Berlin

Rückkehr des Abräumers

Union setzt in München erneut auf Defensivmann Fürstner. Das war nicht immer so

Berlin. Die englische Woche, die der 1. FC Union vor sich hat, könnte durchaus auch als bayrische Woche durchgehen. Am Freitag das Auswärtsspiel bei 1860 München (18.30 Uhr, Sky), am Mittwoch folgt die Partie bei Aufsteiger Würzburger Kickers – „das kann sehr schön werden“, sagte Stephan Fürstner. Natürlich, weil es für den gebürtigen Münchner in Diensten des Berliner Fußball-Zweitligisten in seine Heimat geht. Doch auch sportlich kann es für die Köpenicker sehr angenehm werden, das 4:0 gegen Karlsruhe am vergangenen Wochenende war jedenfalls eine deutliche Kampfansage an die Konkurrenz.

„Wir sollten den Sieg aber nicht zu hoch hängen“, sagte Fürstner. Sicher, ein Sieg macht aus Union noch keinen Kandidaten für die Top 5 oder gar mehr. Aber, da ist sich der 29-Jährige sicher, „wir haben allen Grund, selbstbewusst in die nächsten Spiele zu gehen“. Fürstner hat in den vergangenen Wochen einen Großteil dazu beigetragen. Auf eine Art und Weise, die nicht zwingend mit den heutigen Anforderungen an den modernen Fußball zu tun haben, seine Qualitäten jedoch nicht anfechten.

Fürstner spielt im defensiven Mittelfeld, einer Position, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat. Der sogenannte Sechser ist eher ein zweikampfstarker Ballverteiler, im Falle von Fürstner lässt sich die Rolle jedoch als ballverteilender Zweikämpfer interpretieren, als Abräumer, der „das Tor verteidigt, mit allem was man hat“, so Fürstner.

Seit jeher hat sich Fürstner immer mehr als Arbeiter auf dem Platz gesehen denn als Feingeist. Wenn seine Mannschaft einen Eckball oder Freistoß ausführt, wird man ihn höchst selten im gegnerischen Strafraum finden, um die Hereingabe zu vollenden. Er steht lieber 20 Meter weiter hinten, um den Konter zu verhindern. Fürstner, der Abräumer.

Angesichts der kreativen Offensive mit Kapitän Felix Kroos und Damir Kreilach passt er perfekt in das 4-3-3-System von Trainer Jens Keller. Und der hält große Stücke auf ihn. „Er ist jemand, der laut ist und die Mannschaft organisiert. Das ist wichtig auf dieser Position“, sagte Keller. Und das wird in München erneut wichtig sein, wenn Union auch im vierten Saisonspiel in Folge zumindest ungeschlagen bleiben will.

Fürstners Position innerhalb der Mannschaft war keineswegs immer so gefestigt. Im Sommer vergangenen Jahres holte ihn Norbert Düwel aus Fürth an die Alte Försterei. Doch der damalige Trainer machte Fürstner auch zu einem der Sündenböcke, als der Start mit fünf Spielen ohne Sieg komplett vergeigt wurde. Auf der Sechs, so Fürstner, „braucht man aber Spielpraxis und vor allem Vertrauen“. Selbst wenn wie beim 4:4 in Bielefeld am dritten Spieltag doch einiges schiefläuft. Keller schenkt ihm dieses Vertrauen.

In München sei es deshalb wichtig, „dass wir nicht wieder eine Phase haben, in der wir durchhängen, sondern dass wir unser Spiel über 90 Minuten auch durchziehen“, fordert Fürstner. Und setzt nicht nur sich dabei unter Druck: „Ich kann mich kaum an ein Spiel erinnern, in dem uns mal ein Tor zum Sieg gereicht hätte. Doch genau das müssen wir dem Gegner klarmachen.“

Gelingt dies nicht nur in München, sondern auch in Würzburg, wird Fürstner („Ein Unentschieden ist nun mal eine gefühlte Niederlage“) die bayerische Woche sicherlich genießen. Auch wenn es ja eigentlich eine englische ist.