München

Schlafen dahoam ist passé

Bayern-Trainer Ancelotti zieht in der Mini-Krise die Zügel an. Spieler sind jetzt gegen Eindhoven gefordert

München. Der erste Herbstwind, es ist ein Gegenwind. Der FC Bayern und seine drei Spiele ohne Sieg. Auf das Rauschen folgt das Raunen.

Gerede, Kritik. Voilà, die Bayern-Krise da. Und schon reagiert Carlo Ancelotti. Erste Maßnahme: Heimschlafen ist passé. Bislang durften die Profis selbst bei Bundesliga-Heimspielen erst um 11 Uhr im Mannschaftshotel „Dolce“ in Unterschleißheim im Münchner Norden einchecken. Diesmal nicht. Vor dem dritten Gruppenspiel der Champions League an diesem Mittwoch (20.45 Uhr, ZDF und Sky) gegen PSV Eindhoven ging es schon am Dienstagabend ins Hotel. Lange Leine? Kurzes Lasso!

„Bei besonderen Spielen gehen wir ins Hotel, das habe ich schon vor der Saison gesagt. Und Eindhoven ist ein besonderes Spiel“, betonte der 57-Jährige am Dienstagnachmittag. Womit er auch ausdrücken wollte: Ruhig, Leute!

Ancelotti bemühte sich in der wohl seit seiner Vorstellung im Juli am meisten beachteten Pressekonferenz darum, Gelassenheit und Selbstsicherheit auszustrahlen. Auf Deutsch sagte der Italiener: „Wir haben gelernt, dass wir ohne Intensität und ohne Ordnung nicht gewinnen können. Wir müssen die Haltung, die Einstellung ändern. Die Spieler sind Profis, sind sehr intelligent. Sie haben verstanden, dass die Haltung nicht gut war.“

Vor allem nicht beim 2:2 nach der Länderspielpause in Frankfurt. Zwei Führungen verspielt, fast eine halbe Stunde gegen zehn Mann ohne rechten Biss, ohne den unbedingten Willen. Schon in der Halbzeit gab es vom Trainer „einen kleinen Anpfiff“, wie Mats Hummels erzählte. „Das war berechtigt. Der Trainer hat uns am Sonnabend sehr lautstark klargemacht, dass er mit uns nicht zufrieden war und zuletzt mehr Zug von uns im Training verlangt.“ Ob der Trainer nur lieb und nett sei, wurde der Abwehrspieler gefragt. Antwort: „Ja, aber nicht immer.“ Der ruhige Carlo kann auch laut. „Quiet Leadership“ – so lautet nicht von ungefähr der Titel seiner Biografie. Oberflächlich betrachtet ist es die Grundphilosophie seines Arbeitens. Doch die Wirkung seiner Rolle als Vaterfigur und nicht als strenger Lehrer unter Dauerstrom wie Pep Guardiola ist eine andere, ganz feine. Weil Ancelotti Vertrauen gibt, erwartet er einen „Return of invest“. Die Spieler haben verstanden, sind selbstkritisch. „Es ist jetzt unser Ding, ein Spielerding“, sagte Hummels wie immer mit klaren Gedanken, „wir haben im Training reagiert und richtig Gas gegeben. Es war ganz anders Feuer drin.“ Reaktion, Teil eins. Am Mittwoch soll Teil zwei folgen, bei dem lediglich Franck Ribéry ausfällt, die zuletzt verletzten Arturo Vidal, Douglas Costa und Javi Martínez zunächst wohl auf der Bank sitzen.

In einem Spiel, das man gewinnen muss. Nicht nur der Ruhe wegen, damit nicht wirklich der große Herbststurm über die Bayern und Ancelotti hereinbricht. Nach der 0:1-Niederlage bei Atlético Madrid gilt es, in den beiden Partien gegen Eindhoven (Rückspiel in Holland am 1. November) mit mindestens vier Punkten – besser sechs – den Gruppenplatz zwei zu sichern und die Chance auf Rang eins zu wahren.

Ein kleines Finale, „una finalina per Ancelotti“. Der Trainer sagte, nun auf Englisch: „Ich fühle keinen Druck, muss immer ich selbst sein. Kühlen Kopf zu bewahren, ist mein Job. Manchmal muss ich auch tough sein. Aber ich will die Spieler nicht bestrafen, das verdienen sie nicht und brauchen sie nicht. Es ist zu früh, von einer Krise sprechen.“ Und das mit dem Hotel ist auch kein Drama. „Das hilft, die Sinne zu schärfen“, so Hummels, „dann schauen wir halt gemeinsam Champions League.“