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Rot-Weiß macht sich bereit für ein großes Turnier

Das Davis-Cup-Spiel gegen Polen soll die positive Entwicklung des Vereins an der Hundekehle zeigen. Eigene Talente können dabei helfen.

Das waren noch Zeiten: Die Russin Dinara Safina schlägt bei den German Open 2008 im vollen Steffi-Graf-Stadion auf

Das waren noch Zeiten: Die Russin Dinara Safina schlägt bei den German Open 2008 im vollen Steffi-Graf-Stadion auf

Foto: imago sport / imago sportfotodienst

Berlin.  Ein bisschen ist es wie früher vor den German Open. Die Sonne lacht, nur ist es jetzt nicht die Mai-, sondern die Septembersonne. Überall auf der Anlage am Rande des Grunewalds ist jemand am Werkeln.

Das Laub am Hundekehlesee wird weggeharkt. Vor dem Restaurant „Grand Slam“ ist ein Handwerker mit Reparaturen beschäftigt. Auf den Nebenplätzen spielen ein paar Herrschaften auch Tennis, das geht ja immer. Aber vor allem putzt sich der LTTC Rot-Weiß gerade heraus für ein Ereignis, wie man es hier lange nicht erlebt hat. Davis Cup. Deutschland gegen Polen. Am Freitag (11 Uhr/live auf www.ran.de) geht es los.

Na gut, es ist nicht wie damals, in den goldenen Rot-Weiß-Jahren, Steffi Graf gegen Evert, Navratilova, Sabatini, Seles oder Sanchez-Vicario. Sondern, nach der Absage von Alexander Zverev und Philipp Kohlschreiber, eben Florian Mayer gegen Lukasz Kubot oder Jan-Lennard Struff gegen Kamil Majchrzak.

„Das Interesse ist sehr groß“

Dennoch hofft Hans-Jürgen Pohmann, Pressesprecher des Deutschen Tennis Bundes (DTB) und langjähriges Mitglied bei Rot-Weiß, dass die Ränge des Steffi-Graf-Stadions gut gefüllt sein werden. Gut 4000 Zuschauer finden dort Platz. „Das Interesse ist sehr groß“, sagt er, „das wird auch ein gesellschaftliches Ereignis.“ Der LTTC ist wieder wer.

„Dass wir dieses Spiel bekommen haben, passt zu unserer Entwicklung“, sagt Rot-Weiß-Präsident Werner Ellerkmann. Langsam geht es aufwärts mit dem Verein, der tief in der Krise steckte und hochverschuldet war, als die German Open 2008 nach Madrid verkauft wurden.

Da war die Mitgliederzahl von 1800 auf 1000 geschrumpft. 2013 übernahm der 56-jährige Ellerkmann die Führung. Jetzt sind es 1300 Mitglieder, Tendenz steigend. Der Schuldenberg ist abgebaut. Markus Zoecke, ein Ur-Rot-Weißer, der einmal zu den Top 50 der Welt zählte, wurde als Sportdirektor angestellt und leistet offenbar überzeugende Arbeit.

Aufstieg in die 1. Bundesliga im Visier

Die Tennis-Schule auf der Anlage ist wieder in Händen des Vereins. Das Klubhaus wurde renoviert. Es ist Geld da, „die Spendenbereitschaft“, erklärt Zoecke, „hat zugenommen“. Weil die betuchten Mitglieder erkennen, dass ihre Eingaben allen zugute kommen.

Ellerkmann und seine Mitstreiter haben klare Vorstellungen, und mit der einmaligen Austragung eines Davis-Cup-Spiels soll es nicht getan sein. „Wir bereiten uns darauf vor, Anschluss zu finden an die Zeiten von früher“, sagt der Präsident. Einschränkung: „Aber nur auf gesunder wirtschaftlicher Basis.“

Mit eigenen Talenten wie Rudi Molleker (15), Santa (14) und Robert Strombach (16) ist Rot-Weiß wieder in die 2. Bundesliga bei Damen und Herren aufgestiegen und will auf lange Sicht zurück in die 1. Bundesliga. „Und wir wollen ein Turnier hierher bekommen, Männer oder Frauen – das ist mir egal“, sagt Ellerkmann.

„Die sollen wiederkommen“

Dass Rot-Weiß solche Veranstaltungen organisieren kann, bewies der Klub zuletzt im vergangenen Jahr beim Grand-Champion-Cup mit Michael Stich und Henri Leconte. Er will nie mehr abhängig sein von Einnahmen etwa durch eine Speedminton-WM, die zweimal auf der Anlage stattfand.

Nun soll erstmal der Davis Cup in Berlin ein Erfolg werden, „denn unser Anliegen ist: Die sollen wiederkommen“. Der Präsident meint den DTB, und es darf auch gern mit einem Fed-Cup-Spiel sein angesichts des Höhenflugs von Angelique Kerber.

Doch immer schön Schritt für Schritt, zunächst wird die Anlage auf Hochglanz gebracht. Damit die Tennis-Welt erkennt: Hier könnte gern ein größeres Turnier stattfinden. 2018 wird der neue Kalender aufgestellt. Rot-Weiß macht sich bereit.