American Football

Vier-Sekunden-Mann soll Superstar Peyton Manning ersetzen

Saisonstart in der NFL: Nobody Trevor Siemian soll für Quarterback Peyton Manning bei Super-Bowl-Champion Denver Broncos spielen.

Foto: Dennis Wierzbicki / USA Today Sports

Denver.  Im amerikanischen Sport lieben sie ja Statistiken über alles, doch Trevor Siemian ist bislang ein nahezu unbeschriebenes Blatt. Kein Pass, kein Lauf – der Quarterback hat in der National Football League (NFL) bisher kaum Spuren hinterlassen.

Und doch legt Super-Bowl-Champion Denver Broncos sein Glück nach dem Rücktritt von Superstar Peyton Manning in die Hände des erst 24 Jahre alten Profis. Das ist ungefähr so, als wäre Serge Gnabry in der Fußball-Nationalmannschaft Nachfolger von Kapitän Bastian Schweinsteiger geworden.

Ganze vier Sekunden stand Siemian bislang auf dem Feld. Am 20. Dezember nahm der damalige Rookie der Broncos den Ball bei den Pittsburgh Steelers kurz vor der Pause auf, kniete nieder und beendete damit den Spielzug. Eine typische Aufgabe für einen Ersatzmann.

„Wir stehen zu 100 Prozent hinter ihm“

Nun geht Siemian als Spielermacher Nummer eins in die neue Saison. Die Entscheidung für den Nobody, im Draft 2015 bei 256 Picks an Position 250 gezogen, ist mutig. Trainer Gary Kubiak hat dennoch keine Bauchschmerzen: „Wir müssen Trevor helfen, wo wir können. Aber ich weiß, dass er bereit ist. Wir stehen zu 100 Prozent hinter ihm.“

Für den neuen Regisseur beginnt erst in dieser Woche das NFL-Abenteuer so richtig. Und beim Schritt ins Rampenlicht wartet auf Siemian aus vielerlei Gründen eine ganz besondere Aufgabe. In der Neuauflage des Super Bowl 50 tritt Champion Denver in der Nacht zum Freitag (2 Uhr, Sat.1) gegen die Carolina Panthers an, ziemlich genau sieben Monate nach dem durchaus überraschenden 24:10-Sieg im letzten Spiel der Quarterback-Legende Manning (40).

Siemians Konterpart heißt wieder Cam Newton. Der 27-Jährige wurde in der vergangenen Saison nicht von ungefähr als wertvollster Spieler (MVP) ausgezeichnet, er gilt als der vielseitigste Quarterback der Liga. Siemian hat darunter gelitten. In der Vorbereitung auf das NFL-Endspiel musste der Spielmacher im Training Newton imitieren, er überzeugte nicht wirklich in seiner Rolle.

Große Herausforderung für Siemian

„Ich bin nicht einmal ansatzweise so ein Athlet wie Cam“, sagt Siemian, der sich die neue Funktion mit Brock Osweiler, damals die Nummer zwei hinter Manning, teilte. „Wir haben unser Bestes gegeben. Aber, puh, unsere Defense wird behaupten, dass wir mit unserer Vorstellung nicht wirklich nah an ihm dran waren“, meint Hoffnungsträger Siemian.

Das Training wurde so zum klassischen Fall einer Fehlbesetzung, die Spielmacher sind eben grundverschieden. Der extrovertierte Newton ist für seine Unberechenbarkeit und seine Läufe mit dem Ball bekannt, der unbedarfte Siemian spielt dagegen einfach grundsolide. „Trevor ist ein schlauer Junge, auch deshalb ist er dort hingekommen, wo er ist“, sagt Kubiak: „Wir müssen ihm Freiheiten geben.“

Auf Siemian kommt eine große Herausforderung zu. Aber er muss keine herausragenden Leistungen bringen, um mit dem Team erfolgreich zu sein. Denver hat nach wie vor eine fantastische Abwehr, sie war der Schlüssel zum Titelgewinn, und viele Experten sind der Meinung, dass die Broncos nicht wegen, sondern trotz Manning Anfang Februar Meister wurden.

Tag für Tag musste sich Siemian mit dieser Abwehr um Von Miller, dem besten Spieler des diesjährigen NFL-Finales, auseinandersetzen. Sicher nicht das schlechteste Training, um es zum Super Bowl am 5. Februar in Houston zu schaffen.