Rio de Janeiro

Fahnenträger Rehm holt mit der Staffel Paralympics-Gold

USA werden nach Weltrekord über 4x100 Meter disqualifiziert

Rio de Janeiro. Dem Glamour-Faktor durch die „Scorpions“ folgte Gold-Glanz auf der Tartanbahn: Angeführt von Ausnahme-Leichtathlet Markus Rehm ist die deutsche Sprint-Staffel am Montagabend bei den Paralympics in Rio de Janeiro mit Europarekord zur Goldmedaille gestürmt. Rehm, David Behre, Felix Streng und Johannes Floors kamen in 40,82 Sekunden zwar als Zweite ins Ziel, profitierte aber von der Disqualifikation der USA. Für die deutsche Mannschaft war es die fünfte Goldmedaille unter dem Zuckerhut.

„Das war ein super Lauf von den Jungs“, sagte Chef de Mission Karl Quade, „alle hatten auf diese Staffel gesetzt vorher. Daher war der Druck entsprechend groß. Das ist ein super Ergebnis.“ Aber Quade ging auch noch einmal auf das kuriose Ende dieses Finallaufs ein: „Schöner wäre es natürlich gewesen, direkt zu gewinnen, aber wir sind für Einhaltung von Regeln. Und wer gegen sie verstößt, muss bestraft werden. Dann müssen sie halt anders Staffel üben. Man erläuft sich dadurch tatsächlich einen Mordsvorteil.“ Die USA hatten zunächst in 40,61 Sekunden einen Weltrekord aufgestellt – bis sie wegen eines Fehlers disqualifiziert wurden. Das Leverkusener Quartett der deutschen Staffel war als Welt- und Europameister und Weltranglistenerster ins Rennen gegangen. Es hatte seit zwei Jahren jeden Dienstag ein Extra-Staffeltraining absolviert. Fahnenträger Rehm hofft nun am Sonnabend in seiner Paradedisziplin Weitsprung auf seine zweite Goldmedaille.

Zuvor hatte es an der Tischtennisplatte erneut Silber geben. Einen Tag nach Thomas Schmidberger hat auch Valentin Baus den zweiten Platz belegt. Der Rollstuhl-Athlet aus Bochum verlor sein Finale gegen den Chinesen Ningning Cao in drei Sätzen mit 11:13, 10:12 und 8:11. „Ich wollte unbedingt gewinnen. Ich ärgere mich zwar ein bisschen, aber ich bin auch zufrieden mit Silber. Ich habe ein super Turnier gespielt“, sagte der Weltmeister und fügte kämpferisch hinzu: „Ich greife in Tokio neu an.“ Mit fünfmal Gold, achtmal Silber und fünfmal Bronze rangierte das deutsche Team nach 212 von 528 Entscheidungen in der Nationenwertung auf Platz zehn. An der Spitze liegt China (43/35/25).

Rockband „Scorpions“ zu Gast im Deutschen Haus

Am Vorabend des Medaillenregens hatte die deutsche Mannschaft prominenten Besuch: Die Rockgruppe „Scorpions“ war zu Gast im „Casa Alemao“ und würdigten die Leistungen der Behindertensportler. „Wir haben einen tiefen Respekt davor“, sagte Sänger Klaus Meine. „Die Botschaft ist: Egal, was passiert: Lass’ dich nicht unterkriegen von deinem Schicksal. Du kannst immer noch etwas Großes in deinem Leben auf den Weg bringen.“ Die „Scorpions“ („Wind of Change“) absolvieren zur Zeit eine Tournee in Südamerika. Am Sonnabend traten sie in Rio de Janeiro auf, an diesem Dienstag spielen sie in Santiago de Chile. Im Deutschen Haus gaben sie zum Bedauern der Gäste keine Kostprobe ihres Repertoires. „Musik und Sport – das sind die beiden Themen, die Menschen zusammenbringen“, sagte Meine, „und die die Hoffnungen nicht sterben lassen, dass wir eines Tages doch noch alle in einer friedlichen Welt zusammenleben können.“

Unterdessen haben die deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen das Achtelfinale erreicht. Die Paralympics-Sieger von 2012 in London feierten mit dem 59:20 (32:8) gegen Argentinien den dritten Sieg im vierten Spiel.