Berlin

Kalou vertreibt die bösen Geister

Die ersten drei Saisontore des Torjägers sichern Hertha Sieg gegen Gladbach. Gelb-Rot gegen Weltmeister Kramer

Berlin. Er braucht schnell ein Tor. Das hatte Pal Dardai kürzlich über Salomon Kalou gesagt. Das Tor würde dem Ivorer den Weg raus aus dem Dunkel der Trauer um seinen verstorbenen Vater weisen und zurück ins Licht führen, in dem er vergangene ­Saison noch mit 14 Treffern für Hertha BSC gestanden hatte. Es würde die ­bösen Geister verjagen.

Was Herthas Cheftrainer nicht sagte: Zwei Tore wären besser, drei überragend. Durch einen Dreierpack von Kalou (18./ 33./89.) gewannen die Berliner gegen Borussia Mönchengladbach 3:0 (2:0) und kletterten zumindest für eine Nacht auf Tabellenplatz drei. Vergessen damit auch der Horror von fünf Niederlagen in Folge gegen die Fohlen. „Ich bin sehr erleichtert“, sagte Kalou zu seinen Toren. „Aber es war vor allem wichtig für die ­Mannschaft, wir wollten diesen Sieg unbedingt.“

Seit dem 8. April (einem 2:2 gegen Hannover) war Kalou kein Treffer mehr in der Bundesliga gelungen – in dieser Saison auch keiner in anderen Pflichtspielen. Aber die torlose, trostlose Zeit für den Afrikaner ist beendet. Tor eins fiel nach einer wunderbaren Flanke des seit Wochen formidablen Mitchell Weiser, bei dem man sich fragt, warum Bundestrainer Joachim Löw ihn eigentlich so ignoriert. Treffer Nummer zwei leitete unfreiwillig die Brust des Gladbacher Verteidiger-Hünen Jannik Vestergaard ein. Von dort sprang der Ball vor Kalous Füße. Und der hat in der langen Zwischenzeit nicht vergessen, wie das Toreschießen geht. Eine Minute vor dem Abpfiff legte Kalou sein drittes Tor nach. Hertha beweist ein weiteres Mal in dieser Spielzeit, dass man mental gereift ist und auch nach Rückschlägen wieder aufstehen kann. Nach dem 0:1 gegen Hoffenheim am Sonntag folgte prompt der fünfte Sieg im fünften Heimspiel – kein Team ist zu Hause stärker. Dabei profitierten die Blau-Weißen auch von dem frühen Platzverweis des Gladbachers Christoph Kramer (Gelb-Rot/39.).

Dardai wechselte sein Personal gegenüber der Hoffenheim-Partie an zwei Stellen: Kalou übernahm die Position hinter der Spitze von Allan, was sich als „glückliches Händchen“ herausstellen sollte. Und der 19 Jahre alte Maximilian Mittelstädt begann als Linksverteidiger. Es war erst sein dritter Startelfeinsatz, und Gladbach hatte sich vorgenommen, diese Unerfahrenheit ausnutzen. Fast jeder Angriff in der Anfangsphase ging über Mittelstädts Seite. Hertha hatte Glück, dass die Borussen irgendwo die Anleitung zum Toreschießen verlegt haben. Seit 464 Minuten hat das Team von Trainer André Schubert nun in der Bundesliga nicht mehr getroffen und nur eines der letzten 17 Auswärtsspiele gewonnen.

Aus der Ostkurve hatte es zuvor noch eine Botschaft gegeben. Auf einem Banner stand: „Orange trägt nur die Müllabfuhr.“ Das bezog sich auf Herthas Trainingskleidung und Thermojacken der Betreuer, wurde aber ungeplant lustig, weil der Gladbacher Torwart Yann Sommer in grellem Orange spielte. Wie den Müll rausbringen dürfte es sich für den Schweizer angefühlt haben, als Weiser pflaumenweich flankte, Kalou den Schädel neigte und das 1:0 köpfte (18.). Er lief danach zu Sami Allagui auf der Ersatzbank und umarmte den Kollegen.

Derweil fragte sich vielleicht auch Löw, warum er nicht Weiser, sondern den Leverkusener Rechtsverteidiger Benjamin Hendrichs (19) für die anstehenden Länderspiele nominiert hat. Die fünfte Torbeteiligung des 22-Jährigen in den vergangenen vier Pflichtspielen sah der Bundestrainer von der VIP-Tribüne im Olympiastadion aus.

Bundestrainer Löw sieht überragenden Weiser

Ein Befreiungsschlag von Elvedi knallte danach an die Brust von Vestergaard und von dort zu Kalou, der zum 2:0 einschob (33.). Wieder Müllrausbringen für Sommer. Kramer, der sich im Moment auch noch mit einer Erpressungsgeschichte außerhalb des Spielfeldes konfrontiert sieht, flog vom Platz – und damit war diese Partie vor 51.934 Fans entschieden. Vestergaard hatte zwar noch einmal auf der richtigen Seite eine Kopfball-Chance, aber die vereitelte Rune Jarstein im Hertha-Tor – übrigens in grellem Gelb.

Trainer Dardai gönnte Kalou die Ovationen der Fans, wechselte den Mann des Abends in der Schlussminute aus. „Das war wichtig für Salomon und für uns“, sagte Dardai. „Schön, dass er so eiskalt bei seinen Chancen ­geblieben ist.“

Hertha bleibt oben in der Tabelle mit 20 Punkten nach zehn Spieltagen dabei, weil Dardais Elf weiterhin die effizienteste der Liga vor dem Tor ist - aus sechs Torschüssen resultierten drei Treffer. Dazu hatten die Haus­herren diesmal auch etwas Spielglück – und Kalou hat den Weg aus dem ­Dunkel zurück ans Licht gefunden.