Golf

USA gewinnen den Ryder Cup mit neuem Teamgeist

Europas Golfstars kassieren in Minnesota die höchste Pleite seit 37 Jahren. Besonders Martin Kaymer enttäuscht beim 41. Ryder Cup.

Phil Mickelson feiert feucht-fröhlich den klaren Sieg der USA

Phil Mickelson feiert feucht-fröhlich den klaren Sieg der USA

Foto: John David Mercer / USA Today Sports

Chaska.  Vor vier Jahren spielte Martin Kaymer beim Ryder-Cup-Erfolg der Europäer in den USA noch die Hauptrolle. Mit einem erfolgreichen Putt aus zwei Metern Entfernung hatte der Düsseldorfer den entscheidenden Punkt zum Sieg geholt.

Diesmal hingegen war der Deutsche nur Statist. Als Kaymer im Hazeltine National Golf Club in Chaska/Minnesota gegen Matt Kuchar noch drei Löcher zu spielen hatte, holte der Amerikaner Ryan Moore auf der 18. und letzten Bahn den entscheidenden Punkt zum verdienten 17:11-Sieg der Gastgeber.

Ausgerechnet der Mann, den US-Team-Kapitän Davis Love III. erst acht Tage zuvor als letzten seiner zwölf Spieler benannt hatte, beendete alle Hoffnungen der Europäer auf den vierten Triumph nacheinander und war zugleich der Auslöser für die größte Party im mittleren Westen.

„USA, USA“, schallte es über die perfekt bespielbaren Grüns der Anlage. Seit 2008 hatte Amerika dreimal nacheinander diesen wichtigsten Mannschaftswettbewerb der Golfer gegen Europa verloren. Doch diesmal gab es nur vereinzelt leichte Zweifel, wer die goldene Trophäe in den blauen Himmel von Minnesota recken würde.

Martin Kaymer gewinnt erst, als schon alles verloren ist

„Für uns ist es auf der einen Seite eine Riesenenttäuschung, weil wir den Ryder Cup unbedingt wieder mit nach Europa nehmen wollten. Andererseits haben wir alles getan, aber die Amis waren einfach ein bisschen besser“, sagte Kaymer, der in Chaska dreimal verlor. Als er dann seinen einzigen Sieg einfuhr, war der Pokal längst verloren. „Ich bin einfach stolz auf die Jungs. Sie hatten in den vergangenen zwei Jahren viel Druck. Es war ein Team-Erfolg“, freute sich Love III.

Dass die Amerikaner diesmal feiern würden, hatte sich bereits früh angedeutet. Erstmals seit 1975 konnten die USA wieder alle vier Partien des „Klassischen Vierers“ gewinnen und lagen 4:0 vorn. Zwar schaffte Europa zwischenzeitlich das 6,5:6,5. Doch die Gastgeber waren einfach ausgeglichener besetzt. „12 Strong“ lautete der Slogan des US-Teams – und jeder der zwölf Akteure gewann mindestens ein Match des im Lochspiel ausgetragenen Wettbewerbs.

Der Grund für den Sieg bei der 41. Auflage könnte ausgerechnet in der Niederlage vor zwei Jahren liegen. Nach dem 11,5:16,5 in Gleneagles hatte Phil Mickelson den damaligen Team-Kapitän Tom Watson kritisiert. Mickelsons Worte lösten eine Lawine aus. Amerika hatte endlich genug davon, ständig zu verlieren, den Europäern beim Feiern zuzuschauen. Es wurde eine Task Force gegründet, zu der neben Mickelson auch Tiger Woods gehörte. Man schaute nach Europa, um zu ergründen, was den Rivalen so stark macht. Und fand: Teamgeist.

Er sei sehr stolz darauf, Teil dieser Mannschaft zu sein, sagte Mickelson. Er habe „sehr viel Spaß gehabt“. Der Kalifornier spielte seinen elften Ryder Cup, war mit 46 Jahren Team-Ältester – freute sich aber über seine mitunter spektakulären Putts wie ein Teenager und zeigte nie gesehene Tanzeinlagen. Man habe gewusst, betont Mitspieler Brandt Snedeker, dass „niemand alleine diesen Ryder Cup gewinnen“ würde, sondern der Erfolg „nur als Team möglich“ sei.

Bei Europa gaben sechs Spieler ihr Debüt, der Belgier Thomas Pieters schrieb mit vier Siegen in vier Partien europäische Ryder-Cup-Geschichte. Rory McIlroy untermauerte seine Stellung als Anführer. Vor allem sein knapp verlorenes Duell gegen Patrick Reed bot den 55.000 Zuschauern Weltklasse-Golf. Trotz der klarsten Niederlage seit 1979 glaubt der Nordire an eine Zukunft des Teams. 2018 findet der Ryder Cup bei Paris statt. Und dann, so Kaymer, wolle man sich die Trophäe zurückholen.