Schach-WM

Selbst bei der Schach-WM ist Trump in aller Munde

Der Start der Schach-WM in New York verlief sehr unterhaltsam. Doch in der Vermarktung gibt es noch erhebliches Steigerungspotenzial.

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen (l.) und sein Herausforderer Sergej Karjakin

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen (l.) und sein Herausforderer Sergej Karjakin

Foto: Rob Kim / Getty Images for Agon Limited

New York.  So locker kann also eine Schach-WM beginnen. Ein Filmstar war gebucht, um den ersten Zug auszuführen. Woody Harrelson nahm Magnus Carlsens Damenbauer und warf dessen Herausforderer Sergej Karjakin einen irren Blick zu. Hinterher stellte sich heraus, dass Harrelson von keinem der beiden erkannt wurde.

Für den nächsten Lacher sorgte Carlsen selbst. Der Norweger eröffnete mit dem „Trompowsky-Angriff“. Englischsprachige Spieler nennen ihn den „Tromp“. Klingt fast wie der nächste US-Präsident. Vater Henrik fand es gut denkbar, dass sein Sohn absichtlich einen Scherz machte. Als der Titelverteidiger nach der Partie selbst darauf angesprochen wurde, wehrte er ab: „Hätte ich gewusst, dass ich das so oft gefragt werde, hätte ich eine andere Eröffnung gespielt.“

Immerhin war der „Tromp“ gut dafür, dass schon nach sechs Zügen eine Stellung auf dem Brett stand, die unter Millionen Partien in den Datenbanken nicht auftaucht. Das ist nach Carlsens Geschmack. Nichts ist ihm im Schach so zuwider wie ellenlange Varianten, die seine Gegner bis ins letzte Detail am Computer ausgearbeitet haben.

Remis im 42. Zug

Karjakin brütete 20 Minuten, wie er reagieren sollte. Ein Dutzend Züge später war der spannendste Teil der Partie vorbei. Außer den Königen hatte jeder noch zwei Figuren und sechs Bauern. Carlsen stand besser, doch zum Gewinnen reichte es nicht. Nicht mal, um es Karjakin wirklich schwer zu machen. Im 42. Zug wurde remis vereinbart.

Wenigstens war die ganzen vier Stunden klar, wer am Drücker ist und wer sich verteidigt. Er wolle Karjakin quälen, bis der umkippt, hatte Carlsen vor dem Match angekündigt. Auch der Herausforderer lächelte zufrieden. Er hatte sich in der ersten WM-Partie seiner Karriere mit Schwarz behauptet und keinen Fehler begangen.

Für die zwölf Partien gibt es knapp über eine Million Dollar Preisgeld, für beide zusammen. Vor 26 Jahren spielten Kasparow und Karpow, ebenfalls in New York um drei Millionen. „Die besten Spieler der Welt hätten ein höheres Preisgeld verdient, aber der Markt hat nicht mehr hergegeben“, sagt Vermarkter Ilja Merenzon. Sonst nimmt der Russe den Mund ja gern voller: „Eine neue Ära“, hatte er vorab versprochen, „die erste Schach-WM der Smartphonegeneration“.

Online-Übertragung bricht mehrmals zusammen

Ohne Smartphone sehen die Zuschauer im Fulton Market Building nun aber nicht mal mehr, welches die letzten Züge waren und wie viel Bedenkzeit noch bleibt. Während der ersten Partie crasht die Online-Übertragung sogar mehrmals. Es sieht da nicht gut aus für den WM-Veranstalter.

Vier Internetdienste, die ungenehmigt selbst die Partien übertragen, hat er verklagt, allen voran die bei Liveevents führende Website Chess24 aus Hamburg. Unmittelbar vor der WM haben ihn das Moskauer Handelsgericht und ein New Yorker Bezirksgericht abblitzen lassen.