Rio de Janeiro

Alle für einen: Sprint-Staffel holt Gold bei Paralympics

Die deutsche 4x100-Meter-Staffel bejubelt bei den Paralympics ihre Silbermedaille, als sie erfährt: Es gibt noch mehr zu feiern. Für ihren Star Markus Rehm ist es ein perfekter Auftakt in Rio.

Rio de Janeiro. Der Ersatzläufer sah es als Erster. Im Sprinttempo rannte Heinrich Popow die Tribüne des Olympiastadions herunter und brüllte: „Wechselfehler, Wechselfehler!“ Die deutsche Teamleitung und eine Jury schauten sich das 4x100-Meter-Finale bei den Paralympics genauer an. Die Folge: Die USA wurde disqualifiziert, nachdem sie Weltrekord gelaufen war – und die deutsche Staffel zum Sieger erklärt. Markus Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors erfuhren das aber als Letzte. „Wir kamen gerade auf die Zielgerade zurück und sahen, wie auf der Tribüne alle ausflippten“, sagte Rehm. „Wir haben uns gedacht: Ja, wir haben Silber geholt, das ist toll. Aber warum rastet ihr deshalb so aus? Dann habe ich auf die Anzeigetafel geguckt. Das ist krass!“. Dort stand: Platz 1 Deutschland, 40,82 Sekunden, Paralympischer Rekord und Europarekord.

Der verrückte Abend war noch nicht vorbei. Knapp zwei Stunden nach dem Staffel-Sieg liefen Behre, Streng und Floors das 200-Meter-Finale. Und Behre holte einen Tag vor seinem 30. Geburtstag in Europarekordzeit (21,41) Bronze. „Das ist megamäßig. Einmal Gold und einmal Bronze an nur einem Abend – ich kann sehr zufrieden sein“, sagte er. Streng, von einer Erkältung geschwächt, brach den Lauf ab. Aber Floors hielt bis zum Ziel durch – obwohl er sich beim Jubeln nach dem Staffel-Sieg das Knie verdreht hatte. Sein Rezept: „Physiotherapie, ein Tapeverband und ganz viel Adrenalin!“

Es stimmt in der Staffel. Sie ist eine eingespielte Truppe. Ohne Star. Markus Rehm weist jeden Vergleich mit Idol Oscar Pistorius zurück („Wir müssen neue Helden kreieren“). Das Team hält zusammen: vom Physiotherapeuten bis zum Ersatzläufer.