Berlin

„Wir haben ein schlagkräftiges Team in Berlin“

DTB-Vizepräsident Hordorff über Querelen vor dem Abstiegsspiel gegen Polen und mögliche Strafen für Spieler, die dem Davis Cup fernbleiben

Berlin. Die Mannschaft für Berlin steht. Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann hat Philipp Kohlschreiber, Florian Mayer, Jan-Lennard Struff sowie Daniel Brands für die Abstiegspartie in der Weltgruppe gegen Polen nominiert. Das Duell findet vom 16. bis 18. September auf der Anlage des LTTC Rot-Weiß Berlin statt. DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff (60) spricht über die Davis-Cup-Partie und den Ärger um Top-Talent Alexander Zverev.

Herr Hordorff, nach vielen Jahren findet endlich wieder ein Davis-Cup-Match in Berlin statt. Doch im Vorfeld wird die Partie von Querelen und Absagen überschattet.

Dirk Hordorff: Also, die Befürchtung, wir würden dort mit einer B-Auswahl antreten, ist unbegründet. Philipp Kohlschreiber, die deutsche Nummer eins, ist nominiert. Er brennt darauf, für Deutschland zu spielen. Und wir hoffen, dass er bis zum ersten Spieltag in Berlin auch fit und einsatzbereit ist. Auch Florian Mayer hat sich bereit erklärt, in Berlin anzutreten. Hinzu kommt unter anderen ein wiedererstarkter Jan-Lennard Struff, das ist also ein absolut schlagkräftiges Davis-Cup-Team.

Kohlschreiber galt in der Vergangenheit als Problemfall im Davis Cup. Nun ist er im Team von Kohlmann die tragende Säule. Wie beurteilen Sie seine Rolle?

Er ist für mich ein Musterprofi, der den Nachwuchsspielern als Vorbild dienen kann. Beim Davis Cup und auch in Rio habe ich aus nächster Nähe gesehen, mit welch professioneller Einstellung er arbeitet. Er ist hochmotiviert für seine Einsätze in der Nationalmannschaft, wirkt auch teambildend.

Eine andere Personalie: Alexander Zverev. Der DTB fördert ihn nach besten Möglichkeiten. Jetzt aber hat er Fans und den Verband zweimal vor den Kopf gestoßen – mit den Absagen für Rio und nun auch für das Davis-Cup-Match. Wie ist die Position des DTB dazu?

Sicher wäre es dem DTB lieber, wenn Alexander nach seinem gelungenen Davis-Cup-Debüt von Hannover auch in Berlin zur Verfügung gestanden hätte. Aber die Gesundheit des Athleten hat Vorrang, und im Falle von Alexander kann ich seine Argumente bezüglich des Platzwechsels auf Sand und auch die damit verbundene Absage für Berlin verstehen. Ich habe mich in New York lange mit seinem Vater und Trainer sowie mit seinem Konditionstrainer unterhalten - und merkte, dass sich alle im Team Zverev die Entscheidung gegen den Davis Cup nicht leicht gemacht haben.

Es bleibt aber die Frage, warum diese körperliche Auszeit nur den Davis Cup betrifft.

Das haben die Personen entschieden, die genau wissen, wie es um seine körperliche Konstitution bestellt ist. Ich weiß genau, dass Sascha nichts lieber täte, als nun für Deutschland zu spielen. Aber es ist halt auch eine Vorbeugemaßnahme. Körperlich ist er diese Saison schon ans Limit geraten.

Teamchef Michael Kohlmann sprach in New York davon, es werde Beratungen mit dem DTB-Präsidium über Konsequenzen aus den diversen Absagen geben.

Der DTB hat in der Tat darüber zu befinden, wie die Absagen einzelner Spieler zu bewerten sind. Jeder Spieler hat aus meiner Sicht das Recht, Davis Cup zu spielen oder nicht. Ich will da gar keine moralischen Verpflichtungen auferlegen. Aber Teil eines Davis-Cup-Teams zu sein heißt, nicht Rosinenpickerei zu betreiben. Entweder verpflichtet man sich für das Team - oder man sollte auch nicht zum Team dazugehören.

Ist das jetzt Ihre Einzelmeinung als Mann, der letztlich für den Leistungssport im Präsidium verantwortlich ist, oder ist das schon ein Standpunkt des gesamten Präsidiums?

Meine Position habe ich mit dem Präsidenten des DTB, Ulrich Klaus, und dem Davis-Cup Kapitän Michael Kohlmann in New York besprochen. Ich werde dem Präsidium des DTB und dem Bundesausschuss des DTB in Berlin vorschlagen, dass Spieler, die Challenger-Turniere oder andere Events dem Davis Cup vorziehen, in der laufenden und kommenden Saison nicht Teil des Davis-Cup-Teams sein werden. Wir werden die ATP-Turnierdirektoren in Deutschland bitten, dieses auch bei ihren Wild-Card-Vergaben zu berücksichtigen.

Das klingt jetzt aber ein wenig so, als mache man die Strafwürdigkeit des Verhaltens von der Wichtigkeit eines Spielers abhängig. Hier gilt Toleranz bei Alexander Zverev, dafür zeigt man Härte an einer anderen Stelle.

Ich bewerte die Vorgänge einfach komplett unterschiedlich. Sonst stecken da keine tieferen Geheimnisse dahinter.