Augsburg

Aus dem Rhythmus gebracht

Hertha fehlen bei der Nullnummer in Augsburg Ideen. Dardai nach Länderspielpause dennoch nicht unzufrieden

Augsburg. Das letzte Bisschen fehlte, und vermutlich gibt es keinen besseren Beleg dafür als Herthas letzte große Torchance in Augsburg. 82. Minute, Freistoß Marvin Plattenhardt: Der Ball segelte aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum, Niklas Stark lenkte ihn mit dem gestreckten Bein Richtung Tor, aber eben auch knapp am langen Pfosten vorbei. Wieder nichts. So blieb es am Sonnabend bei einem 0:0, mit dem die Berliner zwar nicht glücklich waren, aber leben konnten. „Wir waren einen Tick besser, aber nicht so viel, dass wir hätten gewinnen müssen“, sagte Vedad Ibisevic.

Auch Pal Dardai befiel ein zwiegespaltenes Gefühl. Schon vor der Partie hatte Herthas Trainer gesagt, mit einem 0:0 durchaus leben zu können. Doch auch er wusste dann: Gegen die heimschwachen und personell gebeutelten Augsburger wäre eigentlich mehr drin gewesen. Seine Startelf hatte Dardai kräftig umgebaut. Valentin Stocker durfte nach abgesessener Rotsperre wieder das Angriffsspiel befeuern, teilte sich diese Rolle mit Salomon Kalou. Ein anderer Offensiv-Brandstifter fehlte: Mitchell Weiser, zuletzt in vier Spielen an fünf Toren beteiligt, fiel mit muskulären Problemen kurzfristig aus. Statt des U21-Nationalspielers preschte Alexander Esswein die rechte Außenbahn entlang.

Rückkehrer Esswein hat die einzige Chance vor der Pause

An seiner alten Wirkungsstätte hatte der 26-Jährige dann auch prompt die erste Chance des Spiels: Nach einem Kalou-Zuspiel war Esswein schneller als Verfolger Konstantinos Stafylidis, seinen Schuss aus der rechten Strafraumhälfte entschärfte FCA-Keeper Marvin Hitz jedoch zur Ecke (8.). „Ich hatte viel Platz, aber Marvin hat gut gehalten“, sagte der Rückkehrer. Das war sie dann auch schon, die beste Berliner Chance in einer enttäuschenden ersten Halbzeit. Ansonsten blieb es bei einer Co-Produktion der beiden genesenen Verteidiger: Nach Freistoß von Plattenhardt rutschte Sebastian Langkamp knapp am Spielgerät vorbei (40.).

Wo war er nur hin, der Esprit der vergangenen Wochen? Über weite Strecken des ersten Durchgangs wirkten die Berliner zu phlegmatisch. Gegen die tiefstehenden Augsburger fehlte es nicht nur an zündenden Ideen, sondern auch an Ballsicherheit und Spritzigkeit. Kurz: an typischen Weiser-Qualitäten. „Viele Jungs waren unterwegs“, sagte Ibisevic, „vielleicht lag’s daran. Aber es gibt keine Ausreden.“ Dennoch: Dardais Sorge, die Länderspielreisen von elf Herthanern könnten sein Team um den Rhythmus gebracht haben, sollte sich bewahrheiten. Besonders um John Brooks hatte sich der Trainer ja gesorgt, schließlich hatte der Innenverteidiger in seinen zwei Einsätzen für die USA vier Gegentore mitzuverantworten. Tatsächlich steckten Brooks seine Patzer noch spürbar in den Kleidern. Körpersprache, Fehlpässe, Probleme in der Ballannahme – die Verunsicherung war ihm anzumerken. Auch die dickste Möglichkeit der Augsburger leitete er mit einem schlechten Zuspiel ein. Der daraus resultierende Konter spülte den Ball vor die Füße von Martin Hinteregger, Hertha-Keeper Rune Jarstein verhinderte jedoch Schlimmeres (29.). 0:0 zur Pause.

Während jenseits der Augsburger Arena der grauverhangene Himmel aufriss, blieb das Geschehen auf dem Rasen weiter trist. Zumindest vorerst. Nach einer Stunde hatte Dardai dann genug gesehen und reagierte: Julian Schieber und Genki Haraguchi kamen für Kalou und Esswein. Zwei Wechsel mit Wirkung – endlich entwickelte Hertha mehr Zug zum Tor.

„In der ersten Halbzeit haben wir nicht in die Duelle gefunden“, sagte Stocker, „nach der Umstellung haben wir die Zweikämpfe dann besser angenommen.“ Augsburgs Martin Hinteregger bekam dies bei einem Luftduell mit Ibisevic zu spüren: Der Abwehrmann musste mit Nasenbeinbruch in der 73. Minute ausgewechselt werden

Die Chancen ließen auch nicht lange auf sich warten: Erst köpfte Niklas Stark über die Querlatte (65.), ehe Valentin Stocker genauso mit einem Schuss von der Strafraumkante scheiterte wie kurz darauf Julian Schieber (68., 69.). Stocker hatte sogar noch eine weitere gute Gelegenheit, diesmal per Kopf. Die 27.007 Zuschauer hielten den Atem an, doch Stockers Schweizer Landsmann Hitz war erneut zur Stelle (78.). „Manchmal muss man sich das Glück erarbeiten“, sagte der Mittelfeldspieler selbstkritisch, „und vielleicht habe ich heute zu wenig dafür getan.“

Zu wenig tat auch Augsburg, allerdings nur in der Offensive. Mehr als eine Halbchance von Dong-Won Ji war nicht mehr zu verzeichnen, doch das Abwehrbollwerk hielt – letztlich auch mit etwas Glück gegen Stark. „Wir sind trotzdem zufrieden“, sagte Dardai dann doch. „Wichtig ist, was nächsten Sonntag zu Hause passiert.“ Dann ist Mainz im Olympiastadion zu Gast.