Formel 1

Angst vor Geisterfahrern in der Formel 1

Nico Rosbergs Aufstieg zum Champion in der Formel 1 könnte von Red Bull noch beeinträchtigt werden. Verstappen und Ricciardo haben wenig zu verlieren.

Max Verstappens (l.) Maske bei der Streckenbegehung soll seinen Humor zeigen, aber im WM-Kampf  zählt er zu den humorlosen Außenseitern

Max Verstappens (l.) Maske bei der Streckenbegehung soll seinen Humor zeigen, aber im WM-Kampf zählt er zu den humorlosen Außenseitern

Foto: imago sportfotodienst / imago/Eibner

Mexiko-Stadt.  Am Sonntag wird es kompliziert für Nico Rosberg. Der Mercedes-Pilot startet beim Großen Preis von Mexiko (20 Uhr MEZ) in den Endspurt zu seinem ersten WM-Titel – der größte Triumph seiner Karriere wartet, „ein Kindheitstraum“ (Rosberg) soll sich erfüllen. Doch der Deutsche hatte auch nie zuvor so viel zu verlieren. Die letzten Meter des Weges werden zur Gratwanderung.

Rosberg in der Klemme

„Nico ist in einer richtig schwierigen Situation“, sagt Mercedes-Motorsportchef Christian „Toto“ Wolff: „Er muss jedes Rennen isoliert betrachten, das tut er auch. Und er darf bloß nie ausscheiden, das ist das Wichtigste überhaupt.“ 26 Punkte Vorsprung hat Rosberg auf den Teamrivalen Lewis Hamilton. Kommt dieser beim drittletzten Saisonrennen in Mexiko nicht ins Ziel, genügt Rosberg schon ein Sieg, dann wäre alles schnell erledigt. Ansonsten gilt: Zweimal Zweiter, einmal Dritter, das würde genügen.

Klingt einfach für einen Silberpfeil-Piloten? So selbstverständlich wie noch vor Monaten ist ein Doppelsieg der Mercedes-Fahrer in der Schlussphase dieser Saison nicht mehr. Das liegt an Red Bull Racing. „Besonders Daniel Ricciardo war sehr schnell. Es herrscht immer eine Bedrohung“, sagt Wolff. Der Australier gibt sich außerhalb seines Rennwagens smart, auf der Piste agiert er schlau, hart und nervenstark.

Harte Zweikämpfe bieten sich nicht an

Er weiß natürlich genau, dass er dank technischer Fortschritte nicht nur zum Weltmeistermacher werden, sondern auch selbst von der Situation profitieren kann. Denn Rosberg wird harte Zweikämpfe aus Angst vor Ausfällen möglichst meiden, auch technisch wird man die Silberpfeile beim Kontruksteurs-Weltmeister eher konservativ trimmen.

Denn auf der mit 2285 Metern höchstgelegenen Strecke im Formel-1-Kalender liegt der Sauerstoffgehalt in der Luft nur bei 78 Prozent, was Antriebseinheiten und Bremsen ohnehin schon mehr als sonst abverlangt.

Schon mit Vettel zickzack gefahren

„Ob ein gutes Ergebnis von mir die Balance in der Meisterschaft ändert, ist am Ende nicht mein Business“, betont Ricciardo also: „Ich versuche im Auto einfach, alles zu geben. Ich werde versuchen, so viele Punkte wie möglich zu bekommen.“ Und von seinem Teamkollegen Max Verstappen (18) weiß man längst, dass er zu allem bereit ist, um ins Rampenlicht zu fahren.

Der Teenager legte sich schon mit Sebastian Vettel an und fuhr vor dem Vierfach-Champion im Ferrari zickzack. Von den Kollegen hagelt es Beschwerden. Zuletzt in Austin verweigerte das Talent sogar den vom Team geforderten maßvollen Umgang mit den Reifen. Seine Antwort: „Ich bin nicht hier, um Vierter zu werden.“ In Mexiko kam er mit Totenmaske an die Strecke – passend zum Día de los Muertos, dem Tag der Toten, der dort eher als lustiges Volksfest ausgelebt wird.

Hamilton hat nichts gegen Überraschungen

Rosbergs Rivale Hamilton hat die Dinge nicht mehr selbst in der Hand, Überraschungen aller Art würde der Titelverteidiger daher begrüßen: „Es gab in der Geschichte der Formel 1 viele vermeintlich klare Situationen. Und dann hat sich noch alles gedreht“, sagte der Brite. Rosberg will das nicht an sich heranlassen: „Das Beste wird sein, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.“ Nicht auf mögliche Geisterfahrer.