die Weltcupsaison

Laura Dahlmeier , Maren Hammerschmidt , Franziska Hildebrand and Franziska Preuß (v.l.) starten an diesem Mittwoch im Einzel in die Weltcupsaison

Foto: Hendrik Schmidt / picture alliance / dpa

Östersund/Köln.  Wenn Maren Hammerschmidt auf Stippvisite in der alten Heimat ist, kommt sie ins Staunen. Vor sechs Jahren tauschte die Biathletin ihren Lebensmittelpunkt im Hochsauerland gegen die bayerischen Alpen ein. Weil es mit der Karriere nicht voranging, wollte sie sich im Training an den besten Skijägerinnen orientieren, zog von Winterberg nach Ruhpolding. „Das hatte aber nichts mit dem Stützpunkt zu tun“, betont Hammerschmidt: „Winterberg hat mittlerweile ähnliche Sportstätten wie die großen Stützpunkte.“

Freitag Abstimmung über Spitzensportreform

Am Sonnabend wird bei der Mitgliederversammlung des DOSB über die geplante Spitzensportreform abgestimmt. Bundesinnenminister Thomas de Maizière und DOSB-Präsident Alfons Hörmann haben ein Projekt angeschoben, das für das Land bei Olympischen Spielen künftig 30 Prozent mehr Medaillen abwerfen soll – an der Basis jedoch auf Skepsis stößt. Auch, weil einige der 19 Olympiastützpunkte zusammengelegt und die 204 Bundesstützpunkte um rund 20 Prozent reduziert werden sollen.

Im Biathlon brachte die Konzentration auf Oberhof und Ruhpolding in den vergangenen Jahrzehnten fast durchgehenden Erfolg. Trotzdem verfolgen auch die Skijäger die Neujustierung mit Magengrummeln. Am Mittwoch starten sie in Östersund ins erste Einzelrennen der Saison. Beim Frauen-Klassiker über 15 Kilometer dabei ist Franziska Hildebrand, im letzten Winter als Fünfte beste Deutsche im Gesamtweltcup.

Kritik an radikalen Änderungen: „Funktioniert nicht“

Wie Hammerschmidt trainiert die gebürtige Hallenserin schon lange in Ruhpolding. Die Bedingungen dort weiß die 29-Jährige zu schätzen, zugleich hält sie aber ein Plädoyer für die kleinen Stützpunkte. „Dort wurde so viel in Athleten investiert, bis die überhaupt Teil einer Nationalmannschaft sein konnten“, sagt Hildebrand, der vor allem der Wohlfühlfaktor am Herzen liegt: „Wenn alles andere stimmt, kann man aus schlechten Trainingsbedingungen viel machen.“ Hammerschmidt sieht es ähnlich. „Ich fände es furchtbar, wenn kleine Stützpunkte zugemacht würden“, erklärt die 27-Jährige und meint mit Blick aufs große Ganze: „Mit radikalen Änderungen oder Äußerungen wie die von den 30 Prozent mehr Medaillen – das funktioniert im Sport meistens nicht.“

Außer Frage steht für Deutschlands Top-Skijäger die Bedeutung regelmäßigen Trainings mit den Besten im Lande – zumindest in ihrer Disziplin. „In einer Individualsportart wie Schwimmen kann ich mir aber vorstellen, dass ein Mannschaftsgefüge nicht unbedingt nötig ist“, denkt der Oberhofer Erik Lesser. „Ich verstehe, wenn einer sagt: Ich schwimm‘ lieber in Halle oder sonstwo. Weil ich hier meinen Trainer habe, der mich kennt und weiß, worauf es ankommt.“

Für alle ist es wichtig, mit den Besten zu trainieren

Um dorthin zu kommen, wo international die Musik spielt, gibt es viele Wege. Einen davon beschreitet Benedikt Doll. 2013 wechselte der Hobbykoch aus Titisee-Neustadt zur Trainingsgruppe nach Oberhof – aber eben nicht komplett. Zwischendurch trainiert er wochenweise zu Hause im Schwarzwald, im letzten Winter schwang er sich so zum zweitbesten DSV-Mann hinter Simon Schempp auf. „Ich glaube, für ihn ist es sehr wichtig, dass er mit uns in der Gruppe trainiert“, erklärt Arnd Peiffer (29) die Erfolge des drei Jahre jüngeren Doll. Doch grundsätzlich findet der Sprint-Weltmeister von 2011: „Es ist Quatsch, jemanden zu zwingen, permanent an seinem Stützpunkt zu sein. Ich glaube, die Mischung kann es da durchaus bringen.“