Nationalmannschaft

Müller fährt zur Tore-Kur nach Rimini

Thomas Müller fehlt bem FC Bayern die Treffsicherheit. Bei der Nationalelf will er in dieser Woche das Selbstvertrauen stärken.

Bundestrainer Joachim Löw soll Thomas Müller wieder aufbauen

Bundestrainer Joachim Löw soll Thomas Müller wieder aufbauen

Foto: Federico Gambarini / picture alliance / dpa

München.  Und jetzt San Marino! Ein Gegner in der WM-Qualifikation fürs Gemüt, ein Schützenfest-kompatibler Sparringspartner, dazu ein Hotel im Urlaubsort Riccione an der Adria, nahe Rimini. Das kann was werden – eine regelrechte Tore-Kur. Wie gerufen für Thomas Müller.

Überschriften, die „Reha bei Jogi“ oder „Wohlfühloase DFB“ beinhalteten, handelten in vergangenen Jahren meist von Lukas Podolski, wahlweise auch von Miroslav Klose oder Mario Gomez. Was die Außen- bzw. Mittelstürmer der Nationalelf in jenen Jahren neben ihrem Jobprofil einte, waren harte Zeiten bei ihrem Arbeitgeber FC Bayern. Keine Tore, weniger Einsätze, mehr und mehr Spiele auf der Bank oder als Mini-Joker und viel, viel Frust. Ein Negativ-Kreislauf.

Ging es für die gepeinigten Angreifer ab zum treuen Bundestrainer Joachim Löw, schenkte er ihnen Wärme, Vertrauen und Einsatzzeiten. Die Podolskis & Co. holten sich Selbstvertrauen. Balsam für die Stürmer-Seele, Tore-Kur inklusive. Bekommt die nun ab Mittwoch, wenn die Nationalelf vor dem WM-Qualifikationsspiel am Freitag in San Marino (20.45 Uhr, RTL) nach Rimini fliegt, auch Müller verabreicht?

Aus sechs Metern an den Pfosten

Nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim verließ er die Allianz Arena tief geknickt. „Meine Krawatte ist groß. Im Moment klebt mir die Scheiße am Stiefel“, sagte Müller, „es ist nicht so, dass ich jetzt ewig darüber nachdenken werde, aber gerade bin ich sehr schlecht gelaunt.“ Statt den Knoten zu lösen und den Siegtreffer zu erzielen, traf der Weltmeister aus sechs Metern in der Nachspielzeit nur den Pfosten. Völlig frei. Völlig verzogen. Völlig frustrierend. Es müllert nicht mehr. Kein Liga-Tor in zehn Partien (bei acht Einsätzen).

Die traurige Bilanz des 27-Jährigen in dieser Saison: Nullnummer in der Bundesliga (seit dem 2. Spieltag ist er sogar ohne jegliche Torbeteiligung), auch im DFB-Pokal steht die Null, immerhin hat er zwei Treffer in der Champions League aufzuweisen. In der kompletten vergangenen Spielzeit lauteten des Müllers Toremaße in diesen drei Wettbewerben: 20/7/4. Nach zehn Spieltagen hatte er zehn Treffer erzielt.

Die typische Lässigkeit fehlt

Ihm fehlt aktuell die für ihn so typische Lockerheit, die Lässigkeit, die Selbstverständlichkeit, das Selbstvertrauen – und die Einsatzminuten. Also auch das unbedingte Vertrauen von Trainer Carlo Ancelotti, der noch keine rechte Position für Müller gefunden hat. Auf den Flügeln fühlt er sich nicht wirklich zu Hause, zieht stets nach innen. Das ist ja auch Robben-Ribéry-Costa-Coman-Land.

Was nun hilft? „Er hadert ja mit seinem Schicksal. Ich habe ihm gesagt: ,Arbeiten! Arbeiten! Arbeiten!’ Das tut er. Dementsprechend wird er demnächst wieder Tore schießen“, sagte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, „ich glaube, dass es mittlerweile schwerer ist, in der Bundesliga Tore zu schießen als in der Nationalmannschaft. Ich gehe davon aus, dass er gegen San Marino trifft, wahrscheinlich nicht nur einmal.“