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Der HSV feuert Trainer Bruno Labbadia - am Telefon

Stilloser Abgang: Ein Punkt aus fünf Spielen reicht dem HSV nicht - deshalb muss der Trainer gehen. Der Nachfolger steht schon fest.

Bruno Labbadia

Bruno Labbadia

Foto: Christian Charisius / dpa

Bruno Labbadia brauchte am Sonntag nicht einmal mehr auf das Vereinsgelände des Hamburger SV zu fahren. Am Telefon wurde dem einst als Retter gefeierten Cheftrainer seine Entlassung mitgeteilt - als er um kurz nach 10 Uhr auflegte, war das unwürdige Verwirrspiel der vergangenen Tage, durch das Labbadias Abschied von der Elbe längst keine Überraschung mehr war, endlich beendet.

"Ich habe ihn zum Gespräch gebeten. Er sagte, dass er das lieber am Telefon machen möchte", sagte Klub-Chef Dietmar Beiersdorfer, für den die Trennung "aus sportlich-inhaltlichen Gründen" unausweichlich war. Der schwer angeschlagene Fußball-Bundesligist reagierte auf den desolaten Fehlstart in die Saison - das 0:1 am Sonnabend gegen Rekordmeister Bayern München war die vierte Niederlage in Folge.

Nach Informationen von "Sport1" soll der Club mit Markus Gisdol als Nachfolger nahezu einig sein. Zum Anfang der kommenden Woche will der HSV-Vorstand über die Nachfolge entscheiden, wie der Club mitteilte.

„Dieser Schritt ist angesichts unseres sportlichen Trends notwendig. Ich bin der Überzeugung, dass wir jetzt eine Veränderung auf der Trainerposition vornehmen müssen, um nach dem enttäuschenden Saisonstart den sportlichen Turnaround zu schaffen“, erklärte Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer.

„Nach der langen Vorbereitung und den bisherigen Spielen müssen wir konstatieren, dass unsere fußballerische Entwicklung insgesamt nicht unseren Vorstellungen entspricht.“

Dritter Coach innerhalb von drei Jahren

Seit seinem Dienstantritt am 8. Juli 2014 hat Beiersdorfer damit nach Mirko Slomka und Joe Zinnbauer schon zum dritten Mal den Chefcoach gewechselt. Labbadia half letztlich auch nicht mehr, dass er den HSV am 15. April 2015 in nahezu auswegloser Lage übernommen und nach einem starken Endspurt in der Relegation gegen den Karlsruher SC doch noch vor dem erstmaligen Abstieg aus dem Oberhaus bewahrt hatte. 2015/16 führte der frühere HSV-Torjäger den Liga-Dino auf den zehnten Rang.

Nach Investitionen von gut 30 Millionen Euro in neue Spieler war die Erwartungshaltung beim norddeutschen Traditionsclub aber stark gestiegen. HSV-Geldgeber Klaus Michael Kühne, der dem klammen Club den Großteil seiner Sommer-Einkäufe finanziert hat, gab Platz sechs bis acht als Saisonziel aus. Davon ist der HSV derzeit weit entfernt. Erneut steckt der Club im Tabellenkeller, saisonübergreifend ist der HSV mit 20 Punkten aus 22 Spielen die schlechteste Bundesliga-Mannschaft des Jahres 2016.

Gegen München fehlte Labbadia und seinem Team das Glück. Trotz einer kämpferisch überzeugenden Vorstellung musste der HSV durch den späten Gegentreffer von Nationalspieler Joshua Kimmich eine weitere Niederlage hinnehmen.