Tennis

Kerber greift nach dem WM-Titel

20 Jahre nach Steffi Graf hat mit Angelique Kerber erstmals wieder eine Deutsche die Chance auf den Titel.

Angelique Kerber ballt die Faust nach ihrem Sieg im Halbfinale

Angelique Kerber ballt die Faust nach ihrem Sieg im Halbfinale

Foto: Julian Finney / Getty Images

Es war eine Meisterleistung mit höchster Konzentration, eine Demonstration voller Entschlossenheit und Selbstbewusstsein. Schlichtweg das Beste hatte sich Angelique Kerber (28) aufgehoben, um im Singapore Indoor Stadium erstmals ins Finale der Weltmeisterschaft einzuziehen – und nach einem überzeugenden, teils gar herausragenden 6:2, 6:1-Kantersieg gegen ihre langjährige Weggefährtin Agnieszka Radwanska (Polen) kann die Weltranglisten-Erste ihre Traumsaison nun ausgerechnet an einem Schauplatz vergolden, an dem sie 2015 eine ihre bittersten Karriere-Enttäuschungen erlebt hatte.

Welch ein Unterschied von Oktober zu Oktober: Vor einem Jahr noch daran gescheitert, mit einem bloßen Satzgewinn ins WM-Halbfinale einzuziehen, kämpft Kerber an diesem Sonntag (12.30 Uhr MEZ, ZDF) um den dritten ganz großen Siegerpokal dieser Serie nach den Triumphen bei den Australian Open und den US Open. Nur noch die Slowakin Dominika Cibulkova (1:6, 7:6, 6:4 gegen Swetlana Kusnetzowa) kann jetzt Kerber im letzten bedeutenden Match der Saison stoppen beim Versuch, 20 Jahre nach Steffi Grafs letztem WM-Coup wieder den Pokal nach Deutschland zu holen. „Ich bin unheimlich glücklich, wie ich diesen Sieg herausgespielt habe. Es war ein Match, das ich richtig genießen konnte“, sagte Kerber nach ihrem vierten Sieg im vierten WM-Match, der einer Demütigung für Titelverteidigerin Radwanska glich. Mit versteinerter Miene schlich die geschlagene Strategin aus dem Hallenpalast, enttäuscht und ernüchtert nach dem 76-minütigen Halbfinal-Fiasko.

Für Kerber ist das Ende der WM sozusagen eine Zeitreise zurück zum Turnierstart, denn am Eröffnungs-Sonntag bestritt die Kielerin auch das erste Gruppenmatch gegen Cibulkova. Es war, im Nachhinein, auch die schwerste Prüfung für Kerber, ein Drei-Satz-Match wie eine Achterbahnfahrt durch alle emotionalen Höhen und Tiefen. „Es wird mindestens noch einmal genau so hart im Endspiel. Aber ich fühle mich gut und will das jetzt auch durchziehen“, sagte Kerber, die in dieser Ausnahmesaison bereits eine Matchbilanz von 63:17 Siegen an ihren globalen Einsatzorten festgeschrieben hat. Erfolg Nummer 64, im Finale gegen die temperamentvolle WM-Debütantin Cibulkova, wäre nicht nur wegen der 2,36 Millionen Dollar Prämie ein perfekter Schlusspunkt auf großer Bühne. Und genau das richtige Szenario, um den zweiwöchigen Urlaub an asiatischen Stränden in vollen Zügen zu genießen.