Golf

Weltstar Tiger Woods muss sein Comeback verschieben

Eigentlich hätte der Ex-Weltranglisten-Erste nach über einem Jahr Pause Donnerstag starten sollen. Der Rückzieher hat besondere Gründe.

Tiger Woods war zuletzt Vize-Kapitän des siegreichen US-Teams beim Ryder Cup. Sein Comeback als Sportler lässt noch auf sich warten

Tiger Woods war zuletzt Vize-Kapitän des siegreichen US-Teams beim Ryder Cup. Sein Comeback als Sportler lässt noch auf sich warten

Foto: John David Mercer / USA Today Sports

Los Angeles.  Tiger Woods und seine große Liebe sind sich fremd geworden. Einst prägte der 14-malige Major-Gewinner den Golfsport, 683 Wochen stand er an der Spitze der Weltrangliste, sein exzellentes Spiel machte ihn zum Multimillionär. Doch die sorglosen Zeiten sind längst vorbei.

Auf dem Grün fehlen Woods nach mehr als einjähriger Wettkampfpause die Leichtigkeit und Präzision vergangener Tage – und so wird der 40-Jährige auch beim Auftakt der US-Tour 2016/17 nicht zum Schläger greifen. Woods verschob sein ursprünglich für diese Woche angekündigtes Comeback.

Auf seiner Internetseite teilte er mit, er fühle sich trotz zuletzt intensiven Trainings „nach ehrlicher Reflexion noch nicht wieder in der Lage, mit den besten Golfern der Welt zu konkurrieren“. Das am Donnerstag beginnende Turnier in Napa/Kalifornien findet ohne ihn statt.

Zuletzt trat er als Vize-Kapitän des siegreichen US-Teams beim Ryder Cup auf. Auf Twitter schrieb er: „Der Ryder Cup gab mir die Inspiration, mein bestes Golf zu spielen. Unglücklicherweise entdeckte ich während meiner Vorbereitung, dass ich noch Arbeit und Verfeinerung benötige.“

Die Zahl der akkredierten Reporter hatte sich verfünffacht, doch nun muss die Sportnation weiter auf das ersehnte Comeback des Superstars warten. Sein neues Ziel sei, so Woods, Anfang Dezember bei der Hero World Challenge anzutreten. Das Event auf den Bahamas hatte er mit seiner Stiftung ins Leben gerufen.

Mit der Absage für das Turnier in Napa setzt sich Woods’ schwierigste Karrierephase fort. Der langjährige Branchenprimus war zuletzt im August 2015 auf der US-Tour an den Start gegangen und hatte sich anschließend einer Operation am Rücken unterzogen. Daraufhin verpasste er erstmals als Profi eine komplette Saison.

Der Rücken ist ausgeheilt, aber sein Spiel noch zu instabil

In der Weltrangliste ist Woods inzwischen auf Platz 786 abgerutscht, den bis dato letzten Major-Titel gewann der Ex-Freund von Ski-Star Lindsey Vonn bei der US Open 2008. Immerhin: Erneute Beschwerden sind angeblich nicht der Grund für die Verschiebung seines Comebacks. „Gesundheitlich geht es mir gut, ich fühle mich stark. Aber mein Spiel ist anfällig und noch nicht so, wie ich es brauche“, sagte Woods, der versicherte, er werde „weiterhin alles daran setzen, wieder Turniergolf zu spielen. Ich bin dicht dran, und ich werde nicht aufhören, bis ich es erreicht habe.“

Dennoch bleiben Fragen offen. Wieso fühlte sich Woods erst stark genug, um für Napa zu melden, nur um wenig später doch einen Rückzieher zu machen? Für viele Experten ist gerade der Einstieg ins Turniergeschehen psycholgisch wichtig für den gesamten weiteren Karriereverlauf. Vielleicht denkt auch Woods so und wählte nun einen sanfteren Einstieg. Der Kurs im Dezember ist ihm gut vertraut, mit lediglich 18 Spielern ist der Rahmen in zwei Monaten zudem deutlich kleiner.