Berlin

Videobeweis: Hätte es Elfmeter gegeben gegen Bayern?

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Martinez-Handspiel befeuert Befürworter des Hilfsmittels

Berlin. Das 2:1 der Bayern gegen Leverkusen am Sonnabend lieferte eine Szene, die jenen recht gibt, die sich für die Einführung des Videobeweises stark machen: das Handspiel des Münchners Verteidigers Javi Martinez beim Kopfball des Leverkuseners Kevin Volland in der 82. Minute. Die Morgenpost beantwortet dazu die wichtigsten Fragen.

Wie hätte sich die Anwendung eines Videobeweises ausgewirkt? Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) hatte nach jener Szene, die für ihn nur äußerst schwer zu erkennen war, auf Eckball entschieden. Eine Fehlentscheidung, wie der frühere Fifa-Schiedsrichter Markus Merk bereits während der Live-Übertragung auf Sky feststellte: Martinez strecke seinen Arm mit der Absicht aus, um den Weg des Balles ins Tor zu verhindern. Ein Video-Assistent hätte Korb per Funk auf diesen Fehler hinweisen können, es hätte Elfmeter für Leverkusen und wohl Rot für Martinez gegeben. Elfmetersituationen zählen neben Toren, Platzverweisen und Spielerverwechslungen bei Gelber und Roter Karte zu den spielentscheidenden Situationen, die laut International Football Association Board (IFAB) überprüft werden dürfen.

Hat es zuvor schon ähnliche Fälle gegeben? Die erste Anwendung des Videobeweises in einem offiziellen Pflichtspiel gab es Mitte September im niederländischen Pokal. Beim 5:0 von Ajax Amsterdam gegen Willem II griff der Video-Assistent nach einem Foulspiel ein, wonach ein Spieler vom Platz gestellt wurde. Drei Wochen zuvor im Länderspiel Italien gegen Frankreich soll der Franzose Layvin Kurzawa einen Kopfball von Daniele De Rossi mit der Hand abgewehrt haben. Zwei außerhalb des Stadions positionierte Schiedsrichter entschieden, dass kein Handspiel vorlag – Einwurf statt Elfmeter.

Wann wird der Videobeweis in Deutschland eingeführt? In dieser Saison läuft die erste Testphase. Von Köln aus beurteilen ehemalige Unparteiische anhand sämtlicher TV-Bilder die Situationen ohne Eingriff ins Spielgeschehen. Erste Zwischenergebnisse soll es Anfang nächsten Jahres nach der Hinrunde geben. Ab 2017/18 sind Live-Tests bei allen Bundesligaspielen geplant, die sich unmittelbar auf die Entscheidungen der Schiedsrichter auswirken können. Die letzte Entscheidung liegt jedoch weiter bei den Unparteiischen. Außer in Deutschland und den Niederlanden finden Testläufe auch in Australien, Brasilien, Portugal und den USA statt.

( fär )