Boxen

Diesen Schlagabtausch gibt es mit fünf Jahren Verspätung

Zweimal wurde der Boxkampf zwischen Jürgen Brähmer und Nathan Cleverly abgesagt. Heute findet er endlich statt.

 Endlich kampfbereit: Jürgen Brähmer (l.) und Nathan Cleverly

Endlich kampfbereit: Jürgen Brähmer (l.) und Nathan Cleverly

Foto: Christian Charisius / dpa

Hamburg.  Klappern gehört zum Handwerk, heißt es im reichen Schatz der deutschen Sprichworte, und da das Boxen als besonders handfestes Handwerk durchgehen kann, ist man die marktschreierischen Ankündigungen vor Kampfabenden gewohnt. Von Ringschlachten wird da gefaselt, von epischen Duellen, hungrigen Herausforderern – und Weltmeistern, die sich auf einen Schlag der Heranstürmenden zu entledigen wissen. Oft genug enden derart vollmundige Ankündigungen in inhaltsleerem Ringgeschiebe.

Als „Kampf des Jahres“ versucht der Berliner Sauerland-Profistall jene Ansetzung zu vermarkten, die an diesem Sonnabend (22.40 Uhr, Sat.1) 5000 Menschen ins Jahnsportforum von Neubrandenburg locken wird. Tatsächlich spricht einiges dafür, dass sich das Duell zwischen Jürgen Brähmer und Nathan Cleverly diese Auszeichnung verdienen könnte. Immerhin treffen mit dem 37 Jahre alten WBA-Weltmeister aus Schwerin und seinem acht Jahre jüngeren Widersacher aus Wales zwei Athleten aufeinander, die im Halbschwergewichtslimit (bis 79,379 kg) anerkannt zur Weltspitze zählen.

Besonderen Reiz zieht der Kampf daraus, dass er mit fünf Jahren Anlaufzeit zustande kommt. Im Mai 2011, als Brähmer noch für den Hamburger Universum-Stall den WBO-Titel hielt und Cleverly als einer der heißesten Nachwuchsstars gehandelt wurde, hatte man ein Treffen in der Londoner O2 Arena vereinbart. Brähmer sagte ab. Offizielle Version: Er habe sich einen im Training erlittenen Cut versehentlich mit einem Handtuch aufgerieben.

Darum gab es zuvor zwei Absagen

„Tatsächlich war es so, dass mein damaliger Promoter Klaus-Peter Kohl sich nicht an unsere Gagenabmachung halten wollte. Ich habe es dann rigoros durchgezogen“, erinnert sich Brähmer an die Umstände der Absage, nach der Cleverly den WBO-Titel zugesprochen bekam und fünf Mal verteidigte.

Im vergangenen Jahr ließ der Brite die Neuansetzung kurzfristig platzen, weil er lieber in den USA gegen den Polen Andrzej Fonfara seine Chance suchen wollte. „Das war auch nicht die feine englische Art“, sagt Brähmer.

Im dritten Anlauf soll es endlich klappen, und natürlich sind die Promoter beider Boxer überzeugt davon, dass die Wartezeit sich gelohnt haben wird. „Jetzt sind beide gereifte Kämpfer und gereifte Menschen, was den Kampf nur noch besser macht“, sagt Eddie Hearn. Kalle Sauerland ist „überzeugt davon, dass dieser Kampf die Welt begeistern wird, weil zwei Sportler aufeinandertreffen, die Kämpferherz, Schlaghärte und eine perfekte technische Ausbildung in sich vereinen“.

Cleverle Clerverly hat Mathematik studiert

Das ist nicht übertrieben. Und obwohl Cleverly seit der Punktniederlage gegen Fonfara nicht mehr gekämpft hat und 2014 gegen seinen Landsmann Tony Bellew sowie 2013 gegen den derzeit weltbesten Halbschwergewichtler Sergej Kovalev (WBA-Superchampion sowie Weltmeister bei WBO und IBF) schwere Niederlagen einstecken musste, darf man dem Waliser eine Überraschung zutrauen.

Cleverle Cleverly, der Mathematik studiert und eine eigene Immobilienfirma aufgebaut hat, wird dem schlauen Ringfuchs Brähmer vor allem Härte entgegenzusetzen wissen.

„Auch wenn ich studiert habe und mit meiner Firma erfolgreich bin: Ich liebe es einfach zu kämpfen. Es geht darum, nach schweren Niederlagen zurückzukommen und noch einmal Champion zu werden. Das schaffen nur die Besten, und zu dieser Elite will ich zählen“, sagt der 29-Jährige, der ein Bild aus dem Tierreich bemüht, um den Kampfausgang vorauszusagen: „Brähmer ist ein exzellenter Kämpfer und ein alter Hase, aber ich bin der junge Löwe, der sich den Titel schnappt.“ Gut geklappert, Mister Cleverly!