Berlin

Die Füchse springen an die Spitze

Die Berliner sind nach dem 28:25 gegen den TVB Stuttgart Tabellenführer. Doch es gibt auch Unerfreuliches

Berlin.  Am Ende ging der Jubel über die Tabellenführung fast unter. Nachdem Fabian Wiede den Siegtreffer für die Füchse Berlin zum 28:25 (15:12) gegen den TVB Stuttgart erzielt hatte, ging Michael Kraus auf Drago Vukovic los. Vielleicht war der Ex-Nationalspieler, der zu Saisonbeginn von Frisch Auf Göppingen nach Stuttgart gewechselt war, einfach sauer. Vukovic hatte mit seinen vier Treffern innerhalb der letzten vier Minuten schließlich dafür gesorgt, dass die Füchse die auf der Kippe stehende Partie doch noch für sich entscheiden konnte. „Ich weiß gar nicht, was los war, ich bin überhaupt kein aggressiver Typ“, sagte Vukovic.

Steffen Fäth sorgt für hohes Tempo im Aufbauspiel

Der Kroate hatte auch vielmehr Grund zur Freude, denn mit diesem zehnten Sieg in Serie, dem fünften in der Handball-Bundesliga, stehen die Füchse mit 10:0 Punkten an der Spitze der Handball-Bundesliga. Es ist die erste Tabellenführung nach einem abgeschlossenen Spieltag für die Füchse seit dem 10. Oktober 2010. Stuttgart hingegen verbleibt mit 4:6 Punkten auf Platz neun. Ganz so klar waren die Kräfteverhältnisse auf dem Parkett allerdings nicht verteilt. „Wenn man das Spiel gesehen hat, kann man schon enttäuscht sein“, sagte Kraus. Kurz nach dem Spiel hatte er sich wieder beruhigt. „Die Füchse haben sich das heute erarbeitet, so wie sie sich seit Jahren alles erarbeiten, deshalb haben sie auch verdient gewonnen“, sagte der 33-Jährige.

Wie angekündigt, ließ Füchse-Trainer Erlingur Richardsson Steffen Fäth von Beginn an spielen. Fäth, der in den vergangenen Wochen unsicher wirkte und auch geäußert hatte, dass er sich noch wie ein Fremdkörper fühle, sorgte gemeinsam mit Paul Drux und Wiede für ein hohes Tempo im Aufbauspiel der Füchse. Weil auch die Abwehr stabil stand, konnten die Berliner nach einer Viertelstunde 9:5 in Führung gehen. Dann aber schlichen sich viele leichte Fehler ein, drei Minuten lang gelang den Gastgebern kein Treffer, während Stuttgart angeführt von Kraus dreimal traf (9:8/19.). Der Höhepunkt der Kopflosigkeit war erreicht, als Kreisläufer Ignazio Jimenez erfolglos versuchte, von der Mittellinie das Tor der Gäste zu treffen. Diese Aktion ließ den sonst so ruhigen Richardsson mal eben aus der Haut fahren: „Was war das denn?“, brüllte er.

In der zweiten Hälfte trat zunächst keine Besserung ein. In 15 Minuten gelangen den Gastgebern lediglich vier Treffer, während Stuttgart neun Mal traf (19:21). „Ich wusste schon vor der Partie, dass es gegen Stuttgart nicht einfach werden würde“, sagte Vukovic. Nur dank eines stark aufgelegten Silvio Heinevetter konnten sich die Berliner sich im Spiel halten, allerdings stand Gäste-Torhüter Johannes Bitter ihm in nichts nach. So gut die Deckung funktionierte, so fahrlässig agierten beide Mannschaften aber in der Offensive. Sie präsentierten derart viele technische Fehler, dass sich zwischenzeitlich der Eindruck aufdrängte, der Handball-Weltverband habe das angekündigte Harzverbot doch schon vor dieser Partie realisiert. Anders lässt sich kaum erklären, warum es international erfahrenen Spielern einfach nicht gelingen wollte, den Ball festzuhalten.

„Wir waren alles, nur nicht kon-stant“, sagte Hanning. „Das haben wir ja schon gegen Balingen erlebt, dass wir beinahe leichtfertig einen Vorsprung aus der Hand gaben, den wir uns gut herausgespielt haben.“ Am Ende aber bündelten die Füchse ihre Kräfte, dabei half vor allem Wiede, mit sieben Treffern bester Werfer der Berliner, der Vukovic immer wieder gekonnt in Szene setzte. „Fabi hat die Tore für mich richtig gut vorbereitet“, sagte Vukovic, der es am Ende auf sechs Treffer brachte. „Wir haben unser Tempo nicht über das ganze Spiel gehalten. Aber ich bin zufrieden, dass wir stark zurückgekommen sind mit Drago am Ende“, sagte Richardsson. „Er war wichtig für uns die letzten Minuten.“

Die Freude über den Sieg wurde dann aber durch eine weitere Nachricht getrübt: Die Verletzung von Kent Tönnesen ist schwerwiegender als gedacht: Am Mittwoch wurde der Norweger wegen eines Kompartmentsyndroms operiert. „Er wird länger ausfallen, als wir gedacht haben. Das dauert zweieinhalb, drei Monate, wenn nicht sogar ein halbes Jahr“, sagte Hanning. Für Tönnesen rückt nun Christoph Reißky, 21, in den Kader, der am Mittwoch sein Bundesligadebüt gab.