München

Bayer gegen Bayern: Hummels versüßt Hoeneß-Rückkehr

Der FC Bayern hat beim Sieg gegen Bayer Leverkusen aber mehr Mühe als erwartet – und ein wenig Glück.

Mats Hummels (Mitte) lässt sich für sein Tor feiern

Mats Hummels (Mitte) lässt sich für sein Tor feiern

Foto: Matthias Hangst / Bongarts/Getty Images

Da saß er wieder auf seinem angestammten Platz, auf seinem Thron. Uli Hoeneß war zurück, ganz oben, auf dem Podium zwischen seinen neuen Präsidiumskollegen, die auf der Jahreshauptversammlung am Freitag ebenfalls mit großer Mehrheit gewählt worden waren.

Karl Hopfner, der scheidende Präsident und Lückenbüßer während Hoeneß’ Haft, hatte da längst in der ersten Reihe des Auditoriums Platz genommen. Spätestens, als sich mit Matthias Sammer der Sportdirektor einen Tag vor dem Trainingsauftakt im Juli zurückzog, fehlte das Kernige, die von Hoeneß selbst einst ins Leben gebrüllte Abteilung Attacke.

Was auch fehlte, waren zuletzt die Punkte, die Siege, die Selbstverständlichkeit. Gestern Abend holte man sich etwas Balsam, gewann gegen Champions-League-Achtelfinalist Bayer Leverkusen mit 2:1 (1:1) durch Tore von Thiago (30.) und Mats Hummels (56.). Glücklich allerdings. Bei der Chance von Kevin Volland zum 2:2 war Javi Martínez schneller am Ball – mit ausgestrecktem Arm (82.).

Kaum ist Hoeneß wieder Präsident, klappt’s auch wieder mit den Punkten

Es hätte die Rote Karte für den Spanier und Elfmeter geben müssen. Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) entschuldigte sich nach dem Spiel bei Bayer-Coach Roger Schmidt für seinen Lapsus.

Dennoch: Kaum ist Hoeneß wieder Präsident, klappt’s auch wieder mit den Punkten. Das Glück ist zurück. In der Nacht zuvor hatte Hoeneß, gerade gewählt, seine Bayern aufgeweckt. „Leipzig hat 4:1 gewonnen, wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können“, rief Hoeneß, ganz im alten Modus vom Podium den über 7000 Mitgliedern zu.

Und weiter: „Wenn man ehrlich ist, mussten wir die letzten Jahre die Motivation immer aus uns selbst holen. Es ist höchste Zeit, dass mal wieder ein paar kommen, damit wir sie wieder richtig bekämpfen können.“ Am frühen Sonnabendabend, kurz vor Beginn des Spiels gegen Leverkusen, entschuldigte er sich am Sky-Mikrofon: „In meiner Euphorie gestern habe ich natürlich ein völlig falsches Wort gesagt. Das gilt sowohl für Leipzig als auch für Dortmund.

Im Fußball gibt es keine Feinde, die gibt es im Krieg. Im Irak oder Syrien, da gibt es Feinde, aber nicht im Fußball – das sind Rivalen und Gegner. Das Wort Feind nehme ich hiermit offiziell zurück und entschuldige mich dafür.“ Das ist der neue Hoeneß, der den alten in die Schranken weisen muss. Ein Autodidakt mit rund 35 Jahren Funktionärserfahrung.

„Es war wirklich harte Arbeit“

Seine Bayern, die laut Hoeneß endlich wieder „rennen“ sollten, schafften die Wende mit einem Arbeitssieg im ungemütlichen Novemberregen. Womöglich hatte das 1:2 der Dortmunder vom Nachmittag in Frankfurt etwas zusätzlichen Elan gegeben. Die Mannen von Trainer Carlo Ancelotti schafften einen befreienden Erfolg, der sehr mühsam zustande kam.

Einen Sieg des Willens. Nach dem 1:1 durch Calhanoglu aus spitzem Winkel (35.) wirkten die Gastgeber wieder lethargisch und uninspiriert. Wo war der Hoeneß-Effekt? Das Aufbäumen des wütenden Tabellenzweiten? Wo war das Feuer?

„Es war wirklich harte Arbeit“, sagte Manuel Neuer, „uns fehlt momentan die Leichtigkeit und die Sicherheit.“ Am Ende war es mehr Erleichterung denn euphorischer Jubel. Man ist wieder dran an Leipzig. Drei Punkte Rückstand. Neuer: „Wir müssen versuchen bis Weihnachten an Leipzig dranzubleiben, sie vielleicht sogar zu überholen.“ So lautet Hoeneß’ Befehl.