Stuttgart

Luhukay zieht in Stuttgart die Reißleine

Mangelndes Vertrauen: Der Trainer tritt wegen Differenzen mit Sportchef Schindelmeiser zurück

Stuttgart. Das ging schnell. Und die 121 Tage, in denen Jos Luhukay das Traineramt bekleidete, sind selbst für den krisengeschüttelten VfB Stuttgart eine erstaunlich kurze Zeitspanne. Gerade einmal vier Monate dauerte die Amtszeit des neuen Führungsduos Luhukay und Sportdirektor Jan Schindelmeiser, ehe offensichtliche Differenzen darüber, wie man den Bundesliga-Absteiger aus Schwaben zum direkten Wiederaufstieg führen könne, unüberbrückbar wurden. Am Donnerstag zog der Niederländer die Reißleine.

„Mir fällt dieser Schritt nicht leicht, weil ich in den ersten Wochen meiner Tätigkeit für den VfB Stuttgart bei Fans, Mannschaft und Verantwortlichen das Vertrauen gespürt habe“, sagte Luhukay in einer von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme. Basis seiner Arbeit sei jedoch „immer eine einheitliche Linie aller sportlich Verantwortlichen bei Zusammenstellung und Führung des sportlichen Bereichs und ein uneingeschränktes Vertrauen der Vereinsverantwortlichen in meine Arbeit“ gewesen: „Diese Basis ist beim VfB Stuttgart nicht mehr vorhanden.“

Luhukays bis 2019 laufender Vertrag wurde aufgelöst, eine Abfindung verlangt er nicht. „Das zeigt, dass Jos ein gerader Charakter ist“, sagte Schindelmeiser in einer Pressekonferenz, auf der der Sportdirektor den bisherigen Co-Trainer Olaf Janßen als Interimslösung präsentierte. Ihm zur Seite stehen die Ex-VfB-Profis Andreas Hinkel und Heiko Gerber. „Ich kann betonen, dass es eine reine Interimslösung ist“, sagte Schindelmeiser: „Ob über ein oder mehrere Spiele, das kann ich Ihnen noch nicht sagen.“

Vorausgegangen war ein in der Öffentlichkeit ausgetragener Konflikt zwischen Luhukay und dem nach ihm verpflichteten Sportvorstand. Die beiden hatten nach der 1:2-Heimniederlage gegen Heidenheim am Freitag keinen Hehl mehr aus ihren unterschiedlichen Auffassungen über Spielertransfers und den Kader gemacht.

Insbesondere auf die Zugänge Benjamin Pavard, Carlos Mané und Takuma Asano hatte Luhukay öffentlich sehr zurückhaltend reagiert. „Selbstverständlich war er darüber informiert“, betonte Schindelmeiser. „Drei Tage vor dem Ende der Transferperiode hat er dann gesagt, dass er sie doch nicht will.“ Der Coach hatte zudem kritisiert, dass er im Kader Spieler aus 15 Ländern habe. Am Mittwoch tadelte Aufsichtsratsmitglied Wilfried Porth Luhukay für die offen zur Schau gestellte Unzufriedenheit im Namen des gesamten Kontrollgremiums und stellte sich deutlich auf die Seite von Schindelmeiser.

„Wir sind ganz klar der Meinung, dass wir hier verantwortliche Personen haben, die dieser Verantwortung auch gerecht werden müssen. Ich sage bewusst: Das gilt besonders für den Trainer“, meinte Porth. In der Folge baten die Vorstände Schindelmeiser, Jochen Röttgerman und Stefan Heim ihren Trainer am Donnerstag um 10.30 Uhr zu einem Gespräch, in dessen Verlauf Luhukay sich fürs Gehen entschied. Zudem ließ Schindelmeiser wissen, schon nach dem ersten Gespräch im Sommer gemerkt zu haben, dass es in der Zusammenarbeit schwierig werden könnte.

Schwierigkeiten begleiten Schindelmeisers Karriere

Schwierigkeiten, die es nicht zum ersten Mal gegeben hat bei einem Klub, in dem Schindelmeiser tätig ist. Beispiel Tennis Borussia: Nur wenige Wochen, nachdem Schindelmeister 1998 den Managerposten beim damaligen Zweitliga-Aufsteiger übernommen hatte, trennten sich die Berliner von ihrem Erfolgscoach Hermann Gerland. Zwölf Jahre später war es ein Machtkampf mit Trainer Ralf Rangnick in Hoffenheim, der die TSG 1899 erschütterte und in dessen Zuge der damalige Geschäftsführer Schindelmeiser den Kürzeren zog.

Bleibt festzuhalten: Keinem Klub, bei dem Schindelmeiser arbeitete, ging es besser. Der VfB liegt mit je zwei Siegen und Niederlagen auf Rang neun.