Turnen

Pflanzenöl rettet Hambüchens Vorgänger Wecker

Der Berliner Turner war 1996 Olympiasieger am Reck, ging pleite und verkaufte seine Medaillen. In Amerika findet er jetzt sein Glück.

Andreas Wecker kommt 1996 als ReckOlympiasieger aus Atlanta zurück und wird umschwärmt. Zehn Jahre später verkauft er seine Medaillen: „Um die Miete bezahlen zu können“

Andreas Wecker kommt 1996 als ReckOlympiasieger aus Atlanta zurück und wird umschwärmt. Zehn Jahre später verkauft er seine Medaillen: „Um die Miete bezahlen zu können“

Foto: pa/dpa / picture-alliance / dpa

Für die Zeit nach dem Sport hat Turner Fabian Hambüchen klare Ziele. Deswegen absolvierte der 28-Jährige eine Woche nach dem Olympiasieg am Reck nun die Prüfung zum Rettungsschwimmer. „Schwimmen ist überhaupt nicht mein Sport, aber wegen meines Sportstudiums komme ich um diese Prüfung nicht herum“, so Hambüchen. Schon im Herbst will Deutschlands designierter „Sportler des Jahres“ Stunden als Aushilfs-Sportlehrer geben.

So bodenständig ist nicht jeder. Hambüchens Vorgänger Andreas Wecker, der 1996 in Atlanta gewonnen hatte, war der Sprung ins normale Leben erst gehörig missglückt. Geschäftspläne mit Wellnesszentren scheiterten, nach Privatinsolvenz und Scheidung verscherberlte der Berliner dann 2006 all sein Medaillen. Olympiagold, das ihn allein 1996 insgesamt 360.000 D-Mark hatte verdienen lassen, landete nun für 10.000 Euro im Pfandhaus, die anderen vier Medaillen ersteigerte bei Ebay ein US-Amerikaner.

Da Wecker nach einer lebensbedrohlichen Krankheitsphase durch Morbus Crohn auch noch den christlichen Glauben in Extremform predigte, wendeten sich viele irritiert ab. Der einstige Sportheld wanderte im Herbst 2007 mit neuer Frau, sechsjähiger Tochter und nur drei Koffern aus in die USA – und gab erst jetzt, da er Hambüchen unbedingt zum Triumph in Rio gratulieren wollte, wieder ein Lebenszeichen von sich. „Fabi ist mir ähnlich, denn er ist immer dran geblieben“, erzählt der inzwischen 44-jährige Wecker im Telefonat.

„Im Turnen musst du halt warten können, ein junger Stift ohne Namen gewinnt nie etwas. Ich habe auch erst bei meinen dritten Spielen den Lohn bekommen, Fabi musste gar bis zur vierten Teilnahme warten. Als er dann als Erster im Finale sauber durchkam, sah man an den hohen Wertungen gleich, dass die Kampfrichter ihm den Sieg geben wollten. Sein Rivale Epke Zonderland stürzte danach sicher auch deswegen, weil er von Fabis Noten geschockt war. Allerdings war ich schon immer der Meinung, dass Fabi in der Ausführung der Bessere von beiden ist.“

Wecker, der Hambüchen schon als Zehnjährigen bei Turn-Shows kennenlernte und ihm eine große Karriere prophezeite, turnt inzwischen selber wieder in seiner neuen Heimat Bend im US-Bundesstaat Oregon. Angebote, dort als Trainer zu arbeiten, lehnte er aber ab. „Turnen ist eine gute Sache, um fit zu bleiben. Ich habe wieder mein Wettkampfgewicht von 58 Kilogramm und Spaß am Leben“. Das soll an dem Pflanzenkeimöl liegen, das er in seiner Firma presst und im Internet vertreibt.

Doch auch in den USA hatte Wecker erst harte Zeiten durchmachen müssen: „In Malibu arbeitete ich damals anfangs als Gärtner, meine Frau hat bei reichen Leuten dort geputzt, zum Beispiel bei der Hilton-Family“. Inzwischen gehöre die berühmte Hotelier-Dynastie aber zu den Kunden seines hochwertigen Pflanzenöls. „Ich habe damals als Turner ständig Schmerzmittel und andere Tabletten genommen, über 30 Stück pro Tag, und damit meinen Körper ruiniert. Erst das Öl, dessen Inhalt aus der Saat von Gott kommt, hat mich dann geheilt.“

Seine Tochter Marie-Sophie lässt Wecker in den USA nicht Leistungssport betreiben. „Sport ist nur gut, solange man es für sich tut. Im Leistungssport ist die Motivation irgendwann meist Geld, das ist falsch. Denn Geld kommt automatisch, wenn man das Richtige tut.“ Eine Erkenntnis, die Hambüchen offenbar viel eher kam.