Bundesliga

Werder Bremens Coach Viktor Skripnik wurde im Bus entlassen

Werder Bremen trennt sich nach dem Debakel in Mönchengladbach von Trainer Skripnik. Herzog bringt sich ins Gespräch für die Nachfolge.

Viktor Skripnik

Viktor Skripnik

Foto: Christian Charisius / dpa

Bremen. Es war gegen 21.40 Uhr am Sonnabend, als der grüne Mannschaftsbus der Bremer langsam aus dem Borussia-Park rollte – doch für einen der Insassen war es da bereits eins vor zwölf. Das ahnte offenbar auch ein Grüppchen Gladbacher Fans, das ganz nah an das Klub-Vehikel des Tabellenletzten heranrückte und rief: „Auf geht‘s, ihr Bremer – aber ohne Viktor.“ Ihre Weissagung war angesichts der Art und Weise, wie sich die Norddeutschen beim 1:4 von den Gladbachern hatten zerpflücken lassen, nicht sehr gewagt.

Auf der Busfahrt vom Niederrhein nach Bremen gingen die Verantwortlichen in sich – und als das Gefährt um 1.41 Uhr am Weserstadion vorfuhr, war Cheftrainer Viktor Skripnik bereits entlassen. „Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen – aber wir mussten handeln, um nicht eine noch schlechtere Ausgangsposition zu haben“, erklärte Frank Baumann am späten Sonntagvormittag in einer Medienrunde. Und von der nächtlichen Beratung mit Skripnik auf der Autobahn berichtete der Manager: „Er hätte weitergekämpft. Viktor war sehr enttäuscht.“

Müde Gesten, handwerkliche Fehler

Im ausverkauften Borussia-Park war der 46-jährige Fußballlehrer vor allem beängstigend apathisch. Fast über die gesamte Partie hinweg stand der Mann aus der Ukraine wie versteinert am Spielfeldrand, brachte zwischendurch nur ein paar müde Handbewegungen in Richtung seiner Spieler zustande.

Neben dieser emotionalen Dürre dürften die Werder-Chefs auch handwerkliche Fehler in Gladbach zu Skripniks Beurlaubung bewogen haben.

Das Team gegen konterstarke Borussen derart hoch verteidigen zu lassen, darf als Harakiri bezeichnet werden. Ihre Sachen packen mussten zudem die Assistenten Torsten Frings und Florian Kohfeldt, beide dürften aber einen Anschlussjob bei Werder erhalten.

In der Profiabteilung jedoch muss schnell ein frischer Wind wehen. Bei der vierten Pleite im vierten Pflichtspiel der Saison klappte bei den Gästen vor allem in der ersten Halbzeit rein gar nichts. Nach einer unglaublichen Anhäufung dilettantischer Abwehrfehler lag Bremen zur Pause bereits hoffnungslos zurück. Werder-Profi Zlatko Junuzovic rutschten Begriffe wie „Katastrophe“ und „peinlich“ über die Lippen.

Unter den Nachfolge-Kandidaten ist auch ein Ex-Hertha-Coach

Nach 23 Monaten Vorturner-Tätigkeit in der Hansestadt waren die Uhren abgelaufen für Skripnik, den Last-Minute-Retter der Vorsaison. „Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, weil uns nach der Leistung in Gladbach die Überzeugung fehlte, dass es in der bestehenden Konstellation möglich ist, zeitnah eine Wende zum Positiven herbeizuführen“, sagte Manager Baumann.

Am Montag wird Alexander Nouri als Übergangscoach vorgestellt, der bisherige Trainer der Bremer U23 wird seine taktischen Überlegungen zumindest bei den Heimspielen gegen Mainz (Mittwoch) und Wolfsburg (Sonnabend) einbringen dürfen. Das Anforderungsprofil für Skripniks Nachfolger legte Baumann wie folgt fest: „Der neue Mann soll einer sein, der eine eigene Spielphilosophie hat, der einer Mannschaft seine Handschrift geben kann und der schon etwas vorzuweisen hat.

Aussichtsreiche Kandidaten sollen Jos Luhukay, André Breitenreiter und Markus Gisdol sein. Auch Werders Ex-Profi Andreas Herzog hat sich ins Gespräch gebracht. „Jeder weiß, dass Werder Bremen mein Verein ist und er mir nach wie vor sehr am Herzen liegt“, sagte der Assistent von US-Coach Jürgen Klinsmann bei Sport1. Es soll eine Übereinkuft mit dem 48-Jährigen geben, wonach Herzog die Freigabe bei einem Angebot aus der Bundesliga erhält.