Bei Bundesliga-Premiere

Hoffenheim neidisch auf RB Leipzigs Unbeliebtheit

„Gebt uns unseren Hass zurück“ – Der Brauseklub punktet auswärts, viele wundern sich aber über den irren Humor der TSG-Fans.

Die Leipziger Yussuf Poulsen and Marcel Sabitzer (M.) im Kopfballzweikampf mit Hoffenheims neuem Stürmer  Sandro Wagner

Die Leipziger Yussuf Poulsen and Marcel Sabitzer (M.) im Kopfballzweikampf mit Hoffenheims neuem Stürmer Sandro Wagner

Foto: Simon Hofmann / Bongarts/Getty Images

In der Nacht zum Sonntag dürfte es bei den Profis von RB Leipzig schon ein wenig heißer hergegangen sein. Der Aufsteiger hatte vor seinem ersten Auftritt in der Bundesliga ein Hotel ohne Klimaanlage gewählt. Warum, das bleibt fraglich. Am Mangel an Zuwendung durch den österreichischen Brausehersteller Red Bull kann es nicht liegen, kurz vor dem ersten Anpfiff in der deutschen Eliteliga wurden schließlich schnell noch der Brasilianer Bernardo von Red Bull Salzburg und Schottentalent Oliver Burke von Nottingham Forrest geholt. Vielleicht sollten sich die Profis einfach nur an die Hitze gewöhnen, die sie auch im Stadion in Sinsheim erwarten wurde. Geholfen hat es jedenfalls. Leipzigs Weg im Oberhaus begann mit einem 2:2 (0:0) bei der TSG Hoffenheim – nach zweimaligem Rückstand.

Die Aufmerksamkeit, die die Sachsen seit ihrem Aufstieg im Mai auf sich zogen, ist schon enorm. Und meist eher negativ, wie ein abgetrennter Bullenkopf im Pokalspiel in Dresden und geschmacklose Protest-Banner belegen. „Man muss uns nicht mögen, aber niemand wird uns von unserem Weg abbringen“, betonte daher Sportdirektor Ralf Rangnick zuletzt gern.

Beim Bundesliga-Debüt bekam er es dann mit dem speziellen Humor der TSG-Fans zu tun. Angesichts des als Retortenklub-Duell angekündigten Spiels gab es per Plakat zunächst „Grüße an die 4 Sky-Zuschauer“. Dann ging es ans Eingemachte. „Den Fußball zerstört nur einer, Hoffe und sonst keiner“, stand da auf Plakaten geschrieben, oder: „Gebt uns unseren Hass zurück.“ Hoffenheim galt nach dem Aufstieg 2009 als der Klub, der für einige mit seinem Mäzen Dietmar Hopp die sogenannte Fußball-Kultur in Deutschland zu zerstören drohte. Sieben Jahre später ist von jenem Aufschrei kaum noch etwas zu hören.

TSG-Coach Nagelsmann bricht Lanze für RB

Coach Julian Nagelsmann hatte sogar eine Lanze für den Neuling gebrochen: „Leipzig macht für die Gesellschaft ja nichts Schlechtes. Sie bilden Talente aus, helfen ihnen bei der Persönlichkeitsentwicklung oder Schulabschlüssen. Wenn 20 Jugendliche mit Disziplin und Teamgeist an einem Ziel arbeiten, ist das doch besser, als wenn sie auf der Straße Blödsinn machen.“ In der Debatte Tradition gegen Kommerz mahnte Nagelsmann an, vor allem die Arbeit des Klubs wertzuschätzen: „Und auch Traditionsvereine geben Geld aus. Da bezahlt auch nicht die Tradition die teuren Spieler.“

Diese Spieler bescherten Ralf Rangnick bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte einen gelungenen Einstand. Von wegen Sommerfußball – beide Teams legten ungeachtet von Temperaturen um die 30 Grad schwungvoll los. Schon in der ersten Minute musste RB-Torwart Peter Gulacsi gegen Mark Uth und Sebastian Rudy retten. RB blieb jedoch unbeeindruckt und kam durch Marcel Sabitzer (4.) und Dominik Kaiser (12.) zu ersten Chancen. Ein Kopfball von Yussuf Poulsen (30.), ein Schlenzer von Kaiser (34.) – Leipzig übernahm immer mehr die Initiative. Für die Hausherren war das Unentschieden zur Pause äußerst schmeichelhaft und einzig dem gut aufgelegten Torwart Oliver Baumann zu verdanken.

Doch zehn Minuten nach Wiederbeginn lag der Aufsteiger plötzlich hinten. Nach einer zu kurz abgewehrten Ecke hämmerte der von Absteiger VfB Stuttgart verpflichtete Lukas Rupp den Ball aus rund 20 Metern ins Eck. Ausgerechnet RB-Kapitän Kaiser, der sich einst in Hoffenheim nicht durchsetzen konnte, traf per Direktabnahme zum Ausgleich (58.). Die erneute Hoffenheimer Führung durch Uth (83.) konterte Leipzig mit dem erneuten Ausgleich durch Sabitzer in der 90. Minute.

Leipziger Imagewerte seit 2015 stark verbessert

Die Erstliga-Premiere der Leipziger war jedenfalls alles andere als schlecht. Und selbst in Sachen Ruf scheint der Aufsteiger voranzukommen. Nach einer Studie der Firma Intelligent Research In Sponsoring (IRIS) haben sich die Imagewerte des sächsischen Klubs seit Sommer 2015 deutlich verbessert. „Das unterstreicht, was wir seit Monaten sagen und spüren: Wir sind längst salonfähig“, kommentierte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff.

Das Sportliche fasste RB-Kapitän Kaiser nach den ersten 90 Bundesliga-Minuten treffend so zusammen: „Das war ein guter Start für uns. Dass wir so zurückgekommen sind, macht Bock auf mehr. Wir haben gezeigt, dass wir uns vor niemanden verstecken müssen“, sagte der Torschütze.