Eishockey

Deutschland Cup als Prolog fürs Wintermärchen

Dank Bundestrainer Marco Sturm wächst die Vorfreude auf die Heim-WM 2017 in Köln. Der Deutschland Cup gilt als wichtige Vorbereitung.

Bei Bundestrainer Marco Sturm hören die Eishockeyprofis ganz genau hin, schließlich spielte dieser früher selber viele Jahre in der NHL, der besten Liga der Welt

Bei Bundestrainer Marco Sturm hören die Eishockeyprofis ganz genau hin, schließlich spielte dieser früher selber viele Jahre in der NHL, der besten Liga der Welt

Foto: Foto RAUCHENSTEINER / picture alliance / Rauchensteine

Augsburg/Berlin.  Diesmal ist nichts mehr fremd. Nicht die Umgebung, nicht die Aufgabe, nicht die Ansprüche. Marco Sturm wird auch nicht mehr kritisch beäugt. Diesmal ist alles anders, vertraut. Vor einem Jahr erlebte er in Augsburg seine Premiere als Cheftrainer des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), bei seiner ersten Rückkehr steht längst fest: Der kann das wirklich.

Eher unaufgeregt bestreitet das Nationalteam daher das Heimturnier namens Deutschland Cup. DEB-Präsident Franz Reindl (61) kann zurückblicken auf ein gelungenes Jahr mit Einzug ins WM-Viertelfinale im Mai und der Olympia-Qualifikation im September.

„2016 war ein herausragendes Jahr“, sagt der Präsident. Für Reindl, Sturm und das Team aber ist Augsburg kein Ende, die Spiele dort markieren den Anfang einer besondere Saison, an deren Ende die WM in Deutschland und Frankreich steht (5. bis 21. Mai 2017).

Beim Debüt im Vorjahr gleich ein Triumph

Zwar scheint das Turnier noch weit entfernt, für Sturm fühlt es sich aber schon sehr nah an. „Der Deutschland Cup ist ein sehr wichtiges Turnier im Hinblick auf die WM. Wir haben nicht viel Zeit. Es ist bis zum nächsten Treffen im April die einzige Maßnahme“, erzählt der Bundestrainer. Er will es so, die Dezember- und Februarpause lehnt er ab, zu viel Verschleiß, zu wenig Ertrag. Durch den Verzicht kann die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ihre Saison eine Woche früher beenden. Das hilft bei der WM-Vorbereitung viel mehr.

Beim Debüt im Vorjahr gelang dem Trainer-Neuling Sturm gleich der Gewinn des Deutschland Cups. Es war der Auftakt zur Rückkehr in die Top 10 der Weltrangliste. Den Titel würde Sturm nun gern verteidigen in Augsburg. Gegen die Slowakei am Freitag (nach Redaktionsschluss), die Schweiz (Sonnabend, 19.30 Uhr) und das Team Canada (Sonntag, 16.30 Uhr, alle Sport1) genießt die Sichtung der Profis jedoch Priorität.

„Es ist ein guter Test für alle Spieler, die bei den letzten Turnieren nicht dabei waren“, erzählt Sturm. Nur acht WM-Teilnehmer berief er, nur drei Spieler von der Qualifikation. Vielen jungen Profis gibt Sturm die Chance, vielleicht doch die Heim-WM zu erleben. Darunter auch Verteidiger Jonas Müller (20) vom EHC Eisbären. Er will sich einen großen Pool von 50 Spielern anlegen, die sein System kennen, die er jederzeit ohne große Anpassungsphase in den Kader aufnehmen kann.

Die Heim-WM 2010 rettete Deutschland vor dem Abstieg

Genau wie Sturm in Augsburg bereits die WM in Blick hat, wird es auch für Reindl dort schon viel um das Turnier gehen. „Der Vorverkauf läuft gut, wir können sagen, dass er über den Erwartungen liegt“, so der DEB-Präsident. Die guten Leistungen machen den Fans wieder Lust auf Eishockey, „die Grundvoraussetzungen sind auf einem anderen Niveau als 2009“, sagt Reindl. Damals wäre das DEB-Team abgestiegen, nur die Heim-WM 2010 rettete die Auswahl davor.

Damals spielte man in Köln und Mannheim, diesmal ist Köln einziger Spielort in Deutschland. Dafür sind die Franzosen mit Paris dabei. „Der Gedanke war schlicht so, dass 64 Spiele einer WM zu viel sind für ein Land“, erzählt Reindl. Der Markt für Eishockey sei in Deutschland nicht groß genug, um für so viele Partien genügend Zuschauer zu akquirieren. „So hat man gleich zwei Märkte und zwei Heimteams. So wird es einfacher“, sagt Reindl.

Frankreich spielt mit seiner Gruppe in Paris, hinzu kommen dort zwei Viertelfinalpartien. Deutschland spielt in Köln. Dort finden neben zwei Viertelfinals auch Halbfinals und Endspiel statt. Weil Köln die größere Arena hat. Die ersten deutschen Partien gegen die USA und Schweden sind schon bald ausverkauft. „Wir liegen im Plan“, sagt Reindl. Für die Nationalmannschaft unter Marco Sturm gilt das auch, alle Ziele wurden erreicht mit dem jungen Bundestrainer. Das macht Hoffnung – für den Deutschland Cup und die Heim-WM im nächsten Jahr.