Berlin

Lustenberger gibt auf dem Platz die richtige Antwort

Starker Auftritt des degradierten Schweizers erfreut Dardai sehr

Berlin.  Große Geschichten lassen sich im Fußball manchmal in kleinen Gesten finden. Vedad Ibisevic sollte ausgewechselt werden. Es lief die 85. Minute in Herthas Partie gegen Freiburg am Sonntag (2:1). Die famose Schlusspointe des Spiels sollte erst noch folgen, da rannte Fabian Lustenberger zu Ibisevic und nahm ihn so herzlich in den Arm wie einen alten Freund. In gewisser Weise erlebten die knapp 42.000 Zuschauer hier die Schlusspointe einer Geschichte, die für Lustenberger die vielleicht bitterste seiner neun Jahre bei Hertha war.

Ibisevic hatte den Schweizer erst vor anderthalb Wochen als Kapitän abgelöst. Trainer Pal Dardai entmachtete Lustenberger, was alles andere als einer Entscheidung aus dem Nichts entsprach. Schon länger war der Ungar unzufrieden. Also raus aus der oberen Teamhierarchie, raus auch aus der ersten Elf im Pokal gegen Regensburg. Gegen Freiburg aber stellte Dardai seinen Ex-Kapitän überraschend wieder auf. Es war Lustenbergers 150. Bundesligaspiel für Hertha und ein gutes. Zudem zeigte der 28-Järhige Größe mit der Umarmung Ibisevics, die symbolisierte: Das alles steht nicht zwischen uns. Wichtig ist das Team.

Dardai liebt so etwas. Denn er weiß, dass seine Mannschaft in der Bundesliga nur bestehen kann, wenn sie zusammenhält. Und er liebt es, weil es beweist, dass sein Plan aufgegangen ist: „Fabian hat ein überragendes Spiel gemacht“, sagte Dardai. „Dass er gespielt hat, zeigt, dass bei mir nur die Trainingsleistungen zählen. Fabian hat seit der Entscheidung hervorragend trainiert. Und dann spielt er auch“, so der 40-Jährige.

Dardai hatte bei Lustenberger unter anderem die fehlende Aggressivität bemängelt. Schöne Pointe auch hier: Gegen Freiburg war Lustenberger der Spieler mit den meisten Fouls auf dem Feld (fünf) – und einer, der am meisten gefoult wurde. Er warf sich in jeden Zweikampf. „Meine Entscheidung war sehr schwierig für ihn“, gab Dardai zu, „aber Lusti hat gut geantwortet“.

Auf Fragen freilich wollte der 28-Jährige nicht antworten: „Äh, nein“, war das Einzige, was von Lustenberger nach dem Spiel überliefert wurde. Dann schritt er entschlossen davon: Oberkörper frei, die Muskeln angespannt. Kleine Geste, große Geschichte dahinter.