Davis Cup

Deutsches Team hat den Klassenerhalt vor Augen

Die deutschen Tennis-Profis führen in der Davis-Cup-Relegation mit 2:0 gegen Polen, haben an der Hundekehle jedoch schwer zu kämpfen.

Teamchef Michael Kohlmann (l.) muntert Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff auf

Teamchef Michael Kohlmann (l.) muntert Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff auf

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Dr. Claus Stauder hat schon größere Schlachten im Davis Cup miterlebt als das Relegationsspiel zwischen Deutschland und Polen in Berlin. Stauder, einst Chef einer der größten Privatbrauereien der Republik, war Zeitzeuge der legendären Becker- und Graf-Jahre in Davis und Fed Cup, er gehörte zum deutschen Inventar der goldenen Tenniszeiten.

Doch so wie am Freitag, wie beim ersten Tag des Tennis-Nachbarschaftsduells im Steffi-Graf-Stadion, endete noch kein Länderkampf für den 78-jährigen Ehrenpräsidenten des DTB: Während der Warsteiner Jan-Lennard Struff in einer endlosen Zitterpartie gegen Nobody Kamil Majchrzak den ersten deutschen Punkt zur 2:0-Gesamtführung nach dem ersten Tag herausspielte, stolperte Stauder auf der Ehrentribüne so unglücklich, dass er beim fatalen Treppensturz eine schwere Platzwunde am Kopf erlitt.

Der offenbar von der heißen Spätsommersonne geschwächte Ex-Boss wurde an Ort und Stelle ärztlich versorgt und dann mit einem großen Turbanverband von Ersthelfern vom Centre Court geführt – alles mitten in der weiterlaufenden Partie. Später wurde seine Verletzung in einem Krankenhaus genäht.

Zwei Krimis über fünf Sätze

So erlebte Stauder natürlich auch nicht mehr mit, wie sich beide deutschen Einzelspieler im Relegationskrampf vor 3100 Zuschauern zu ihren Auftaktsiegen mühten: Struff, der hochgewachsene Ostwestfale, kam erst nach einem 1:2-Satzrückstand richtig auf Touren und gewann in drei Stunden und 47 Minuten noch mit 6:7 (8:10), 6:3, 5:7, 6:2 und 6:1 gegen Majchrzak, einen Mann, der in der Weltrangliste auf Platz 277 eingestuft ist.

Florian Mayer, nach dem Fernbleiben von Alexander Zverev und der verletzungsbedingten Absage von Philipp Kohlschreiber auf seine alten Tage noch einmal zum Führungsspieler geworden, siegte anschließend gegen Hubert Hukarcz nach einem noch größeren Stotterstart mit 1:6, 7:6 (8:6), 6:4 und 7:5. Hukarcz, die polnische Nummer 2, wird in der Hackordnung der Profis auf Platz 329 geführt, seine besten Ergebnisse in diesem Jahr waren soweit zwei Viertelfinalteilnahmen in der Zweiten Liga des Welttennis, bei Challengerturnieren in Finnland und Tschechien.

„Man darf nicht einfach so auf die Rangliste gucken. Der Davis Cup hat halt seine eigenen Gesetze. Ich bin froh, dass wir 2:0 führen“, sagte Deutschlands Teamchef Michael Kohlmann nach dem Eröffnungstag, der jenseits der glatten Führung aber zuviel Spannung und Nervenkitzel produziert hatte.

Mayer und Struff mit Nerven in der Favoritenrolle

Draußen im Grunewald, am Hundekehlesee, wo einst Steffi Graf zu Pokalsiegen in Serie stürmte, war auf den Davis-Cup-Plakaten noch personell größeres Tennis versprochen – dort sind noch Alexander Zverev, der Mann der Zukunft, und Philipp Kohlschreiber, der Frontmann der Gegenwart, in dynamischer Pose zu sehen.

Die Wahrheit auf dem Platz bildeten allerdings Struff und Mayer ab, einerseits Ersatzleute, aber beide immer noch wesentlich stärker als ihre polnischen Gegenspieler einzuschätzen.

Mayer, nicht zu vergessen, grüßte in diesem Jahr seines internationalen Tourcomebacks sogar einmal als unwahrscheinlicher Titelheld, bei den Gerry Weber Open in Halle. Dort und damals war Mayer der Außenseiter, dem niemand Gravierendes zutraute, Druck konnte es gar nicht geben für den eigenwilligen Bayreuther. Nun, in Berlin, tat sich Mayer genau wie Struff schwer mit der Erwartungshaltung als hoher Favorit, mit dem Anspruch, einen sicheren Punkt für Deutschland besorgen zu müssen.

Struff zertrümmert Schläger vor Wut

Mayer musste nach der 1:6-Pleite im Auftaktdurchgang sogar Satzbälle von Hukarcz im zweiten Akt abwehren, gegen einen noch höheren Rückstand. Auch danach blieb die Angelegenheit offen, Mayer, der 32-jährige Routinier, hatte dann aber in den entscheidenden Situationen mehr Courage - und auch mehr Glück. „Ich hatte meine Nerven nicht immer im Griff. Aber ich habe mich dann irgendwie doch durchgewurschtelt“, sagte Mayer, „wichtig ist am Ende der Erfolg, der zählt.“

Struff zertrümmerte während seines Fünf-Satz-Abenteuers sogar einen Schläger vor Wut. „Ich war lange weit von meiner Bestform entfernt, ich habe massenweise leichte Bälle verschlagen“, sagte der 26-Jährige, der über ungeheure Schlagpower verfügt, oft aber nicht über die nötige Präzision. Schon früh versiebte der Westfale eine sichere Führung, wurde danach immer verzagter und geriet sogar nach dem verlorenen dritten Satz in die Bredouille.

„Wichtig ist, dass ich mich durch diese kritischen Phasen durchgekämpft und für Deutschland gepunktet habe. Das ist alles, was zählt“, sagte Struff. Und es ist etwas, das auch nicht für alle und jeden selbstverständlich ist in diesen Davis-Cup-Zeiten.