Formel 1

Kurios: Je öfter Rosberg siegt, umso mehr kann er verlieren

Kurz vor dem Saisonfinale lastet auf Nico Rosberg mehr Druck als auf Rivale Lewis Hamilton. Sonntag läuft der Grand Prix von Malaysia.

 Nico Rosberg (l.) liebt es, Lewis Hamilton hinter sich zu lassen

Nico Rosberg (l.) liebt es, Lewis Hamilton hinter sich zu lassen

Foto: Srdjan Suki / dpa

Sepang.  So bitter es für Ferrari, Red Bull und den ganzen Rest der Highspeed-Karawane sein mag, die mit ihren kleineren und größeren Problemchen durch die Formel-1-Saison chauffieren: Wirklich spannend ist sechs Renntage vor Schluss nur eine Frage. Sie lässt sich auf zwei Namen und ein Bindewort begrenzen. Nico Rosberg oder Lewis Hamilton. Einer von beiden wird Weltmeister, der Deutsche zum ersten oder der Brite zum vierten Mal.

Niemand fährt 2016 im Bereich der Mercedes, die 14 der bisher 15 Grand Prix im Wechsel gewonnen haben. Nur als beide ausfielen, im Mai in Barcelona, nutzte Jos Verstappen im Red Bull die einmalige Chance. Rosberg, zuletzt dreimal in Spa, Monza und Singapur siegreich, führt aktuell mit acht Punkten Vorsprung vor Hamilton. Letzterer fuhr am Freitag vor dem Großen Preis von Malaysia in Sepang am Sonntag (Start 9 Uhr, RTL und Sky) Bestzeit im ersten Freien Training, was unterstreicht, dass das Rennen zwischen den Silberpfeilen völlig offen ist.

In Sepang schwitzen alle – besonders Teamchef Wolff

Wie vor zwei Wochen in Singapur werden über 30 Grad und mehr als 60 Prozent Luftfeuchtigkeit den Piloten das Leben schwer machen. Alle werden schwitzen. Um wie viel Teamchef Christian Wolff samt seinem Aufseher Niki Lauda mehr schwitzen wird als alle anderen, ist offen. Das manchmal bis über die Grenzen des Sportlichen hinaus geführte Duell Rosberg vs. Hamilton geht in die sechstletzte Runde.

Der Wiesbadener Rosberg strotzt vor Selbstvertrauen: „Ich weiß, dass ich an jedem Wochenende gewinnen kann. Das ist eine unglaubliche Situation für einen Fahrer.“ Er werde das aber nicht als gegeben ansehen. „Das nächste Rennen kann wieder ganz anders aussehen“, sagt Rosberg und fügt eher freundlich gemeint hinzu: „Red Bull und Ferrari setzen uns richtig unter Druck. Uns erwarten noch harte Wochenenden.“

Hamilton, der im Laufe dieser zwischen den Mercedes-Fahrern hin- und herwogenden Saison immerhin mehr Respekt vor seinem Stallrivalen bekommen zu haben scheint, gibt sich pragmatisch: „Wir sind beide leidenschaftliche Wettkämpfer. An manchen Wochenenden ist er super, an anderen ich. Um ein starkes Wochenende hinzulegen, muss eine Kombination aus vielen Faktoren zusammenkommen.“ In den verbleibenden Rennen hoffe er auf das Beste. „Es gibt keinen Grund, zu glauben, dass ich es nicht wieder schaffen könnte.“

Mercedes hat in Malaysia etwas gutzumachen

Wobei auch dem WM-Leader bewusst ist: Er, Rosberg, ist der Gejagte – von einem Teamkollegen, der niemals aufsteckt, und von den Ehrgeizlern bei Red Bull und Ferrari, die Mercedes den Nimbus der Unschlagbarkeit nehmen wollen.

Das Besondere an Rosbergs Situation ist trotz seiner überwiegend makellosen Rennen: Je mehr er noch gewinnt, desto mehr wird er der Favorit sein. Und verliert er dann diese WM doch noch, hat er noch viel mehr verloren. Er würde als „Loser“ dastehen, der einfach keinen Titel schafft. So gesehen wird der Druck auf Rosberg mit „jetzt oder nie“ wohl immer stärker.

Bei so viel interner Brisanz versucht Wolff, gelassen zu wirken. „Malaysia ist ein Rennen, bei dem wir uns im vergangenen Jahr unter Wert geschlagen haben. Deshalb müssen wir alles geben, um das in Ordnung zu bringen. Die Fahrer treiben sich in diesem Jahr gegenseitig mehr denn je zu Höchstleistungen an.“ Bei Mercedes werden sie hoffen, dass diese Höchstleistungen sich nicht derart gegeneinander richten, dass die abgeschlagene Konkurrenz davon profitiert.