Bukarest

Böller-Schreck für Lewandowski

Stürmer trifft danach doppelt und schießt Polen in Rumänien an die Tabellenspitze

Bukarest. Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum musste sich sichtlich zurückhalten. Der einstige Bundesliga-Coach hatte nicht nur das 0:3 gegen Polen in der WM-Qualifikation zu verkraften, in Rage brachte ihn vor allem der Böllerwurf eines sogenannten Fußball-Fans in der Partie in Bukarest. „Das sind Gruppierungen, die den Fußball für irgendwelche Aktivitäten nutzen wollen. Davon distanzieren wir uns, da erübrigt sich jeder Kommentar“, sagte er: „Wir kennen das Problem von vielen Ostblock-Staaten. Wir bemühen uns um den Dialog mit den Fan-Gruppierungen, aber das ist schwer, wenn man keine polizeiliche Unterstützung hat.“

Beim Stand von 0:1 gegen die Rumänen durch ein Tor von Kamil Grosicki (11.) warfen Zuschauer Böller auf das Spielfeld. Einer explodierte in der 55. Minute unmittelbar neben Polens Kapitän Robert Lewandowski. Wie vom Blitz getroffen sank er zu Boden, musste minutenlang er behandelt werden. „Zu Anfang klingelten meine Ohren“, sagte der Stürmer des deutschen Rekordmeisters Bayern München. „Ich habe ein paar Minuten gebraucht, um zu mir zu kommen. Zum Glück ist nichts passiert.“

Auf den „Akt des Banditentums“ (Polens Boulevardzeitung „Super Express“) reagierte Lewandowski auf seine bestmögliche Weise: Er erzielte noch zwei Tore (82./90.+1/Foulelfmeter) und ist nun mit 42 Treffern dritterfolgreichster Nationalspieler Polens.

Auch auf den Rängen in Bukarest gab es Ausschreitungen. Die gegnerischen Fangruppen beschossen sich mit Leuchtraketen. Zwölf polnische Problemfans waren schon vor dem Spiel in Gewahrsam genommen worden, nachdem es Krawalle im Stadtzentrum und Auseinandersetzungen mit der Polizei außerhalb des Stadions gegeben hatte. 4000 Beamte waren bei dem Hochsicherheitsspiel im Einsatz.

Sportlich gaben die Polen den Takt vor. „Über die gesamte Spielzeit hat Polen dominiert“, sagte Daum und musste anerkennen: „Die individuelle Qualität eines klar besseren Gegners hat sich durchgesetzt.“ Mit dem Sieg übernahm Polen die Tabellenführung in der Gruppe E. Rumänien ist mit fünf Zählern Vierter. Beinahe noch bitterer als die Niederlage für die Rumänen dürften Sanktionen des Weltverbandes wegen des Böllerwurfs werden.