Atlanta

70 Millionen für vier Jahre

Deutscher NationalspielerDennis Schröder steigtin der NBA in die Liga der Topverdiener auf

Atlanta. Vor der Familienvilla am Stadteil Buckhead parken goldene Sportwagen. Dennis Schröder (23) zeigt gern, was er hat – das wird sich nach dem großen Zahltag wohl kaum ändern. Der NBA-Basketballer ist durch seinen neuen Vier-Jahres-Vertrag bei den Atlanta Hawks in die Liga der Großverdiener aufgestiegen, 70 Millionen Dollar (64 Mio. Euro) soll die Unterschrift wert sein. Laut „Forbes“ verdienten im Vorjahr nur die Formel-1-Stars Sebastian Vettel (36 Mio.), sowie Formel-1-Pilot Nico Rosberg (18,5 Millionen) und Fußballer Bastian Schweinsteiger (19,7 Mio.) als deutsche Sportler mehr.

Es ist ein Vertrauensvorschuss kurz vor dem Saisonstart, nachdem der Klub seinen Point Guard erst im Sommer zu seiner Nummer eins befördert hatte. Die Verantwortlichen, allen voran Trainer Mike Budenholzer, glauben zu 100 Prozent an ihren neuen Leader, der diese Saison „nur“ 2,7 Millionen Dollar verdient. „Dennis hat bekommen, was er wollte, eine für ihn perfekte Situation“, weiß Liviu Calin, Schröders Braunschweiger Entdecker, Trainer und Vertrauter. Den Sommer über habe er in der Löwenstadt oft mit seinem Schützling und dessen Familie die Optionen für die Zukunft diskutiert. Laut NBA-Reglement mussten die Hawks den 2017 auslaufenden Vertrag mit dem deutschen Nationalspieler bis Ende Oktober verlängern, um ihn zu ihren Bedingungen halten zu können. Hätte man sich vor November nicht geeinigt, wäre Schröder zum Ende der Saison ein sogenannter „Restricted Free Agent“ geworden. Dann wäre er für andere Teams frei gewesen – allerdings hätte Atlanta das Vorrecht gehabt, ihn zu jenen Konditionen zu binden, die die Konkurrenz geboten hätte. „Bei den verrückten Preisen, die da gezahlt werden, hätte ein Starting Pointguard vielleicht bald 100 Millionen gekostet“, so Calin. Aber Schröder sei es nicht nur ums Geld gegangen, für ihn sei wichtig gewesen, dass er in Atlanta bleiben kann. „Atlanta ist mein Zuhause!!!!“, twitterte Schröder denn auch, auf dem Foto dazu war er bei der Unterzeichnung des wertvollsten Papiers seiner bisherigen Karriere zu sehen. Von den 70 Millionen Dollar sind laut US-Medien 62 garantiert, an den Rest kann Schröder über Bonuszahlungen kommen. Im besten Fall sind das 64 Millionen Euro insgesamt, also 16 Millionen pro Jahr. Zum Vergleich: Beim FC Bayern gilt Thomas Müller als Topverdiener mit einem Jahresgehalt von 15 Millionen Euro. Dirk Nowitzki, der mit Dallas das erste Saisonspiel verlor, bekommt in dieser Saison 23 Millionen Euro.

Nun ist es an Schröder, etwas zurückzuzahlen. Nach dem Abgang von Jeff Teague (28) zu den Indiana Pacers soll er die Mannschaft als Teil der Startformation führen. Darauf hatte Schröder drei Jahre hingearbeitet. Nur zwei Teamkollegen, Starcenter Dwight Howard (23,5 Millionen Dollar/Jahr) und Paul Millsap (20,0), werden noch besser bezahlt. Sein Standing wird noch einmal steigen.

Unter dem Strich hat es sich für Schröder gelohnt, auf die EM-Qualifikation mit dem deutschen Nationalteam zu verzichten. Kurzfristig hatte Schröder Bundestrainer Chris Fleming abgesagt. Eine Verletzung im Nationaldress hätte nicht nur sportliche, sondern auch erhebliche finanzielle Folgen haben können. Schröders Plan ist ­aufgegangen.