Berlin

Breite Brust in Lichtenberg

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Sebastian Schlichting

Nach gutem Start wartet am Freitag Tennis Borussia auf den Oberliga-Spitzenreiter

Berlin. Uwe Lehmanns Regionalliga-Karriere dauerte offiziell eine Minute. Plus Nachspielzeit. „Den Ball habe ich nicht berührt“, sagt Lehmann über die Partie im Oktober 2000 zwischen Erzgebirge Aue und Tennis Borussia in der damals dritthöchsten Spielklasse, Endstand 1:4. Er war A-Jugendlicher bei TeBe, wurde kurz vor dem Ende bei den Männern eingewechselt. Lehmann kann sich ganz gut erklären, warum es in seiner Laufbahn später nicht zu mehr gereicht hat: „Ich war ein ordentlicher Fußballer. Allerdings war ich eine ziemlich faule Sau.“

Von „faul“ ist Lehmann schon lange weit entfernt. Er arbeitet als Personaldisponent, hat zwei Kinder – und trainiert den Fußball-Oberligisten Lichtenberg 47. Vier Einheiten die Woche, Gegnerbeobachtung und Spielanalysen sind Standard in der fünften Liga. Lehmann ist 34 Jahre alt und in der vierten Saison Coach. So gut wie jetzt lief es noch nie: Zwölf Punkte nach fünf Spielen, 19:4 Tore. Lichtenberg ist Spitzenreiter vor dem Duell am Freitag (19 Uhr) beim Tabellenvierten Tennis Borussia im Mommsenstadion.

Der Saisonstart war oft das Problem, Beispiel 2015/16: Für viele war das Team Top-Favorit, doch nach fünf Spielen standen mickrige drei Punkte zu Buche. Verletzungen, Platzverweise, die Gründe waren vielfältig. „Diesmal sind wir optimal reingekommen. Da wird die Brust breiter“, sagt der Sportliche Leiter Benjamin Plötz. Und die Ansprüche höher: „Wir wollen bei TeBe auf jeden Fall etwas mitnehmen“, sagt Trainer Lehmann.

Plötz musste 2010 im Alter von 23 Jahren gesundheitsbedingt mit dem Fußball aufhören und ist seitdem Sportlicher Leiter. 2013 ging Trainer Daniel Volbert, der inzwischen bei TeBe ist. Lehmann, seinerzeit Kapitän, entschied nach einer Woche Bedenkzeit, vom Feld an den Seitenrand zu wechseln. Im Frühjahr hat er seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert.

Das junge Führungs-Duo Plötz und Lehmann, dazu ein eingespieltes Team ohne große Fluktuation. „Je höher man Fußball spielt, desto unwichtiger ist es normalerweise, ob man sich privat mag. Uns ist es aber wichtig, dass die Spieler zusammenpassen“, sagt Lehmann. Die Ergebnisse geben ihnen recht. Dreimal in Folge stand am Saisonende mindestens Rang fünf.

Ligakonkurrent VSG Altglienicke hat den Ex-Unioner Torsten Mattuschka und Björn Brunnemann vom BFC Dynamo geholt, TeBe verpflichtete kürzlich Benjamin Siegert, einen Spieler mit Erst- und Zweitligaerfahrung. Und Lichtenberg? Hat in der jüngeren Vergangenheit „einige Sachen vorangebracht“, sagt Plötz. Es gibt zwei Physiotherapeuten, Rasen und Kabinen sind in sehr gutem Zustand. Doch zur Regionalliga, so Plötz bestimmt, „fehlt noch einiges“. Nicht zuletzt in finanzieller Hinsicht. An der Zielsetzung ändert sich daher trotz des Traumstarts nichts: unter die ersten Sechs kommen.

Zurzeit genießen sie einfach das Hier und Jetzt. Und sind froh, dass der „Rucksack“ (Plötz) aus dem Mai leichter wird. Lichtenberg verlor das Pokal-Endspiel gegen den Berlin-Ligisten BFC Preussen 0:1. Dahin die Chance auf einen sechsstelligen Betrag und bundesweite Aufmerksamkeit. Als Preussen im DFB-Pokal gegen den 1. FC Köln spielte (0:7), „kam alles noch einmal brutal hoch“, sagt Lehmann. „Unsere Niederlage wird mich stets begleiten“, sagt Plötz: „Aber wir können wieder lächeln.“ Vor allem beim Blick auf die Tabelle.