Motorsport

Die Formel E steht immer mehr unter Strom

In ihrer dritten Saison erfährt die Formel E viel Zulauf. Sogar mehr Autokonzerne als die Formel 1 hat die Rennserie bereits zu bieten.

Fürst Albert von Monaco hat sich von der Qualität der Formel E ausreichend überzeugt

Fürst Albert von Monaco hat sich von der Qualität der Formel E ausreichend überzeugt

Foto: ERIC GAILLARD / REUTERS

Berlin/Stuttgart.  Schon lange vor dem Auftakt am kommenden Sonntag in Hongkong freuen sich viele in der Formel E aufs Finale der Saison. Nach elf Stationen mit zwölf Rennen auf drei Kontinenten surren die elektrisch angetriebenen Monoposti dann an zwei Tagen durch Brooklyn. In der dritten Saison hat Formel-E-Macher Alejandro Agag geschafft, was Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone in all den Jahrzehnten nicht hinbekommen hat – ein Rennen in New York.

Anfangs wurde die neue Serie noch skeptisch beäugt. Doch inzwischen fallen die Hemmungen. Audi, Citroen, Jaguar, Mahindra, Renault beteiligen sich nun auch an der Elektroserie, die inzwischen also mehr Autohersteller lockt als die Formel 1. Und weitere Unternehmen aus der Branche wollen bald einsteigen. BMW ging eine Kooperation mit dem Andretti-Rennstall und Zulieferer ZF mit Venturi ein. Formel-1-Weltmeister Mercedes hat gerade eine Vereinbarung abgeschlossen für einen der beiden zusätzlichen Teamplätze, die es ab der Saison 2018/19 geben wird.

„Wir haben das Wachstum der Formel E mit großem Interesse verfolgt“, sagt Motorsportchef Christian „Toto“ Wolff, „derzeit sehen wir uns alle verfügbaren Optionen im Motorsport für die Zukunft an. Elektrifizierung wird eine wichtige Rolle in der Zukunft der Automobilindustrie spielen, die Formel E dadurch sehr an Bedeutung gewinnen.“ Auch Porsche verhandelte bereits mit zwei Teams, allerdings noch ohne Einigung.

Emissionsfrei durch die Großstädte

Von Beginn an haben die Formel-E-Macher darauf gesetzt, mit ihrer Serie keine Kopie der Motorsport-Königsklasse zu sein. Erster Baustein: das ungewöhnliche Format, das sich längst bewährt hat. An einem Tag finden Training, Qualifikation und Rennen statt. „Für die Fahrer und Teams ist es Stress pur, aber für die Fans ist es klasse, weil sie alles sehen“, sagt Vize-Weltmeister Lucas di Grassi. Zu den Rennen jedenfalls kommen viele Besucher, die sich sonst nicht zu einer Motorsportveranstaltung verirren würden.

Baustein zwei: „Highspeed genießt bei der Formel 1 höchste Priorität, bei uns geht es um Effizienz“, sagt Formel-E-Boss Alejandro Agag zum Ansatz. Dies hat zu ganz anderen Austragungsorten geführt. Konsequent werden die Wettfahrten in Städten ausgetragen. Emissionsfrei durch die Citys. „Wir gehen zu den Menschen“, sagt Agag.

Nach Hongkong, nach Buenos Aires, nach London, nach Paris und auch nach Berlin. Im ersten Jahr wurde der Kurs auf dem Rollfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof aufgebaut, im Mai direkt am Alexanderplatz.

Rennserie für namhafte Piloten immer interessanter

Momentan bezieht die Serie ihren Glamour noch hauptsächlich aus den Städten, in denen die Formel E fährt. Doch mit dem steigenden Image interessieren sich auch bekanntere Piloten dafür. Für Weltmeister Sebastian Buemi und Vize Lucas di Grassi stand in der Vergangenheit noch die Langstrecken-WM im Mittelpunkt.

Auch Antonio Felix da Costa, der in den vergangenen beiden Jahren für BMW parallel noch in der DTM gefahren ist, will sich künftig ganz auf die Elektroserie konzentrieren. Mercedes schickt Werksfahrer Maro Engel als Speerspitze beim Venturi-Team vor, um für künftige Missionen in einem elektischen Silberpfeil zu lernen.

Dass die Fahrer besonders gefordert sind, liegt an der Besonderheit der Monoposto. Im Gegensatz zu Rennwagen mit Verbrennungsmotor, die exakt ausbalanciert sind, sind die Elektrorenner wegen der schweren Batterien sehr hecklastig. Und deshalb besonders schwierig zu fahren. Weiteres Erschwernis: Beim Bremsen werden die Akkus wieder aufgeladen. Je nach Ladezustand verändert sich jedoch die Bremsleistung. Gerade die noch eher geringe Leistungsfähigkeit der Batterien hat BMW seither an einem Renn-Engagement zögern lassen.

Kosten nicht so ausufernd wie in der Formel 1

„Das Format mit einem Fahrzeugwechsel ist für uns nicht interessant“, argumentierte Motorsportchef Jens Marquardt. Hans-Jürgen Abt hat das Potenzial früh gesehen und war mit seinem Rennstall samt Zulieferer Schaeffler als Technologiepartner von Anfang an dabei. Und so wiederholt sich Geschichte. Vor 15 Jahren war Abt in die DTM als Privatteam eingestiegen. Kurz darauf übernahm Audi das Engagement. Nun betätigt sich das Team aus Kempten schon wieder als Türöffner. „Audi übernimmt nach und nach Entwicklungsschritte für die Saison vier“, sagt Audi-Pressemann Daniel Schuster.

Aus dem Rennsport für die Serie lernen – mit der Formel E wird dieses Motto aus der Gründerzeit des Motorsports wieder entdeckt. Dies trifft vor allem auf die Batterien zu. Als Ziel hat Formel-E-Chef Agag ausgegeben, dass 2018 die Kapazität der Akkus für ein komplettes Rennen über eine Stunde ausreichen soll. Der 46-jährige Spanier ist auch sonst penibel darauf bedacht, dass seine Serie attraktiv bleibt. Daher achtet er sehr darauf, dass die Kosten überschaubar bleiben.

Die Monoposto sind daher Einheitsware, lediglich am Antriebsstrang und den Akkus darf Entwicklungsarbeit betrieben werden. „Wir schreiben vor, dass jeder Hersteller seinen Antriebsstrang für maximal zwei Millionen Euro an Kunden verkaufen muss“, sagt Agag. In der Formel 1 kostet der Antriebsstrang von Mercedes, Ferrari oder Renault das Zehnfache, mindestens. Noch so ein Zukunftsvorteil der Formel E.

Berlin im Juni 2017 wieder Gastgeber

Der Rennkalender 2016/17:

9. Oktober: Hongkong
12. Nov.: Marrakesch (Marokko)
18. Feb.: Buenos Aires (Argentinien)
1. April: Mexiko City (Mexiko)
22. April: London (Großbritannien/unbestätigt)
13. Mai: Monte Carlo (Monaco)
20. Mai: Paris (Frankreich)
10. Juni: Berlin (Deutschland)
24. Juni: noch offen
1. Juli: Brüssel (Belgien)
15/16. Juli: Montreal (Kanada)
29./30. Juli: New York (USA)