Mönchengladbach

Jetzt auch noch Guardiola

Nach anhaltender Talfahrt braucht Gladbach dringend ein Erfolgserlebnis, um im Europacup zu überwintern

Mönchengladbach. Andreas Christensen kam vor knapp eineinhalb Jahren aus London an den Niederrhein – und über kurz oder lang wird es den hochbegabten Innenverteidiger auch wieder zum FC Chelsea zurückziehen. Vor allem ohne die reizvollen Intermezzi auf internationaler Bühne dürfte es den Gladbachern schwerfallen, den aktuell entliehenen Dänen zu halten. Noch aber genießen sie die Duelle mit der Fußball-Prominenz aus ganz Europa. Christensen kann beim Besuch von Manchester City am Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF) nun sogar bekannte Gesichter von der Insel begrüßen, vor dem Wiedersehen schwelgte er aber lieber in jüngeren Erinnerungen.

Im Hinspiel völlig chancenlosgegen Manchester City

„Wir spielen mit Borussia aufregenden Fußball, nach vorne gerichtet. Wir wollen immer den Ball haben – und das müssen wir beibehalten“, predigte der 20-Jährige. Wohl wissend, dass es mit den aufregenden Momenten in letzter Zeit ganz schön haperte. Auch Rainer Bonhof ist diese Entwicklung nicht entgangen, deshalb beschlichen den Mann am Sonnabend in der Pause bereits unangenehme Vorahnungen.

Gladbachs Vizepräsident stieg gerade das Treppenhaus im Borussia-Park hinauf, als ihm ein Sympathisant im Vorbeigehen ein, zwei Sätze über die gute erste Hälfte der Gastgeber gegen den 1. FC Köln zuraunte. Bonhof blickte kurz auf, dann brummte er: „Aber jetzt müssen sie dran bleiben.“ Dann schritt er weiter die Stufen empor – und sah seine Skepsis bestätigt.

Das Team von André Schubert blieb nicht dran, kassierte nach der Pause prompt den Ausgleich, verlor durch einen Traumfreistoß von Marcel Risse in der Nachspielzeit sogar noch 1:2. Und in der südwestlichen Ecke des Stadions sangen die seligen Gästefans: „Die Nummer eins am Rhein sind wir.“

Die musikalische Mitteilung aus der Domstadt ist zumindest für den Moment die pure Wahrheit: In der Bundesliga liegt der Geißbockklub fünf Punkte vor Leverkusen – und beachtliche neun vor der Borussia. Dieses Szenario hätten die beiden Champions-League-Teilnehmer aus der Region zu Saisonbeginn nicht für möglich gehalten. Als Sportdirektor Max Eberl gemeinsam mit Geschäftsführer Stephan Schippers Mitte September stolz Gladbachs neueste Umsatzsteigerung präsentierte, warnte er zwar pflichtschuldig vor dem drohenden Angriff des Erzrivalen aus Köln. In erster Linie genossen die Borussen damals vor dem Abflug zum Königsklassenstart bei City aber noch den Status quo und das gute Gefühl ihrer jüngsten Erfolge.

Dazu gehörte, dem neuen Citizen-Coach Pep Guardiola zu dessen Münchner Zeiten stets erfolgreich die Stirn geboten zu haben. Diese Husarenstreiche haben mit dem Hinspiel in Manchester (0:4) und beim ähnlich chancenlosen Auftritt in München (0:2) inzwischen etwas Staub angesetzt. Und bei Guardiolas Stippvisite am Niederrhein drängt Schuberts angeschlagenes Ensemble jetzt vor allem darauf, ein bisschen Selbstvertrauen für die letzten fünf Ligaspiele vor der Weihnachtspause zu tanken.

International geht es für den VfL allein noch um Gruppenplatz drei und das Überwintern in der Europa League. Ein Erfolgserlebnis gegen ManCity gäbe zudem Trainer Schubert (45) Rückenwind. Der steht nach sechs Punktspielen ohne Sieg zunehmend in der Kritik, der verantwortliche Sportchef verteidigt den Übungsleiter angesichts des Absturzes auf Liga-Rang 13 bereits inbrünstig mit Grundsatzhinweisen.

In seiner Analyse der für die Gladbacher Seele besonders schmerzhaften Pleite gegen Köln machte Eberl inzwischen zwar auch ein psychologisches Handicap aus. Vor allem aber legte er seine Haltung in der wichtigsten Personalfrage dar – die er schon bei Schubert-Vorgänger Lucien Favre eingenommen hatte: Der Schweizer, von der sportlichen Führung auf Gedeih und Verderb gestützt, warf schließlich selbst das Handtuch.

Bekenntnis zum Trainer hat schon bei Favre nicht geholfen

„Ich wehre mich dagegen, dass es immer einen Schuldigen geben muss“, wiederholte Eberl sein Mantra, dann betonte er: „Ich will hier Kontinuität haben – auch wenn es nicht gut läuft.“ Inzwischen kippt allerdings die Stimmung auf den Rängen. Die Erfolge der letzten Jahre haben die Fans verwöhnt. Es zweimal in Serie in die Champions League geschafft zu haben, sei mindestens so viel wert wie die vier Meistertitel en bloc der Bayern, tönte Eberl im Spätsommer. Nun, im Spätherbst, beschreibt er das Lebensgefühl in Gladbach so: „Butterbrot statt Wurstbrot“.