Triathlon

Vor dem Ironman geht es schamlos zu im Paradies

Beim Ironman-Triathlon auf Hawaii schauen alle auf das deutsche Duell zwischen Jan Frodeno und Sebastian Kienle. Heute Nacht im Ersten.

Foto: Mark J. Terrill / picture alliance / AP Photo

KAILUA-KONA.  In den Tagen vor dem Start verändert sich Kailua-Kona, dieses nette Urlauber-Städtchen mit knapp 34.000 Einwohnern, in einen Ameisenhaufen aus Triathleten. Die Hotels sind ausgebucht, die Preise immens gestiegen.

Der berühmte Ironman am Sonnabend (Start 18.25 Uhr, ARD ab 1.15 Uhr) ist wieder eine gigantische Messe mit mehr als 2300 Teilnehmern, die einen Körperfettanteil von unter 10-15 Prozent haben – und jeweils 890 Euro Startgeld bezahlt haben sie auch jeder, um hier bei sengender Hitze nach 3,86 Kilometer Schwimmen und 180 Kilometer Radfahren einen Marathon laufen zu dürfen.

Dazu kommen Begleiter, also Familie und Freunde, Trainer, Physiotherapeuten, Serviceleute und unzählige Geschäfts-Ironmänner. Der sonnenreiche Westen von Big Island steht dieser Tage unter Strom – und alle im Stau.

Titelverteidiger trifft auf Europameister

Das Duell des Männer-Rennens dürfte ein deutsches werden, ein Zweikampf zwischen Vorjahressieger Jan Frodeno (35) und Sebastian Kienle (32). Letzterer gewann dieses Jahr die EM in Frankfurt/M. in 7:52:43 Stunden. „Ich mache meine besten Rennen, wenn ich nicht zufrieden bin“, sagt Kienle.

Auf Hawaii arbeitete er sich kontinuierlich nach vorn: Vierter 2012, Dritter 2013, Champion 2014. Bis ihn voriges Jahr dann Frodeno besiegte, Kienles „Wunsch- und Angstgegner“. Frodeno, 2008 Olympiasieger, wechselte nach den Spielen 2012 auf die Langdistanz. In Roth holte er sich Mitte Juli inzwischen sogar die Weltbestzeit über die Langstrecke – in 7:35:39 Stunden.

Die Wiederholung des 2015er-Triumphes ist sein Ziel. „Der Beste sein zu wollen in dem, was man macht“, sagt der gebürtige Kölner, „das motiviert mich extrem.“ Als erster Triathlet auf Hawaii unter der magischen Acht-Stunden-Marke zu bleiben, ist daher ein Ziel. Den Streckenrekord hält der Australier Craig Alexander mit 8:03:56 Stunden, aufgestellt 2011. „Ich bin sehr froh, dass Jan hier ist“, sagt Kienle beim letzten Medientermin am Donnerstag, „wenn ich hier als bester Deutscher ins Ziel komme, dann würde das schon einiges bedeuten.“ Er grinst.

Ein Lauf in Unterhosen

Sein Sitznachbar auf dem Podium, Frodeno, lacht da auf. Seine Lockerheit ist nicht gespielt. Er betont: „Humor ist meine Waffe.“ In den Tagen vor dem Rennen präsentieren alle Sportler ihre Form – und ihren Body. Zu Wasser und zu Lande. Jeden Morgen in der Dämmerung springen Hunderte vom „Dig Me Beach“ am Pier, dem Startbereich des Rennens, in die Fluten. Auf der Strandpromenade, dem „Ali’i Drive“, wird gejoggt. Ein Schaulaufen.

Die Radfahrer zeigen sich und ihr Equipment entlang des Queen-Kaahumanu-Highways, einer mehrspurigen Landstraße, die auch am Samstag befahren wird. Rechts und links Lavasteine, keine Bäume, kein Schatten. Nur Glut, Schweiß und manchmal Tränen. Viele Amateure, die hier mittags die Bedingungen testen wollen, also sich die Hitze vorab geben, verpulvern zu viele Körner für das eigentliche Rennen.

Beim „Underpants-Run“ über 2,4 Kilometer am Donnerstagmorgen – ja, ein Lauf in Unterhosen – steht der Spaß im Vordergrund. Eingeführt von den Amerikanern, die damit die aus ihrer Sicht schamlosen europäischen, vor allem deutschen, Athleten veräppeln, die überall, ob in Restaurants, Cafés oder Supermärkten (zu) kurz behost unterwegs sind. Eine witzige Sache für den guten Zweck.

Die Profis sind derweil bereits längst in ihrem persönlichen Renntunnel. Der Sieger darf sich - wie bei der Premiere 1978 erdacht - Ironman nennen. Ein Ritterschlag. Für Frodeno oder Kienle?