Hamburg

Ewald Lienen: „Ich habe noch nie aufgegeben“

St. Pauli, Zweitliga-Schlusslicht, vertraut weiter seinem Trainer


Am Boden: St. Paulis Trainer Ewald Lienen liegt an der Seitenlinie, nachdem er beim Versuch einen Ball zu stoppen, ausrutschte

Am Boden: St. Paulis Trainer Ewald Lienen liegt an der Seitenlinie, nachdem er beim Versuch einen Ball zu stoppen, ausrutschte

Foto: Stefan Puchner / dpa

Hamburg.  Am Tag nach der siebten Saisonniederlage, dem 0:3 (0:2) beim SV Sandhausen, bestimmte Ruhe das Geschehen auf der Trainingsanlage des FC St. Pauli an der Kollaustraße. Trainer Ewald Lienen (62) plauderte mit den Trainingskiebitzen, ehe er sich auf dem Rasen das Training der Reservisten anschaute. Wie üblich leitete Lienens Co-Trainer Abder Ramdane die Einheit. Die übrigen Profis drehten eine ruhige ­Runde auf den Mountainbikes.

St. Pauli setzt vor dem Zweitrunden-Pokalspiel gegen Hertha BSC am Dienstag am Millerntor auf Gelassenheit. Trotz des letzten Platzes in der Zweiten Liga hatte sich St. Paulis Sportchef Thomas Meggle nach dem Abpfiff in Sandhausen festgelegt: „Wir sehen die Situation nicht als Trainerproblem.“ Nach wie vor sei seine vor einer Woche formulierte Maßgabe gültig, mit Geschlossenheit für die Wende zu arbeiten. Während sich der punktgleiche Tabellen-17. (beide fünf Zähler) Arminia Bielefeld nach dem 0:4 in Düsseldorf von Trainer Rüdiger Rehm getrennt hat, genießt Ewald Lienen beim Schlusslicht St. Pauli das Vertrauen der Vereinsführung.

Fehlerteufel kostet die Hanseaten viele Punkte

„Es ist überhaupt nicht selbstverständlich, dass der Verein so zu mir hält. So wie es bisher war, ist es überragend. Das heißt nicht, dass sich das nicht auch ändern kann“, sagte Lienen. „Ich habe vor der Mannschaft gesagt: Es geht nicht um mich, es geht auch nicht um einzelne Spieler. Es geht nur darum, was wird aus dem FC St. Pauli. Ich glaube, dass alle Verantwortlichen nur dieses im Blick haben. Ich denke nicht, dass wir gemeinsam untergehen wollen, nur um der Gemeinsamkeit willen“, sagte er weiter. Nach 23 Jahren als Trainer weiß ­Lienen, dass Bekenntnisse nicht von ­unbegrenzter Dauer sind: „Wenn der Verein das Trainerteam als das Problem ansehen würde, müssten sie reagieren, um Schaden vom Verein abzuwenden.“

„Ich halte das für eine sehr gute Sache. So können wir uns darauf fokussieren, was jetzt wichtig ist. Auch der Trainer kann sich darauf konzentrieren“, sagte Kapitän Lasse Sobiech. „Zusammenhalt ist in dieser Situation genau das, was man braucht.“ Derweil ist Lienen davon überzeugt, dass er die Mannschaft in die Spur bringen kann. Seit Dezember 2014 arbeitet er beim FC St. Pauli. Ein freiwilliger Rückzug ist ­daher keine Option. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie eine Situation gehabt, in der ich aufgegeben habe, in der ich gesagt habe“, sagte Lienen. „Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen können.

Einig waren sich nach der Niederlage in Sandhausen praktisch alle Beteiligten darin, dass das Team nicht etwa an der Fußballkunst des Gegners, sondern allein an eigenen Schwächen gescheitert war. „Es ist der absolute Wahnsinn, dass wir zur Pause 0:2 zurückliegen, ohne dass der Gegner Torchancen hat. Wenn wir Fehler machen, dann machen wir gleich mehrere hintereinander. Vor dem ersten Gegentor waren es vier“, ­beklagte Lienen. „Es macht keinen Sinn, ­darüber zu grübeln, warum diese Fehler passieren. Sie sind unsere Geschichte dieser Saison.“

Somit sind die Rollen vor dem Pokalspiel gegen den Bundesliga-Dritten Hertha BSC klar verteilt. Ewald Lienen gibt sich trotzig: „Trotz des starken Gegners werden wir versuchen, unsere Chance zu nutzen.“