Dortmund

Nur am Ende versagen die Nerven

Zweitligist 1. FC Union begeistert im DFB-Pokal gegen Dortmund und verliert erst im Elfmeterschießen

Dortmund.  Was für ein Spiel, was für ein Abend? Es sollte die größte Partie der Vereinsgeschichte für den 1. FC Union werden, und die zweite Runde im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund am Mittwoch hielt alles, was sie versprochen hatte. Nur das Happy End blieb aus. Union verlor gegen den Bundesliga-Sechsten im Elfmeterschießen 0:3, zeigte aber ein beeindruckendes Spiel, an das sich die Berliner Fans noch lange erinnern werden. Mit Felix Kroos, Stephan Fürstner und Philipp Hosnier versagten am Ende allen Unionern die Nerven vom Punkt. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 gestanden. „Wir haben eine riesen Leistung gebracht. Das ist das, was zählt“, war Kroos dennoch stolz.

Lange sah Union in der regulären Spielzeit wie der Verlierer gegen stark ersatzgeschwächte Borussen aus. Michael Parensen hatte den BVB in Führung gebracht (44.). Das Eigentor des ehemaligen Dortmunders kurz vor der Halbzeitpause war zwar unglücklich, gab aber die Kräfteverhältnisse wieder. Doch dann kam Steven Skrzybski: Der 23-Jährige war Sekunden zuvor eingewechselt worden, da sprang ihm der Ball nach einer Ecke vor die Füße. Aus 18 Metern drosch Skrzybski das Spielgerät ins Netz zum Ausgleich (81.). Riesenjubel. Verlängerung, Elfmeterschießen. Doch da versagten den Berlinern die Nerven gegen Dortmunds Keeper Roman Weidenfeller. Union verpasst damit den ersten Achtelfinaleinzug seit 2013/14 sowie die mögliche Prämie von 630.000 Euro.

Es war ein Abend der Dramatik – aber auch so mancher schlechter Nachricht für Union. Denn es stand nicht nur toller Fußball im Mittelpunkt. Es waren auch die Fans aus der Hauptstadt: positiv und negativ zugleich. Vor einer fantastischen Kulisse von 79.037 Zuschauern – darunter mehr als 10.000 mitgereiste aus Berlin – verkaufte sich die Mannschaft von Trainer Jens Keller teuer. Aber teuer dürfte dieser Abend auch für den Verein werden.

Union-Fans stürmen Eingang und verletzen Polizisten

Vor Anpfiff hatten einige Union-Anhänger versucht, den Eingang zu stürmen. Die Polizei griff ein. Der Anpfiff verzögerte sich um 15 Minuten. Bereits bei der Ankunft am Hauptbahnhof sollen nach Polizei-Angaben unbekannte Berliner Gewalttäter Böller auf die Beamten geworfen haben. Vier Polizisten wurden verletzt. Eigentlich hatte es ein Berliner Fußballfest in der Fremde werden sollen: Nie zuvor waren so viele Fans auswärts mit dabei. Als besondere Aktion hatten die Union-Fans rote Jacken mit der Aufschrift an: „Keine Wand ist unbezwingbar.“ Schöne Kampfansage mit Bezug auf die „Gelbe Wand“ von 25.000 Fans.

Und die Mannschaft unten auf dem Rasen nahm das wunderbar an. Keller hatte mit seiner Aufstellung überrascht: Im Vergleich zum 3:1 gegen Aue baute der 45-Jährige auf sechs Positionen um: Damir Kreilach und Skrzybski ebenso raus wie Stammtorwart Jacob Busk, Fürstner, Hosiner und Dennis Daube. Für das Sextett liefen Kroos, Simon Hedlund, Parensen, Eroll Zejnullahu, Kenny Prince Redondo sowie Ersatzkeeper Daniel Mesenhöler auf. Aber gegen ein versehrtes Dortmund, wo kurzfristig auch noch Starstürmer Pierre-Emerick Aubameyang ausfiel, begannen die Köpenicker mutig. Mesenhöler durfte sich auszeichnen, als er die Fernschüsse von Mario Götze (38.) und Nuri Sahin (42.) entschärfte. Union beeindruckte mit kompakter Defensivleistung gegen den Champions-League-Teilnehmer, bei dem Aushilfskapitän Sokratis einen höheren Marktwert besitzt (22 Millionen Euro) als der gesamte Kader der Berliner (18,6 Millionen Euro). Doch nun häuften sich die schlechten Nachrichten für Union: Erst musste Collin Quaner verletzt raus (39.). Für ihn kam Hosiner. Und dann warf sich Parensen in einen Schuss des BVB-Profidebütanten Jakob Bruun Larsen. Von ihm sprang der Ball ins Netz zum 0:1 (44.).

Zur zweiten Halbzeit zündeten ein paar Verirrte im Union-Block Pyrotechnik. Das legte erneut Nebel über einen eigentlich beeindruckenden Auftritt des Großteils des Berliner Anhangs. Union stemmte sich gegen die Angriffe des BVB. Und dann schlug die Stunde von Skrzybski. Der Offensivmann, im Übrigen Schalke-Fan, kam, sah und traf. Ausgleich. Was für Plot? Fast hätte ihm Emre Mor die Show gestohlen – ein Schuss des jungen Türken beim BVB lenkte Mesenhöler an den Pfosten (87.). Glück für Union. Verlängerung. Da hatte Skrzybski die beste Union-Chance, der Weidenfäller überwand, aber dann vertändelte (100.). Dortmunds Siegtreffer lag in der Luft, als Gonzalo Castro drüber schoss (113.). Dann Elfmeterschießen. Dann die Nerven. Und ein grandioser Abend ging ohne Happy End zu Ende.