Berlin

Stochl macht den Unterschied

Dank starker Paraden ihres Torhüters feiern die Füchse Sieg über Erlangen und klettern auf Rang drei

Berlin.  Das größte Problem von Erlingur Richardsson hat sich erledigt. Wann, nur wann sollte der Füchse-Trainer bloß Kapitän Petr Stochl mal wieder Spielanteile geben, hatte er sich in der vergangenen Woche gefragt. Der deutsche Nationaltorhüter Silvio Heinevetter hielt derart überragend, dass Stochl die vergangenen zwei Monate auf der Bank festsaß.

Am Sonntag aber war es zum großen Teil ihm zu verdanken, dass die Füchse Berlin aus der Partie gegen den HC Erlangen als Sieger hervorgingen. „Wir hatten mit Stochl den Faktor Torhüter auf unserer Seite“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning. 24:21 (13:10) gewannen die Berliner gegen den Aufsteiger aus Bayern und stehen nun mit 16:2 Punkten auf Platz drei der Handball-Bundesliga. 15 ihrer 16 Pflichtspiele haben sie gewonnen, doch so richtig schönen Handball boten sie am Sonntagnachmittag nicht.

Trainer Richardsson hatte eine schwierige Partie erwartet gegen den HC Erlangen – und die sollte er bekommen. Die Bayern, die mit vier Siegen und vier Niederlagen in die Saison gestartet waren, präsentierten eine starke Defensive, und da diese aktuell auch das Prunkstück der Füchse ist, entspann sich eine wahre Abwehrschlacht vor den Augen der 8546 Zuschauer in der Schmeling-Halle, unter die sich auch DHB-Präsident Andreas Michelmann gemischt hatte.

Vukovic, Fäth und Wiede gleichzeitig bestraft

Nach einer Viertelstunde überspannten die Berliner aber nach Ansicht der Unparteiischen den Bogen beim Verhindern der Tore: Drago Vukovic, Steffen Fäth und Fabian Wiede mussten kurz hintereinander das Feld verlassen (5:5/17.Spielminute). Zu diesem Zeitpunkt hätte die Partie leicht zu Gunsten Erlangens kippen können. „Es passiert nicht so oft, dass man drei gegen sechs spielt“, sagte Mattias Zachrisson. „Wir haben das aber ganz gut gemacht.“ Der nur 1,78 Meter große Schwede stemmte sich mit aller Gewalt gegen ein Gegentor. Als Erlangens Schlussmann Nikolas Katsigiannis den Wurf von Linksaußen Bjarki Eliasson abblockte, aber nicht fangen konnte, sprang Zachrisson in den Kreis und versuchte den Ball noch irgendwie ins Tor zu wursteln. Wenige Sekunden später umklammerte er schon wieder Nationalspieler Michael Haaß auf der anderen Feldseite und verhinderte damit den direkten Gegenstoß der Gäste.

Dem Schweden war es auch zu verdanken, dass dem Team von Trainer Robert Andersson in dieser Zeit lediglich ein Treffer in Überzahl gelang. „Das war eine ganz wichtige Phase des Spiels“, sagt Zachrisson, den Torhüter Silvio Heinevetter liebevoll als Mops-Terrier bezeichnet, weil der etwas kompakte Schwede stets wie ein kleiner Wadenbeißer auftritt. Heinevetter allerdings, der in den vergangenen Woche der überragende Mann gewesen war, kam gegen Erlangen nicht so recht ins Spiel. Er hielt nur zwei Bälle, bis Kapitän Petr Stochl ihn in der 24. Spielminute ablöste (10:9) und sich gleich mit zwei Paraden auszeichnen konnte.

„Petr war heute sehr wichtig für uns“, sagte Trainer Richardsson. Das ist auch Gäste-Trainer Robert Andersson aufgefallen: „Leider war da ein Petr Stochl, der uns das Leben sehr schwer gemacht hat“, sagte er. Mit zehn Paraden trug Stochl sich in die Statistik ein. „Natürlich freut man sich, wenn man mal wieder spielt“, sagte der Tscheche und fügte an: „Aber Silvio hatte es sich auch verdient. Wir sind schon so lange zusammen und eben auch ein gutes Gespann.“

Im Gang nach vorn bot sich ein gegenteiliges Bild: Zu Beginn der zweiten Hälfte erinnerte das Spiel eher an eine Tischtennis-Partie, so schnell veränderte der Ball seine Stoßrichtung. Ein Passfehler der Füchse wurde direkt gefolgt von einem technischen Fehler der Gäste. Als Petar Nenadic, mit acht Treffern bester Werfer der Füchse, eine Viertelstunde vor Schluss mal wieder seinen Pass direkt in die Hände von Erlangens Rechtsaußen Ole Rahmel warf, brüllte er sich seinen Frust einmal lautstark von der Seele (19:14). „Wir hatten keinerlei Leistung von unseren Rechtshändern im Rückraum“, tadelte Hanning. „Stochl hat uns heute geholfen, das Spiel zu gewinnen.“

Fünf Minuten später war es dann Ole Rahmel, der einen entnervten Brüller ausstieß. Zweimal in Folge hatte Stochl den Wurf des besten Schützen der Gäste (8 Tore) pariert. Rahmel stemmte die Hände in die Hüften und atmete tief aus. Der tschechische Nationaltorhüter trieb ihn an den Rand der Verzweiflung. „Er hat richtig gut gehalten und heute den Unterschied gemacht“, sagte Rahmel nach der Partie.

In den kommenden Tagen werden die Füchse noch ein wenig an ihrer Offensivarbeit feilen, kündigte Trainer Richardsson an. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht, am Mittwoch treten sie bereits im Achtelfinale um den DHB-Pokal in Flensburg an (19 Uhr), bevor am Sonntag in Magdeburg das nächste Ligaspiel auf dem Programm steht (15 Uhr). Um die Torhüter braucht sich der Füchse-Trainer bei dem engen Zeitplan aber nicht zu sorgen, auf dieser Position hat er aktuell zwei Spieler in Topform zur Verfügung.